Deutschland Wirtschaftsforscher korrigieren Konjunkturprognose nach oben

Mehr Wachstum, weniger Arbeitslose, hohe Überschüsse: Die führenden Wirtschaftsforschungsinstitute heben ihre Konjunkturprognosen an.

Stahlwerk in Niedersachsen
DPA

Stahlwerk in Niedersachsen


Das Bruttoinlandsprodukt wird in diesem Jahr deutlich stärker zulegen als ursprünglich vorausgesagt: statt der noch im Herbst erwarteten 2,0 nun um 2,2 Prozent. Zu diesem Ergebnis kommen die führenden Wirtschaftsforschungsinstitute in ihrem am Donnerstag veröffentlichten Frühjahrsgutachten für die Bundesregierung. Auch im kommenden Jahr dürfte es besser laufen als bisher gedacht. Statt 1,8 Prozent plus erwarten die Experten nun 2,0 Prozent. "Der Boom, in dem sich die deutsche Wirtschaft befindet, hält an", sagte der Leiter der Konjunkturforschung des federführenden Ifo-Instituts, Timo Wollmershäuser. "Allerdings wird die Luft dünner, da die noch verfügbaren gesamtwirtschaftlichen Kapazitäten knapper werden."

Die gute Konjunktur kommt auch am Arbeitsmarkt an: Die Zahl der Erwerbslosen soll in diesem Jahr auf rund 2,3 Millionen fallen und damit erstmals seit der Wiedervereinigung unter der Grenze von 2,5 Millionen liegen. 2019 sollen es dann 2,2 Millionen sein. Die Zahl der Beschäftigten dürfte bis dahin auf das Rekordniveau von rund 45,3 Millionen steigen. Das wären eine Million mehr als 2017.

Auch beim Fiskus macht sich der Aufschwung immer stärker bemerkbar: Er soll in diesem Jahr einen Rekordüberschuss von fast 38 Milliarden Euro erzielen, der im kommenden Jahr ähnlich hoch ausfallen dürfte. Grund genug für Wollmershäuser, vor Begehrlichkeiten zu warnen: "Gerade wenn die Kassen voll sind, sollte die Finanzpolitik die Konsequenzen für die gesamtwirtschaftliche Stabilität und die Nachhaltigkeit der Staatsfinanzen im Blick haben". Die im Koalitionsvertrag vereinbarten Leistungsausweitungen in der Gesetzlichen Rentenversicherung liefen dem Nachhaltigkeitsgedanken zuwider.

Der Boom wird den Experten zufolge wahrscheinlich nicht in eine starke Inflation münden: Die Institute gehen davon aus, dass die Teuerungsrate in Deutschland sowohl in diesem als auch im kommenden Jahr unter zwei Prozent bleibt. Die EZB strebt für die gesamte Euro-Zone knapp zwei Prozent an. Wegen der Exportstärke dürfte der Überschuss in der Leistungsbilanz in beiden Jahren bei jeweils rund acht Prozent des Bruttoinlandsproduktes liegen. Die EU-Kommission sieht bereits Werte ab sechs Prozent als stabilitätsgefährdend an, da Ländern mit Überschüssen Staaten mit hohen Defiziten gegenüberstehen.

Die Gemeinschaftsdiagnose dient der Bundesregierung als Basis für ihre eigene Prognose, die kommende Woche veröffentlicht werden soll. Beteiligt an dem Gutachten sind das Münchner Ifo-Institut, das Berliner DIW, das Essener RWI, das Kieler IfW und das IWH Halle.

mik/Reuters



TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.