Wirtschaftswachstum 2016 Boom!

Die deutsche Wirtschaft hat 2016 die Erwartungen übertroffen: Das Bruttoinlandsprodukt stieg im vergangenen Jahr um 1,9 Prozent - auch wegen des ausgabefreudigen Staates.

MTU Reman Technologies in Magdeburg
DPA

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1,9 Prozent - das deutsche Wirtschaftswachstum war auch 2016 robust und toppte trotz Brexit-Schock die schon relativ starken Vorjahre, wie das Statistische Bundesamt in Berlin mitteilte. 2015 war das Bruttoinlandsprodukt (BIP) um 1,7 Prozent gestiegen, im Jahr davor um 1,6 Prozent. Zum Jahresende gewann das Wachstum an Tempo, ersten Schätzungen der Statistiker zufolge stieg das BIP in den letzten drei Monaten 2016 im Vergleich zum Vorquartal um ungefähr ein halbes Prozent.

Die Kauflust der Verbraucher und die Ausgaben des Staates, auch für die Unterbringung Hunderttausender Flüchtlinge trugen maßgeblich zum Wachstum bei. Den Bundesbürgern sitzt das Geld locker. Die Lage auf dem Arbeitsmarkt ist historisch günstig und die Inflation niedrig - auch wenn die Teuerung im Dezember wegen gestiegener Energiepreise anzog.

Die privaten Konsumausgaben waren preisbereinigt um 2,0 Prozent höher als ein Jahr zuvor, die staatlichen Konsumausgaben kletterten sogar um 4,2 Prozent. Volkswirte gehen davon aus, dass der Konsum auch im laufenden Jahr die Hauptstütze des deutschen Wirtschaftsaufschwungs bleiben wird.

Auch der anhaltende Immobilienboom sorgte für Schwung. Zudem investierten Unternehmen 1,7 Prozent mehr in Maschinen und Fahrzeuge. Keine Wachstumsimpulse kamen dagegen vom Außenhandel - obwohl Deutschlands Exporteure nach jüngsten Berechnungen des Bundesamtes für das Gesamtjahr 2016 auf ein Rekordergebnis zusteuern. Allerdings legten die Importe im vergangenen Jahr stärker zu als die Ausfuhren.

Der deutsche Staat hat im vergangenen Jahr außerdem zum dritten Mal in Folge mehr Geld eingenommen als ausgegeben. Der Überschuss von Bund, Ländern, Gemeinden und Sozialkassen machte unter dem Strich 19,2 Milliarden Euro oder 0,6 Prozent des BIP aus, nach 0,7 und 0,3 Prozent in den beiden Vorjahren. Ein, wenn auch minimales, Defizit hatte Deutschland zuletzt 2013 verbucht.

Für das abgelaufene Jahr hatten Ökonomen einen Überschuss von ungefähr 0,5 Prozent des BIP erwartet - obwohl der Staat für die Versorgung und Integration Hunderttausender Flüchtlinge erhebliche Mehrausgaben stemmen muss. Offensichtlich werden diese Lasten durch die florierende Konjunktur sowie die anhaltend niedrigen Zinsen mehr als wettgemacht.

nck/dpa

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insgesamt 150 Beiträge
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Seite 1
Tr1ple 12.01.2017
1. Naja 1,9% als Boom zu bezeichnen ist die Frage
Ja wir haben ein hohes BIP aber trotzdem sind meines erachtens 1,9% wenig. Wir beliefern schließlich die Welt. D.h. der Markt ist die Welt und nicht nur Europa oder die USA. Außerdem frage ich mich wo das Wachstum hinfließt nicht in die Mittelschicht und auch nicht wirklich an die Ärmsten seit Zeitarbeit und Harz 4. Wobei man muss auch sehen das die die Vermögenen nicht gerne mit leuten Teilen die aus anderen Teilen der Welt kommen.
i.dietz 12.01.2017
2. Und das alles
ohne CETA und ohne TTiP ? Geht auch so - nicht wahr ?
bidebotchi 12.01.2017
3. 1,9% Boom! :D
Und wer genau soll sich denn jetzt darüber freuen? Selbst wenn das bedeuten würde dass durchschnittlich jeder durchschnittlich 1,9% mehr in der Tasche hat (was niemals der Fall sein wird da dieser "Boom" niemals beim Arbeitnehmer ankommt) wären es immer noch - richtig - nur 1,9 %. Einfach nur noch lachhaft.
joG 12.01.2017
4. Boom! Boom!...
....ist eine interessante Bemerkung. Die Zinsen sind bei 0, der Euro sehr tief, es gibt keinen nennenswerten Haushaltsüberschuss und Geld wird in die Wirtschaften gepumpt. Da schienen mir 1,9% Wachstum geradezu beängstigend, wenn nicht der Vergleich zu den andauernd depressiven und rezessiven Lagen in den anderen Mitgliedsländern des Eurolands wäre. Und in dieser Lage verkündet der Malteser, der die EU Präsidentschaft übernimmt, dass es den Engländern schlechter gehen soll nach dem Austritt? Das nenne ich nicht postfaktisch. Das ist realitätsfremd.
rolli 12.01.2017
5.
Zitat von Tr1pleJa wir haben ein hohes BIP aber trotzdem sind meines erachtens 1,9% wenig. Wir beliefern schließlich die Welt. D.h. der Markt ist die Welt und nicht nur Europa oder die USA. Außerdem frage ich mich wo das Wachstum hinfließt nicht in die Mittelschicht und auch nicht wirklich an die Ärmsten seit Zeitarbeit und Harz 4. Wobei man muss auch sehen das die die Vermögenen nicht gerne mit leuten Teilen die aus anderen Teilen der Welt kommen.
Da die deutschen Arbeitnehmer wegen der wirtschaftshörigen Gewerkschaften in den letzten 20 Jahren auf Lohnzuwächse in Höhe von 100% verzichtet haben - kein Inflationsausgleich und keine Teilhabe am Produktivitätsfortschritt - wissen wir, wer nicht am Wachstum teilgenommen hat, und da die Akteure begrentzt sind, wissen wir auch, wer daran teilgenommen hat. Mit den enormen Gewinnen wurde das Finanzcasino 2005 gestartet in dessen Verlauf die Banken die versprochenen Renditen nicht mehr erwirtschaften konnten und das Finanzsystem nachhaltig ruiniert haben. rolli
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