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11. Februar 2015, 15:17 Uhr

Schätzung zu Vermögen

Superreiche in Deutschland sind noch reicher als gedacht

Die reichsten Deutschen verfügen über wesentlich mehr Besitz als bisher angenommen. Laut einer DIW-Studie hält das reichste Prozent der Bevölkerung rund ein Drittel des gesamten Privatvermögens. Doch die Forscher können nur schätzen.

Berlin - Wie viel haben sie, wofür geben sie Geld aus, und wie und wo legen sie ihr Vermögen an? Solche Fragen über reiche Menschen beschäftigen nicht nur das Finanzamt. Auch Forscher wollen mehr über das Leben des deutschen Geldadels erfahren. Experten des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) haben deshalb neue Berechnungen und Schätzungen vorgenommen.

Das Ergebnis: Die Superreichen in Deutschland haben wohl noch mehr Geld als bisher angenommen. Das reichste Prozent der Bevölkerung hält Schätzungen zufolge rund ein Drittel des gesamten Privatvermögens, teilte das DIW mit. Das übertrifft die Berechnungen aus dem jährlich aktualisierten Sozio-ökonomischen Panel (SOEP), in dem mehrere Tausend Haushalte Angaben zur Art ihrer Einkünfte machen. Laut SOEP kamen die Superreichen lediglich auf rund ein Fünftel des gesamten Privatvermögens in Deutschland.

Das reichste Tausendstel der deutschen Haushalte besitzt rund dreimal so viel wie bisher vermutet. Ihm gehört zwischen 14 und 16 Prozent des Gesamtvermögens. Insgesamt besitzen die Deutschen bis zu 9,3 Billionen Euro.

Allerdings verweisen die DIW-Forscher selbst auf Unsicherheiten bei den vorgenommenen Schätzungen. Die Datenlage sei "sehr schwierig", räumten die DIW-Forscher Christian Westermeier und Markus Grabka ein. Das Privatvermögen der Superreichen lässt sich dem Institut zufolge aus offiziellen Daten nicht ablesen. Anders als in Ländern, in denen es etwa eine Vermögensteuer gibt.

Die Chance, dass einer der wenigen deutschen Milliardäre oder Multimillionäre in einer repräsentativen Befragung auftauche, gehe gegen null, erklärten die Forscher. Erfahrungen aus einer amerikanischen Studie zeigten zudem, dass die Auskunftsbereitschaft mit der Höhe des Vermögens sinke. "Wir müssen die Top-Vermögen also schätzen", erklärten die Forscher.

Die berechneten Szenarien deuteten aber darauf hin, dass die reichsten Deutschen über wesentlich mehr Vermögen verfügen als in anderen Statistiken angenommen.

Bei ihrer Analyse stützten sich die DIW-Forscher auf die Milliardärsliste des US-Magazins Forbes. Diese verzeichnet den Angaben zufolge alle Menschen mit einem geschätzten Vermögen von mehr als einer Milliarde Dollar. Im Jahr 2013 standen demnach mehr als 50 Deutsche auf der Liste. Die Forbes-Angaben glichen die Wissenschaftler für die Studie mit anderen Statistiken ab.

Die DIW-Studie wurde im Auftrag der gewerkschaftsnahen Hans-Böckler-Stiftung erstellt. Die Vermögen der Superreichen seien beträchtlich, und genauere Angaben wären für eine zielgenaue Gestaltung der Steuer- und Sozialpolitik hilfreich, hieß es.

mmq/AFP

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