Studie Mehrheit der Deutschen hält Reiche für egoistisch

Machtbesessen, materialistisch, rücksichtslos: So schätzt rund die Hälfte der Deutschen laut einer Studie die Reichen ein.

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Messe Duesseldorf / ctillmann

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62 Prozent der Bundesbürger halten Reiche für egoistisch, 56 Prozent für materialistisch und die Hälfte für rücksichtslos. Zu diesem Ergebnis kommt eine vergleichende Studie des Soziologen Rainer Zitelmann zu Vorurteilen und Neid gegenüber Reichen in Europa und den USA, die dem SPIEGEL vorliegt. Die Befragungen wurden von den Instituten Allensbach und Ipsos Mori in Deutschland, Frankreich, Großbritannien und den USA durchgeführt (Lesen Sie hier die ganze Geschichte bei SPIEGEL+).

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Heft 7/2019
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Die Hälfte der Deutschen stimmte demnach der Aussage zu, dass die Superreichen, die immer mehr Macht wollten, schuld an vielen Problemen der Welt seien, "an Finanzkrisen oder humanitären Krisen" - damit lag der Anteil etwa doppelt so hoch wie in Großbritannien und den USA. Selbst in Frankreich waren lediglich 33 Prozent der Befragten dieser Ansicht.

Die Gruppe der Befragten, die einen ausgeprägten Sozialneid gegen Reiche empfinden, ist mit 34 Prozent in Frankreich. In Deutschland sind es 33 Prozent. In den USA und Großbritannien sind es 20 und 18 Prozent.

Generell ist in den angelsächsischen Ländern die Sicht auf die Reichen deutlich positiver als in Frankreich und Deutschland. Dies ist ein erwartbares Ergebnis. Und doch hält die Umfrage in den USA eine Überraschung bereit. In dem politisch ohnehin gespaltenen Land klafft auch die Sicht der Jungen und der Älteren auf die Reichen deutlich auseinander.

Dem Satz, Reiche seien "gut im Geldverdienen, aber in der Regel keine anständigen Menschen" stimmten zum Beispiel lediglich 15 Prozent der über 60-jährigen Amerikaner zu. Bei denen unter 30 Jahren waren es 40 Prozent. Auch sonst steht diese Altersgruppe den Reichen kritischer gegenüber. Es scheint, als wachse dort eine Generation der Klassenkämpfer heran.

Ebenso überraschend ist, dass es in Deutschland eher umgekehrt ist. Ob Manager zu viel verdienen oder Reiche zu wenig Steuern zahlen, ob sie nur zu Wohlstand gekommen sind, weil sie sich auf Kosten anderer bereichert hätten - das Urteil der Jüngeren fällt meist milder aus.

Dieses Thema stammt aus dem neuen SPIEGEL-Magazin - am Kiosk erhältlich ab Samstagmorgen und immer freitags bei SPIEGEL+ sowie in der digitalen Heft-Ausgabe.

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insgesamt 216 Beiträge
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espressotime 09.02.2019
1.
Ach Gott.....so fing es auch in der NS-Zeit an, der Neid der Taugenichts Deutschen und die reichen gebildeten Juden. Was hat den Egoismus mit Fleiß, Intelligenz und Umsetzung beider Faktoren zu tun? Lieber selber mal nach etwas höheren Streben als gelb vor Neid werden.
coyote38 09.02.2019
2. Komisch ...
Aber meinen 16-Stunden-Arbeitstag, wo seit 28 Jahren ununterbrochen morgens der Wecker um 05:00 Uhr klingelt ... DEN möchte dann irgendwie doch keiner von den "Armen" haben ...
leberhart 09.02.2019
3. Jeder Reiche...
... der meint, er wäre dem Staat und der Allgemeinheit nichts schuldig wäre, kann ja mal gerne mit 10 Euro in der Tasche ins Entwicklungsland gehen und schauen,ob er dort auch reich wird. Ceterum censeo : erhöht endlich die Abgeltungssteuer
Europa! 09.02.2019
4. Nö
Da die Menschen ohne Geld auf die Welt kommen und ihren "Reichtum" erst in späteren Lebensjahren erarbeiten (oder vielleicht auch ererben), ist es nicht weiter erstaunlich, dass gerade junge Menschen danach schreien, der "Reichtum" müsse verteilt werden. Sie denken dabei meistens an sich als die "Armen". Mit Altruismus oder Klassenkampf hat das nur sehr wenig zu tun.
bieberh 09.02.2019
5. dem ist...
... nichts mehr hinzu zu fügen!!! Die Werte stellen sich noch als recht bescheiden da, dürfen aber in den nächsten Jahren noch merklich steigen.
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