Außenhandel Deutscher Export wächst überraschend stark

Der Außenhandel hat im Mai kräftig zugelegt. Der Export überstieg den Import um 22 Milliarden Euro. "Das wird jenseits des Atlantiks auf Argwohn stoßen", sagt ein Experte.

Containerschiff im Hamburger Hafen
DPA

Containerschiff im Hamburger Hafen


Die deutschen Exporte sind im Mai den fünften Monat in Folge gestiegen. Sie nahmen um 1,4 Prozent im Vergleich zum Vormonat zu, wie das Statistische Bundesamt mitteilte. Ökonomen hatten lediglich mit einem Anstieg um 0,3 Prozent gerechnet, nachdem es im April ein Plus von 0,9 Prozent gegeben hatte. Die Importe kletterten mit 1,2 Prozent ebenfalls kräftiger als erwartet - und bereits zum dritten Mal hintereinander.

Insgesamt verkauften die deutschen Unternehmen im Mai Waren im Wert von 110,6 Milliarden Euro ins Ausland - ein Plus von 14,1 Prozent im Vergleich zum Mai 2016. Die Differenz zum Wert der Importe (88,6 Milliarden Euro) beträgt inzwischen 22 Milliarden Euro.

Gut liefen unter anderem die Geschäfte mit anderen Ländern in der Europäischen Union: Im Vergleich zum Mai 2016 stiegen hier die Ausfuhren um 11,8 Prozent auf 64,2 Milliarden Euro, gleichzeitig erhöhten sich die Importe aus anderen EU-Ländern um 13,2 Prozent. Viele Länder befinden sich in einem Aufschwung - darunter Deutschlands nach den USA größter Exportkunde Frankreich.

Noch stärker wuchsen mit 17,3 Prozent die Exporte in den Rest der Welt. Die sehr starken deutschen Außenhandelsdaten waren auch an der Börse zu spüren - kurz nach Handelsstart legte der Dax um knapp 0,5 Prozent zu.

Risiko der Handelshemmnisse bleibt

Die deutschen Exporte übertrafen die Importe saison- und kalenderbereinigt um mehr als 20 Milliarden Euro. Deutschland wird wegen seines enormen Leistungsbilanzüberschusses international kritisiert. Der Internationale Währungsfonds (IWF) sieht darin auch einen Hinweis darauf, dass Deutschland zu Hause zu wenig investiert, was langfristig das Wachstum dämpfen könne.

Die Kritik an dem hohen Defizit wird laut Thomas Gitzel, Chefvolkswirt der VP Bank, künftig anhalten: "Die Handelsbilanz schwillt derzeit weiter an, was jenseits des Atlantiks erneut auf Argwohn stoßen wird." Kevin Heidenreich vom Deutschen Industrie- und Handelskammertag warnte daher auch: "Das Risiko Handelshemmnisse für Unternehmen bleibt allerdings bestehen - trotz grundsätzlicher Einigung beim G20-Gipfel."

Darüber hinaus, so ING-BiBa-Ökonom Carsten Brzeski, könnte die jüngste Aufwertung des Euro in der für schwankende Wechselkurse empfindlichen deutschen Außenwirtschaft demnächst Spuren hinterlassen. Er sagt aber auch: "Diese potenziellen Risiken können durch die weitere Verbesserung der Konjunktur in der Eurozone ausgeglichen werden."

apr/Reuters/dpa

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insgesamt 13 Beiträge
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joppop 10.07.2017
1. Lohn
Mal sehen, wenn Deutschland anstandige Renten einfuhrt und ein minimum stundenlohn von 10 euro ,es dan noch so gut lauft.
hannesmann 10.07.2017
2. Überschrift
Die Plaudertaschen vom IWF sollten mal konkret benennen wo und vor allem wer mehr investieren sollte. Der Staat fährt einen expansiven Haushalt. Die Baukapazitäten sind ausgereizt. Zusätzliche Unternehmensinvestitionen führen wohl eher zu einem anschließenden weiteren Anstieg der Exporte. Also wer von den Begünstigten der Überschüsse soll jetzt wo investieren?
seine-et-marnais 10.07.2017
3. Allzuviel ist ungesund
Zitat: "Die Kritik an dem hohen Defizit wird laut Thomas Gitzel, Chefvolkswirt der VP Bank, künftig anhalten: "Die Handelsbilanz schwillt derzeit weiter an, was jenseits des Atlantiks erneut auf Argwohn stoßen wird." Nicht nur jenseits des Atlantiks wird die Kritik anhalten. Auch in Europa, das komplett aus dem Gleichgewicht geratene Handelssystem in Europa wird sich weiterhin verschlechtern. Das Problem 'Exportweltmeister' ist einfach. Irgendwann muss sich die Bilanz ausgleichen. Früher wurde dieses Problem durch Wechselkursänderungen sehr oft abgefangen. Im starren Euro-Verbund ist dies nicht mehr möglich. Statt Wir-sind-Weltmeister-zu-feiern sollte man sich dieses Problems annehnmen. Entweder muss man in D Importe fördern um den Aussenhandelsüberschuss abzubauen, in D investieren, das Geld für Service oder Uralub in EU-Land ausgeben, oder Deutschland muss auf Dauer alle Nachbarn alimentieren, sprich für die Nachbarn mitarbeiten und via EU 'Strafgeld' zahlen. Und noch eines, Deutschlands Niedriglöhner und die ansteigende Altersarmut sind die Kehrseite der Medaille.
andreasreiter 10.07.2017
4. Lernt endlich richtig Kaffesatz lesen.
Schon wieder "überraschend". die wirtschaftswissenschaftler und -journaliten sollen einfach zugeben, dass ihre Vorhersagen den Kaffesatz nicht wert sind, aus dem sie lesen. Dann sind sie auch nicht jedem monat aufs neue überrascht. Oder auch einfach ihr Leichtgeschwätz einstellen.
curiosus_ 10.07.2017
5. Ist doch alles absolut und...
...seit vielen Jahren nichts Neues. Die Frage ist nur, wie geht man damit um? (http://www.spiegel.de/forum/wirtschaft/themen-fuer-den-wahlkampf-2017-eine-strategie-gegen-die-angst-thread-624905-1.html#postbit_56513255)
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