Ost-West-Gefälle Löhne mau, Jobmarkt besser

Schließt die Wirtschaft in Ostdeutschland zu den alten Bundesländern auf - oder stagniert die Entwicklung? "Sowohl als auch", sagt die Bundesregierung.

Montage beim Unternehmen MTU Reman Technologies in Magdeburg (Archiv)
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Montage beim Unternehmen MTU Reman Technologies in Magdeburg (Archiv)


Holt Ostdeutschland wirtschaftlich gegenüber dem Westen auf? Das hängt stark davon ab, welche Kennzahlen betrachtet werden - und wie genau gerechnet wird. Das geht aus dem jährlichen Bericht der Bundesregierung zum Stand der Deutschen Einheit hervor.

Ein Beispiel: Beim Wirtschaftswachstum hinken die neuen Bundesländer hinterher. Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) legte 2017 demnach im Osten um 1,9 Prozent zu, im Westen um 2,3 Prozent. Das hat allerdings auch etwas mit der unterschiedlichen Bevölkerungsentwicklung zu tun. Die Veränderung der Wirtschaftskraft pro Kopf hat sich in Ost und West nämlich ähnlich entwickelt.

Der Anfang der Neunzigerjahre erfolgte "dramatische Rückgang" der Kinderzahl sowie die damals starke Abwanderung vor allem junger, gut qualifizierter Menschen habe langfristige Nachwirkungen. Trotz eines Anstiegs der Geburtenrate nehme die Einwohnerzahl und die Zahl der Erwerbsfähigen weiter ab. Die Alterung schreite schneller voran als in den westdeutschen Ländern: "Das beeinflusst die Angleichung der Wirtschaftskraft und der Lebensverhältnisse auf vielfältige Weise."

Auch deshalb gelingt es nicht, den Abstand zum Westen substanziell zu verkleinern. "Der Abstand zwischen Ost und West baut sich weiter ab, die ostdeutsche Wirtschaftskraft nähert sich allerdings nur noch sehr langsam der westdeutschen an", heißt es in dem Bericht.

Vor allem beim Lohnniveau liegt der Osten noch deutlich hinter dem Westen zurück. Anders gesagt: Wer in Sachsen den gleichen Job macht, wie sein Kollege in Bayern, verdient dennoch deutlich weniger. Auch die Exportorientierung der ostdeutschen Wirtschaft ist noch immer gering. Das hat auch damit zu tun, dass zu Beginn der Neunzigerjahre vielerorts die alte DDR-Industrie zusammenbrach. Die Bedeutung der Industrie - im Westen traditionell stark auf ausländische Märkte ausgerichtet - ist deshalb geringer.

Arbeitslosenquote sinkt

Der Bericht hebt aber auch positive Entwicklungen in dem Bereich hervor. So steige die Exportquote der ostdeutschen Wirtschaft insgesamt an. Sie lag 2017 bei 21,8 Prozent, die Bundesregierung wertet das als Beleg für die wachsende internationale Konkurrenzfähigkeit ostdeutscher Firmen. Auch lägen die Tariflöhne in den neuen Ländern mittlerweile bei 98 Prozent des Westniveaus. Weil die Arbeitnehmer im Westen aber häufiger außertarifliche Zulagen bekommen, erreichen die tatsächlichen Löhne in Ostdeutschland nur 82 Prozent des Westniveaus.

Positiv hat sich auch der Arbeitsmarkt entwickelt. Bei der Arbeitslosenquote betrug demnach die Differenz zum Westen um die Jahrtausendwende noch mehr als zehn Prozentpunkte, 2017 waren es hingegen nur noch 2,3 Prozentpunkte. Zudem sei Ostdeutschland stark bei der Erforschung von Schlüsseltechnologien. Nahezu die Hälfte aller Beschäftigten in Ostdeutschland seien Frauen. Die Vereinbarkeit von Familie und Beruf sei im Osten deutlich einfacher möglich.

Das Ministerkabinett befasst sich am Mittwoch mit dem Bericht. Der Ostbeauftragte der Bundesregierung vor, Wirtschafts-Staatssekretär Christian Hirte (CDU), stellt ihn vor.

beb/dpa



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