Staatsfinanzen Schäuble macht elf Milliarden Euro weniger Schulden als geplant

Die Steuereinnahmen liegen auf Rekordniveau, die Staatskasse ist gut gefüllt: Der Bund muss sich deutlich weniger Geld leihen, als zu Jahresbeginn geplant. Im vierten Quartal zahlt er mehr Schulden als er neue aufnimmt.

Finanzminister Schäuble: Allein im vierten Quartal sechs Milliarden Euro weniger
REUTERS

Finanzminister Schäuble: Allein im vierten Quartal sechs Milliarden Euro weniger


Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) kann sich freuen: Die Regierung will mit der Ausgabe von Geldmarktpapieren und Staatsanleihen dieses Jahr 174,5 Milliarden Euro erzielen, elf Milliarden Euro weniger als zu Jahresbeginn geplant. Das teilte die mit dem Schuldenmanagement betraute Finanzagentur am Dienstag mit.

Zusätzlich will der Bund noch etwa zwölf Milliarden Euro mit Anleihen einnehmen, die an die Inflationsrate gekoppelt sind. Damit erhöht sich das Gesamtvolumen an neu aufgenommenen Schulden in diesem Jahr auf rund 186,5 Milliarden Euro. Weniger hat sich der Bund zuletzt 2002 geliehen.

Allein für das vierte Quartal kürzt der Bund seine Emissionen demnach um sechs Milliarden Euro. "Damit wird der günstigen Entwicklung des Bundeshaushalts und seiner Sondervermögen Rechnung getragen", heißt es in der Mitteilung der Agentur (hier als PDF-Dokument).

Mit dieser Umschreibung sind vor allem die hohen Steuereinnahmen gemeint. Diese lagen in den ersten acht Monaten des Jahres um sechs Prozent über dem Niveau des Vorjahreszeitraums. Grund dafür sind die gute Konjunktur sowie steigende Verdienste und eine Rekordbeschäftigung, die für höhere Einnahmen aus der Lohnsteuer sorgen.

Im vierten Quartal will der Bund der Mitteilung der Finanzagentur zufolge mit 38,7 Milliarden Euro deutlich mehr Schulden tilgen als neue aufnehmen - insgesamt sind lediglich rund 30 Milliarden Euro vorgesehen. Das lässt die Schuldenquote des Bundes sinken. An Zinsen werden im Zeitraum von Oktober bis Dezember demnach eine Milliarde Euro fällig.

Ob die Entwicklung für den gesamten deutschen Staat ähnlich positiv ist, wird sich zeigen: Außer dem Bund werden für die Berechnung eines Staatsdefizits beziehungsweise -Überschusses auch die Finanzen der Bundesländer, der Kommunen und der Sozialversicherung berücksichtigt.

fdi/Reuters



insgesamt 79 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
ackergold 29.09.2015
1.
Zeit, endlich mehr Geld in Bildung zu stecken und z. B. den Bund-Länder-Fonds zur Verbesserung der Lehre an den Hochschulen deutlich aufzustocken.
hooverphonic 29.09.2015
2. Mit Waigel wär' das nicht passiert...
Der hätte es notfalls mit Ach und Krach hinbekommen, dass Deutschland auf jeden Fall mehr Schulden aufnehmen muss als zu Jahresbeginn geplant war. Der war ein Meister in diesem Metier.
Drschlaumeierxy 29.09.2015
3. ich lese immer von ...
einer gut "gefüllten Staatskasse". Nach meinem Wissen ist die nicht nur leer, sondern voll mit lauter Schuldscheinen. Oder hab ich da was verpasst?
Butenkieler 29.09.2015
4. Sparen auf Kosten der Steuerzahler
Wir sparen uns kaputt. Marode Schulgebäude und Brücken, Straßen und Kanäle. Es wird gespart. Und im Land leiden die Menschen und Unternehmen darunter. So geht es nicht weiter.
hmcologne 29.09.2015
5.
Kommt doch zur rechten Zeit. Die alternativlose Rettung von VW steht an.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2015
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.