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Schätzung zu Vermögen: Superreiche in Deutschland sind noch reicher als gedacht

Die reichsten Deutschen verfügen über wesentlich mehr Besitz als bisher angenommen. Laut einer DIW-Studie hält das reichste Prozent der Bevölkerung rund ein Drittel des gesamten Privatvermögens. Doch die Forscher können nur schätzen.

Lamborghini in München: Reicher als gedacht Zur Großansicht
DPA

Lamborghini in München: Reicher als gedacht

Berlin - Wie viel haben sie, wofür geben sie Geld aus, und wie und wo legen sie ihr Vermögen an? Solche Fragen über reiche Menschen beschäftigen nicht nur das Finanzamt. Auch Forscher wollen mehr über das Leben des deutschen Geldadels erfahren. Experten des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) haben deshalb neue Berechnungen und Schätzungen vorgenommen.

Das Ergebnis: Die Superreichen in Deutschland haben wohl noch mehr Geld als bisher angenommen. Das reichste Prozent der Bevölkerung hält Schätzungen zufolge rund ein Drittel des gesamten Privatvermögens, teilte das DIW mit. Das übertrifft die Berechnungen aus dem jährlich aktualisierten Sozio-ökonomischen Panel (SOEP), in dem mehrere Tausend Haushalte Angaben zur Art ihrer Einkünfte machen. Laut SOEP kamen die Superreichen lediglich auf rund ein Fünftel des gesamten Privatvermögens in Deutschland.

Das reichste Tausendstel der deutschen Haushalte besitzt rund dreimal so viel wie bisher vermutet. Ihm gehört zwischen 14 und 16 Prozent des Gesamtvermögens. Insgesamt besitzen die Deutschen bis zu 9,3 Billionen Euro.

Allerdings verweisen die DIW-Forscher selbst auf Unsicherheiten bei den vorgenommenen Schätzungen. Die Datenlage sei "sehr schwierig", räumten die DIW-Forscher Christian Westermeier und Markus Grabka ein. Das Privatvermögen der Superreichen lässt sich dem Institut zufolge aus offiziellen Daten nicht ablesen. Anders als in Ländern, in denen es etwa eine Vermögensteuer gibt.

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Die Chance, dass einer der wenigen deutschen Milliardäre oder Multimillionäre in einer repräsentativen Befragung auftauche, gehe gegen null, erklärten die Forscher. Erfahrungen aus einer amerikanischen Studie zeigten zudem, dass die Auskunftsbereitschaft mit der Höhe des Vermögens sinke. "Wir müssen die Top-Vermögen also schätzen", erklärten die Forscher.

Die berechneten Szenarien deuteten aber darauf hin, dass die reichsten Deutschen über wesentlich mehr Vermögen verfügen als in anderen Statistiken angenommen.

Bei ihrer Analyse stützten sich die DIW-Forscher auf die Milliardärsliste des US-Magazins Forbes. Diese verzeichnet den Angaben zufolge alle Menschen mit einem geschätzten Vermögen von mehr als einer Milliarde Dollar. Im Jahr 2013 standen demnach mehr als 50 Deutsche auf der Liste. Die Forbes-Angaben glichen die Wissenschaftler für die Studie mit anderen Statistiken ab.

Die DIW-Studie wurde im Auftrag der gewerkschaftsnahen Hans-Böckler-Stiftung erstellt. Die Vermögen der Superreichen seien beträchtlich, und genauere Angaben wären für eine zielgenaue Gestaltung der Steuer- und Sozialpolitik hilfreich, hieß es.

mmq/AFP

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insgesamt 74 Beiträge
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    Seite 1    
1.
tkedm 11.02.2015
Beim besten Willen, aber 1/3 des gesamten Privatvermögens für das reichste Prozent erscheint mir doch arg übertrieben.
2. Geld kann man nicht fressen!
georg.vt@gmx.de 11.02.2015
Na und, dann sollen sie an ihrer Kohle ersticken. Da ewige Leben können auch die nicht erkaufen. Der Tod macht uns zum Glück alle gleich.
3. ?
Walther Kempinski 11.02.2015
Zitat von tkedmBeim besten Willen, aber 1/3 des gesamten Privatvermögens für das reichste Prozent erscheint mir doch arg übertrieben.
Die Schätzung ist übertrieben oder die mutmaßliche "Tatsache", dass es so sein soll?
4.
mitchomitch 11.02.2015
So lange es wesentlich leichter ist, aus einer Million zwei Millionen Euro zu machen, als aus tausend zweitausend Euro, wird die Schere immer größer und größer werden. Ist doch logisch. Wer mehr Kapital zur freien Verfügung hat, der kann auch mehr Kapital investieren, und der kann auch besser investieren und größere Risiken eingehen und höhere Gewinne einfahren (Immobilien, Geschäftsanteile, Spekulationsgeschäfte etc.). Und der kann auch über den richtigen Ansprechpartner (KPMG, Deloitte und Konsorten) alle Steueroptimierungsmöglichkeiten in der weiten Welt ausnutzen, so dass er unter dem Strich auch deutlich weniger mit Kosten belastet ist jeder Kleinsparer, der auf jeden einzelnen Cent seine Einkommens- und Ertragssteuern abführen muss. Wer dagegen auf 0,5 % Zinsen auf dem Sparbuch angewiesen ist, weil er sonst in der Gefahr stünde, alles zu verlieren, wird niemals auf einen grünen Zweig kommen. Er wird vom Fiskus immer klein gehalten.
5. 30 Jahre Neoliberalismus. Griechenland ist nur der Anfang.
olicrom 11.02.2015
Das lässt sich friedlich kaum noch lösen, was da von Kilh, Schröder und Merkel an gesellschaftlicher Katastrophe angerichtet wurde. Die Umverteilung wird stattfinden. Weltweit. So oder so. Wer sich über Pegida, Fremdenfeindlichkeit und zunehmende Gewaltbereitschaft wundert, findet hier alle Gründe. Und sage nachher niemand, das habe man nicht ahnen können.
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