Demografischer Wandel Überalterung der Gesellschaft bereitet vielen Deutschen Sorge

Immer mehr Ältere, immer weniger Jüngere: Die Deutschen nehmen den demografischen Wandel zunehmend als Risiko wahr - und richten sich darauf ein, länger zu arbeiten.

Senioren in Mainz
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Senioren in Mainz


In der Bevölkerung wächst offenbar das Bewusstsein für die Folgen des demografischen Wandels. Dabei verbindet eine Mehrheit der Deutschen die Überalterung der Gesellschaft vor allem mit Risiken. Fast zwei Drittel denken dabei vor allem an Altersarmut, längere Lebensarbeitszeit und steigende Rentenbeiträge, wie eine Befragung im Auftrag der Bertelsmann-Stiftung zeigt.

Konkret antworteten 65 Prozent der Befragten, die Alterung der Gesellschaft bedeute für Deutschland mehr Risiken als Chancen, nur acht Prozent sahen es umgekehrt. Im Jahr 2014 überwogen mit 55 Prozent zwar auch schon für eine Mehrheit die Risiken, diese war aber deutlich kleiner als bei der jüngsten Befragung.

Demografischer Wandel bedeutet, dass es immer mehr ältere und immer weniger jüngere Menschen gibt. Das hat unter anderem große Auswirkungen auf die Rente. Im nächsten Jahrzehnt werden verstärkt die geburtenstarken Jahrgänge in Rente gehen, die sogenannten Babyboomer. Heute zahlen sie noch Beiträge in die Rentenkasse ein, bald sind sie dann Rentenbezieher.

Demgemäß ist die Bereitschaft gestiegen, länger zu arbeiten. 2002 wollten noch 52 Prozent der Befragten früher als gesetzlich vorgeschrieben in den Ruhestand gehen, 2017 ist dieser Anteil auf 25 Prozent zurückgegangen. Im gleichen Zeitraum stieg der Anteil derer, die über die Ruhestandsgrenze hinaus arbeiten wollen, von fünf auf zwölf Prozent.

"Wir waren überrascht, wie stark die Präferenz abgenommen hat, lieber früher als gesetzlich vorgesehen in Rente zu gehen", sagt Bertelsmann-Experte André Schleiter.

Allerdings offenbart die Umfrage auch ein Problem, das die ohnehin bestehende soziale Ungleichheit im Alter noch vergrößern könnte: Ausgerechnet Berufstätige mit niedrigen Einkommen können voraussichtlich wesentlich häufiger nicht über die Regelaltersgrenze hinaus arbeiten, weil sie es gesundheitlich nicht schaffen.

Das gaben 38 Prozent der über 40-jährigen Berufstätigen mit einem Haushaltseinkommen von weniger als 2500 Euro netto für sich an - bei jenen mit einem Einkommen von mehr als 3500 Euro waren es hingegen nur 21 Prozent. Bei Arbeitern waren es 45 Prozent, bei Angestellten lediglich 26 Prozent.

Auffallend ist, dass eine Mehrheit der Befragten für das Land insgesamt Risiken sieht, aber nur eine Minderheit - etwas mehr als ein Viertel der Befragten - Folgen für sich und das persönliche Umfeld befürchtet.

Von der Politik wünschten sich die Befragten beispielsweise, "dass der Pflegeberuf attraktiver wird und dass sie beim Aufbau einer privaten Altersvorsorge unterstützt werden", sagt Schleiter. Bei den Maßnahmen, die aus Sicht der Bürger wichtig seien, um den demografischen Wandel in den Griff zu bekommen, zeigten sich die Sorgen der Befragten sehr deutlich.

Im Video: Pflegenotstand in Deutschland

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Die repräsentative Umfrage führte das Institut für Demoskopie Allensbach im Auftrag der Bertelsmann-Stiftung durch. Befragt wurden 1454 Deutsche ab 16 Jahren im Zeitraum von 7. bis 19. Oktober 2017 in persönlichen Interviews.

fdi/dpa



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Nordstadtbewohner 08.03.2018
1. Glück gehabt!
Ich gehöre nicht zu der Fraktion, die lieber länger arbeitet, statt früh in Rente zu gehen. Vielleicht liegt es auch daran, dass ich nicht dem Zwang der gesetzlichen Rentenversicherung unterliege und so selbst entscheiden kann, wie ich für das Alter vorsorge und nicht die Alten von heute alimentieren muss.
zeisig 08.03.2018
2.
Ich wundere mich immer wieder über den Optimismus und die Freigiebigkeit, die von unseren Politikern an den Tag gelegt wird wenn es um die finanziellen Mittel für die Integration von Flüchtlingen geht. Finazielle Leistungen aus Steuergeldern um den demografischen Wandel auszugleichen sind hingegen kein Thema. Da braucht man sich über den Erfolg der AfD nicht zu wundern.
inge_hammerschmitt 08.03.2018
3. Nach
Mütterrente, Masseneinwanderung in die Sozialsysteme und künstlischer Brfuchtung wiess man, worauf der Schwerpunkt dieser Regierung liegt. Was kümmert eine Frau Merkel die Rentner von morgen. Druch die Mehrausgaben und die Einwanderung von total unqualifizierten Menschen kann man davon ausgehen, dass die Rente immer kleiner wird und die Kosten für Gesundheit und Wohnen immer mehr steigen werden, da auch die Krankenkassen massiv geplündert werden und die Energiewende durch den Endverbraucher bezahlt wird. Der Diesel Treibstoff wird subventioniert, die E autos, die Kohle, die Dämmung, aber Geld für Essen, Wohnen, Gesundheit wird immer weniger! Die Rente schrumnpft permanent und die Kosten werden immer mehr ! Man kommt sich vor, als würde man aufs Shaffott zugehen, je näher man der Rente ist! Danke AM!
dasfred 08.03.2018
4. Demografie allein ist zu kurz gedacht
Solange die Produktivität steigt, wird auch genug für die erwirtschaftet die vorzeitig aussteigen müssen. Alterung bedeutet auch nicht zwangsläufig mehr Pflege. Wer älter wird, wird auch später pflegebedürftig. Wir dürfen die Versorgung der Alten nicht von der Anzahl der Jungen abhängig machen, sondern vom erwirtschafteten Ertrag. Wo genug Geld in eine Volkswirtschaft strömt, kann man die Versorgung der Leistungsträger von heute nicht nur auf den Schultern der abhängig Beschäftigten aufbauen.
kannwohlschonsein 08.03.2018
5. unglaublich
ein Artikel über den demografische Wandel und schon im zweiten Kommentar müssen wieder die Flüchtlinge als Sündenbock herhalten. Das ist der Grund, warum der Erfolg der AFD nicht verwundert, nicht das Handeln der Regierung: diese latente Xenophobie all der Leute, die ja nie selber AFD wählen würden... Witzig, wie oft sich darüber beschwert wird, dass die Parteien mit dem C im Namen mit dem Buchstaben ja nichts anzufangen wüssten und dann gibt es einmal eine Entscheidung aus humanitären anstatt ökonomischen Gründen, da ist es auch schon wieder grundfalsch. Meiner Meinung nach kann diese Nation gar nicht schnell genug überaltern!
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