Euro-Krise: Merkel drängt Spanien unter den Rettungsschirm

"Spanien ist ein solides Land", beteuert Premier Mariano Rajoy. Doch das Vertrauen von Angela Merkel und Wolfgang Schäuble ist gering. Nach SPIEGEL-Informationen wollen sie Spanien unter dem Rettungsschirm EFSF sehen - und so die Folgen eines möglichen Euro-Austritts von Griechenland begrenzen.

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Madrider Börse am 1. Juni: Kein Vertrauen in Spaniens Banken

Hamburg - Bundeskanzlerin Angela Merkel und Finanzminister Wolfgang Schäuble wollen Spanien nach Informationen des SPIEGEL unter den europäischen Rettungsschirm EFSF drängen. Nach Einschätzung der beiden ist das Land allein nicht in der Lage, die Schieflage seiner Banken zu beheben.

Diese Linie verabredeten Merkel und Schäuble Anfang vergangener Woche. Mit dem Schritt will die Bundesregierung die Gefahr eindämmen, dass sich die Euro-Krise nach einem möglichen Ausscheiden Griechenlands in den angeschlagenen südlichen Ländern der Währungsunion verschärft.

Vorigen Mittwoch setzte Schäuble den spanischen Wirtschaftsminister Luis de Guindos bei dessen Besuch in Berlin unter Druck. Spanien müsse sich Geld vom Rettungsschirm besorgen, um damit das Kapital seiner Banken aufzupolstern, forderte der Deutsche. Die Schwierigkeiten des Finanzsektors führten dazu, dass Spanien sich nur noch zu steigenden Zinsen Geld an den Finanzmärkten besorgen könne.

In der vergangenen Woche musste das Land bei Anleiheplatzierungen 6,7 Prozent an Zinsen bieten. Bei diesen Größenordnungen waren Portugal und Irland im vergangenen Jahr unter den Rettungsschirm geschlüpft, auch auf Druck der übrigen Euro-Staaten.

Guindos ließ Schäuble jedoch abblitzen. Sein Land könne die Mittel allein aufbringen, erklärte der Spanier. Zudem wolle er zunächst abwarten, auf welchen tatsächlichen Finanzbedarf Unternehmensberater kommen, die derzeit die spanischen Kreditinstitute durchleuchten.

Experten der Bundesregierung rechnen damit, dass die spanische Bankenwirtschaft eine Kapitalspritze in Höhe von 50 bis 90 Milliarden Euro benötigt. Madrid hatte in den vergangenen Wochen mehrmals Geld für seine Banken außerhalb des bisherigen Rettungsverfahrens gefordert. Das hatte die Bundesregierung abgelehnt.

Der spanische Ministerpräsident Mariano Rajoy warb am Samstag erneut um Vertrauen. "Spanien ist ein solides Land", sagte er auf einer Wirtschaftstagung in der Nähe von Barcelona. "Wir sind nicht auf Rosen gebettet, aber wir befinden uns auch nicht am Vorabend der Apokalypse." Mit Unterstützung der EU-Partner werde Spanien das "Unwetter" an den Märkten überstehen.

Rajoy regte die Schaffung einer neuen Behörde für die Euro-Zone an. Diese Aufsicht könnte die nationalen Haushalte kontrollieren, die Schulden der Mitgliedsländer verwalten und die Fiskalpolitik in den Mitgliedsländern harmonisieren. "Die Europäische Union muss ihre Architektur festigen", sagte der konservative Regierungschef. Dies bedeute einen Schritt zu mehr Integration. Verstärkte Haushaltskontrollen gelten auch als Voraussetzung für eine Einführung gemeinsamer Staatsanleihen (Euro-Bonds), welche die Bundesregierung bislang strikt ablehnt.

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insgesamt 73 Beiträge
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    Seite 1    
1. spanien kann nicht gerettet werden
vadm99 02.06.2012
spanien ist zu gross um gerettet zu werden (von italien ganz zu schweigen).Von 90 milliarden kann keine rede sein.Doch leider ist die wahrheit viel zu haesslich , um sie der deutschen bevoelkerung offen mitzuteilen: etwa 1/3 der deutschen wirtschaft haengt direkt von europaeischen exporten ab.Bricht die eurozone zusammen , bricht die deutsche wirtschaft zusammen.Daher muss sich die deutsche bevoelkerung darauf einstellen , dass Deutschland massive schulden auf sich nehmen wird , das wird sowohl unter Merkel , als auch bei einer kuenftigen SPD Regierung passieren
2. ...
juxeii 02.06.2012
Zitat von vadm99spanien ist zu gross um gerettet zu werden (von italien ganz zu schweigen).Von 90 milliarden kann keine rede sein.Doch leider ist die wahrheit viel zu haesslich , um sie der deutschen bevoelkerung offen mitzuteilen: etwa 1/3 der deutschen wirtschaft haengt direkt von europaeischen exporten ab.Bricht die eurozone zusammen , bricht die deutsche wirtschaft zusammen.Daher muss sich die deutsche bevoelkerung darauf einstellen , dass Deutschland massive schulden auf sich nehmen wird , das wird sowohl unter Merkel , als auch bei einer kuenftigen SPD Regierung passieren
Das mag alles stimmen was Sie da schreiben oder auch nicht. Ich jedenfalls ziehe den(temporären) Zusammenbruch vor, als für andere deren Schulden zu übernehmen. Die Menschen lernen erst ein Umdenken wenn Sie einmal knöcheltief in der Sch*** waren.
3. .
kuddel37 02.06.2012
""Die Europäische Union muss ihre Architektur festigen", sagte der konservative Regierungschef. Dies bedeute einen Schritt zu mehr Integration. Verstärkte Haushaltskontrollen gelten auch als Voraussetzung für eine Einführung gemeinsamer Staatsanleihen (Eurobonds), welche die Bundesregierung bislang strikt ablehnt" Auf keinen Fall darf eine Architektur, die jetzt schon nur auf Kosten einiger weniger Länder basiert, gefestigt werden. Auch braucht Deutschland keine Haushaltskontrolle von irgendwelchen EU-Gestalten, gescheige denn verassungswidrige Eurobons, die nur dazu dienen wildfremde Pleitestaaten zu finanzieren. Deutschland braucht weniger EU, keinen Euro und vor allem keine Gemeinschaft von Zecken und Pleiteländern, die Deutschland bevormundenwollen während sie auf deutsche Steuergelder schielen.
4. Spanien
GerwinZwo 02.06.2012
Der Rettungsschirm kommt für Spanien zu früh. Da ist noch jede Menge Luft. Sonst wäre eine solche Sache wie die Olympiabewerbung Madrids mit den damit verbundenen Kosten nicht möglich.
5. Übliches
doppelsuperw 02.06.2012
"Krisenmanagement" der Kanzlerin. Einerseits sollen die geliebten Banken gerettet werden. Das nimmt langsam manische Züge an. Andererseits soll Spanien unter den Rettungsschirm, d. h. die Troika diktiert den Spaniern dann direkt, wie die Schulden der Zockerbanken beigetrieben werden, natürlich von Otto Normalverbraucher. Und das gegenüber einem Land, dass alle Forderungen der EU buchstrabengetreu umgesetzt hat. Konnte nichts bringen, den die Euro-Krise ist eine Bankenkrise und keine Staatsschuldenkrise. Realitätsverlust, hoffentlich bald Machtverlust.
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