Deutschland Immer mehr Senioren arbeiten

Im vergangenen Jahr haben in Deutschland 16,1 Prozent der 65- bis 69-Jährigen gearbeitet. Sie wollen nicht nur die eigene Rente aufbessern.

Senior mit Geld (Symbolbild)
DPA

Senior mit Geld (Symbolbild)


Der Anteil der arbeitenden Senioren ist in den vergangenen zehn Jahren deutlich gestiegen. Im vergangenen Jahr waren 16,1 Prozent der 65- bis 69-Jährigen erwerbstätig, wie aus Zahlen des Statistischen Bundesamtes hervorgeht. 2007 waren es lediglich 7,1 Prozent - also weniger als die Hälfte. Am Donnerstag will das Bundesamt in Berlin weitere aktuelle Zahlen zur gesellschaftlichen Teilhabe von Senioren in Deutschland vorstellen.

Die eigene Rente aufzubessern ist nicht der einzige Grund für den Anstieg. "Viele Leute wollen das und arbeiten freiwillig weiter. Es ist sehr identitätsstiftend, weiter im Arbeitsleben zu stehen", sagt die Altersforscherin Verena Klusmann von der Universität Hamburg. "Und es ist gesellschaftlich gewollt. Man will die Älteren halten, man kann auf ihre Expertise nicht verzichten."

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Klusmann fordert, das Eintrittsalter in den Ruhestand flexibler zu gestalten. Wer gewillt sei, länger zu arbeiten, solle nicht daran gehindert werden. Andererseits müsse es möglich sein, auch früher ohne extreme Nachteile aus dem Job auszuscheiden - etwa in körperlich sehr belastenden Berufen.

Ende 2017 waren dem Statistischen Bundesamt zufolge 17,7 Millionen Menschen in Deutschland 65 oder älter. Das ist mehr als jeder Fünfte. Tipps dazu, wie Sie Ihre Rente erhöhen können, finden Sie hier. Und mehr über die Pläne von Sozialminister Hubertus Heil (SPD) zur Rentenreform erfahren Sie hier.

aar/dpa



insgesamt 102 Beiträge
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Seite 1
dipl.inge83 18.10.2018
1. Super
'Man will die Älteren halten, man kann auf ihre Expertise nicht verzichten.' Schön wenn sich das jetzt ändert. Persönlich habe ich das in etlichen Unternehmen nämlich gerade anders herum erlebt. Da wurde mit allen Mitteln versucht die erfahrenen Kollegen los zu werden. Das waren nämlich auch immer die, die noch lukrative Verträge hatten, eine eigene Meinung, nicht mehr über jedes Stöckchen gesprungen sind und hier und da auch mal ein paar Krankheitstage mehr aufwiesen.
skylarkin 18.10.2018
2.
Die entscheidende Aussage, dass gerade die arbeiten wollen und können, die es am wenigsten benötigen, während die die ihre Minirente aufbessern müssten und es gerne täten nicht arbeiten können weil ihnen die Möglichkeit fehlt, wird unterschlagen. Dies zementiert Ungleichheiten. Wurde doch gerade gemeldet (auch von Spon) oder passt das nicht in das Bild, dass es uns eigentlich doch soo gut geht?
dasfred 18.10.2018
3. Identitätsstiftende soziale Teilhabe
Tolles Thema. Starte ich gleich morgen früh um drei eine Umfrage zu. Erst bei den Zeitungsausträgern, dann im Bus unter den alten Frauen, die in aller Frühe Büros putzen. Natürlich gibt es angenehme Berufe, in netter Umgebung, die nicht körperlich belasten. Da sollte jeder, der fit ist und Spaß an der Arbeit hat solange bleiben dürfen wie er mag. Aber von sozialer Teilhabe zu sprechen, ist ein Euphemismus für Menschen, die sich aus purer Not zur Arbeit quälen müssen. Wobei gerade die Rentnern mit hohen Renten und Pensionen sich viel mehr an Freizeitvergnügen, Urlaub, Ehrenamt leisten können, als Rentner, für die eine Tasse Kaffee außer Haus schon in Konkurrenz zu einem warmen Mittagessen Zuhause steht. Die sich in der Innenstadt nur noch die Schaufenster ansehen dürfen, weil es kaum noch möglich ist, ohne Geld vor die Tür zu gehen. Tausende EU Rentner unter 65 vegetieren Zuhause vor sich hin, weil sie selbst für einfache Tätigkeiten keinen Job finden, bzw. bei Grundsicherung gratis arbeiten müssten. Hier soll mal wieder etwas problematisiert werden, was für gut situierte kein Problem darstellt, Arme aber mehr oder weniger verhöhnt. Mehr als die Hälfte der Bevölkerung arbeitet um zu leben, nicht wegen der tollen Anerkennung und dem wunderbaren sozialen Miteinander. Das ist in einigen Berufen bestenfalls eine angenehme Begleiterscheinung. Mir hängt dieses großkotzige Geschwafel mittlerweile zum Hals raus.
karljosef 18.10.2018
4. Ob mich da jemand informieren kann?
Als >45-jähriger (Langzeit-)Arbeitsloser hat man auf dem ersten Arbeitsmarkt keinerlei Chance, egal was die Arbeitslosenstatistik auch immer fromm erzählt. (Leider weiß ich ganz genau, was ich beschreibe!) Als Rentner ist man offensichtlich wieder hoch willkommen. Ob mir jemand sagen kann, wie hoch die Sozialabgaben der Arbeitgeber bei Rentnern sind?
Diskussionsteilnehmer 18.10.2018
5. Tolle Studie
"Und es ist gesellschaftlich gewollt. Man will die Älteren halten, man kann auf ihre Expertise nicht verzichten." Man will vor allem denen die Rente kürzen können, die es nicht bis 67 schaffen. Ich bekomme das ja im Büro noch irgendwie hin, aber andere werden da weniger Möglichkeiten haben. Außerdem würde ich auch gern mit 60 in Rente. Geht nur nicht mehr in Deutschland,
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