Tarifverhandlungen Im öffentlichen Dienst drohen Streiks

Der Ton bei den Tarifgesprächen in Potsdam wird schärfer. Die Deutschen müssen sich noch vor Ostern auf Warnstreiks im öffentlichen Dienst einstellen.

Polizisten demonstrieren in Potsdam
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Polizisten demonstrieren in Potsdam


Die Gewerkschaften haben am Montag in Potsdam Warnstreiks angekündigt, nachdem die Arbeitgeber beim Auftakt der Tarifverhandlungen kein Angebot gemacht hatten. Nach Angaben der Gewerkschaft Ver.di werden die Streiks im März stattfinden. Welche Bereiche oder Regionen von den Ausständen besonders betroffen sein sollen, kündigten die Gewerkschaften vorerst nicht an.

Der Vorsitzende des Beamtenbunds DBB rechtfertigte die Streiks. "Wir müssen schon vor der nächsten Verhandlungsrunde Druck aufbauen und die Kolleginnen und Kollegen zu Protestaktionen auf die Straße rufen", sagte Ulrich Silberbach.

Der Präsident des kommunalen Arbeitgeberverbands VKA kritisierte das Vorgehen der Gewerkschaften dagegen. Die Warnstreiks gingen "komplett zu Lasten der Bürgerinnen und Bürger", sagte Thomas Böhle.

Es geht um die Löhne von 2,3 Millionen Menschen

Von den Tarifgesprächen sind sehr viele Menschen betroffen. Verhandelt wird über die künftige Bezahlung der 2,3 Millionen Beschäftigten von Bund und Kommunen - zu diesen gehören unter anderem Erzieher, Mitarbeiter von Müllabfuhr, Straßenreinigung, Krankenhäusern und Bundespolizisten.

Die Gewerkschaften fordern eine Lohnsteigerung von sechs Prozent, mindestens aber ein Plus von 200 Euro pro Monat. "Wir wollen kräftige Lohnerhöhungen deutlich oberhalb des Niveaus der Vorjahre, auch für die unteren und mittleren Einkommensgruppen", sagte Ver.di-Chef Frank Bsirske.

"Sechs Prozent ist viel zu viel", entgegnete VKA-Chef Böhle. Den Mindestbetrag lehnt die VKA komplett ab. Die unteren Lohngruppen würden im Vergleich ohnehin schon besser bezahlt. "Der Mindestbetrag führt dazu, dass den Kommunen Dienstleistungen wegbrechen, befördert Outsourcing, befördert die Gründung von Tochtergesellschaften und ähnliches, was wir eigentlich nicht wollen", sagte Böhle.

ssu/dpa-AFX



insgesamt 53 Beiträge
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Seite 1
Der Name 27.02.2018
1. Absolute Frechheit...
Und ein Schlag ins Gesicht. Für eine zügige tarifeinigung absolut kontraproduktiv. Diätenerhöhungen werden einfach so durchgewungen, aber für die Arbeitnehmer des öffentlichen Dienstes darf es ruhig mal langsamer angehen. Hätte man doch mal ein Angebot vorgelegt um wenigstes den Schein zu wahren.
mcjoe 27.02.2018
2. Es ist definitiv an der Zeit
das auch Mitarbeiter im öffentlichen Dienst endlich gerecht bezahlt werden. Die viel zu niedrigen Forderungen von ver.di sind im Grunde ein Witz. Deutschland ist die vergangenen Jahre wirtschaftlich aufgeblüht, daher sollte auch jeder davon profitieren. Fertig aus.
Mister Stone 27.02.2018
3.
"Der Mindestbetrag führt dazu, dass den Kommunen Dienstleistungen wegbrechen, befördert Outsourcing, befördert die Gründung von Tochtergesellschaften und ähnliches, was wir eigentlich nicht wollen", sagte Böhle. Der Mindestbetrag "führt zu" gar nix und "befördert" gar nix, wenn die Kommunen nicht wollen. Es wird gar nix "wegbrechen", wenn die Kommunen nicht wollen. Es wird überhaupt nichts geschehen, was die Kommunen nicht wollen. Oder was sie "eigentlich" (hinterhältiger geht es kaum) nicht wollen. Diese offene Drohung mit Arbeitsplatzvernichtung und Privatisierung ist die typische neoliberale Keule der öffentlichen Arbeitgeber. Ich würde - wie viele andere - Nachteile bzw. Unannehmlichkeiten haben, wenn gestreikt würde. Aber ich bin absolut dafür, dass mit dem neoliberalen Sparwahnsinn im ÖD Schluss sein muss. Nur so kann Druck auf die öffentlichen Arbeitgeber ausgeübt werden. Allerdings fürchte ich, dass die Gewerkschaften wieder als Offitziere der Arbeitgeber auftreten werden. Die Gewerkschaften tun viel zu wenig für ihre Mitglieder. Sie fungieren seit ca. 30 Jahren immer mehr als Mediatoren zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer, wobei sie ihre Hauptaufgabe wohl darin sehen, die für ihre Mitglieder schlechten Ergebnisse schön zu reden und als Erfolg zu verkaufen. Streik geht auch ohne Gewerkschaft. Macht das den Gewerkschaftsbossen deutlich! Wenn Sie Euch wieder verkaufen wollen, dann jagt sie fort.
wolle0601 27.02.2018
4. Wie du mir..
wenn die Müllabfuhr streikt, halte ich es nur für fair, den Müll dann zur nächstgelegenen Verdi-Geschäftsstelle zu bringen.
ott.burgkunstadt 27.02.2018
5. Wertschätzung
für die Mitarbeiterinnnen und Mitarbeiter des öffentlichen Dienstes sieht anders aus! Die ach so schlimme Verschuldung hat nicht der öffentliche Dienst verursacht, sondern überall nur Politiker. Die sollten mal anfangen, bei sich zu sparen!
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