Devisenreserven: Chinas Banken greifen nach dem Billionen-Schatz

Der chinesische Staatsfonds verwaltet die größten Devisenreserven der Welt. Nun wollen auch die Banken des Landes Zugriff auf das Geld. Zugleich plädieren die Institute für eine neue Anlagestrategie: Raus aus europäischen Staatsanleihen, lautet der neue Kurs.

Dollar- und Yuan-Scheine: China hortet die größten Devisenreserven der Welt Zur Großansicht
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Dollar- und Yuan-Scheine: China hortet die größten Devisenreserven der Welt

Peking - Chinas Banken sollen künftig einen Teil der gewaltigen Devisenreserven des Landes managen. Das schlägt der einflussreiche Chef des größten Kreditinstituts Industrial and Commercial Bank of China (ICBC), Jiang Jianqing, vor. "Wir brauchen eine neue Denkart im Umgang mit unseren Devisenreserven", sagte Jiang am Donnerstag bei einem Wirtschaftsforum in Peking.

Weil China weltweit am meisten Waren exportiert und vergleichsweise wenig importiert, hat das Land in den vergangenen Jahren gigantische Devisenreserven von zuletzt 3,2 Billionen Dollar angehäuft. Der Großteil davon wird vom Staatsfonds CIC gemanagt. Die großen Finanzinstitute des Landes wollen nun an der Verwaltung der Reserven beteiligt werden. "Wir sind erfahren im Projektmanagement", sagte Bankchef Jiang. "Und wir sind nahe an den Kunden und am Markt."

Mit dem Vorstoß verbunden ist auch der Wunsch nach einer neuen Anlagestrategie. Immer wieder gab es zuletzt Kritik daran, dass China seine Reserven vor allem in europäische und amerikanische Staatsanleihen investiert hat. Spitzenbanker Jiang fordert nun ein Umdenken: "Die europäische Schuldenkrise entfaltet sich noch immer", sagte er. "Es ist schwierig, die Reserven weiter so zu managen wie bisher. Das birgt Gefahren."

Die chinesische Führung hat bereits angedeutet, künftig stärker in europäische und amerikanische Unternehmen sowie in Infrastruktur zu investieren. Die Zentralbank will dazu zwei Fonds im Gesamtvolumen von 300 Milliarden Dollar gründen. Sie sollen unter dem Dach eines neuen Investmentvehikels verwaltet werden, das bereits lange vor Beginn der Euro-Krise in Planung war.

Auch China bekommt die Folgen der Schuldenkrise zu spüren. Im Dezember stieg der von der Großbank HSBC ermittelte Einkaufsmanagerindex für die Industrie zwar auf 49 Zähler von 47,7 im November. Er blieb aber unter der Wachstumsschwelle von 50 Punkten. "Die Wachstumsimpulse bleiben schwach, zudem gibt es Abwärtsrisiken von den Exporten", sagte China-Chefökonom Qu Hongbin von HSBC.

Vor allem im Inland gingen die Aufträge der Industrie deutlich zurück. Auch das Umfeld für das Exportgeschäft bleibe schwierig, sagte ein Sprecher des Handelsministeriums. Ein Grund dafür sei die Unsicherheit in Europa. In den ersten drei Quartalen hatte Chinas Wachstum stetig an Tempo verloren. Einige Ökonomen gehen davon aus, dass Chinas Wachstum 2012 unter neun Prozent fallen könnte - zum ersten Mal seit 2001.

stk/Reuters

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1. Raus aus den europäischen Staatsanleihen
PH-sauer 15.12.2011
Zitat von sysopDer chinesische Staatsfonds verwaltet die größten Devisenreserven der Welt. Nun wollen auch die Banken des Landes Zugriff auf das Geld. Zugleich plädieren die Institute für eine neue Anlagestrategie: Raus aus europäischen Staatsanleihen, lautet der neue Kurs. Devisenreserven: Chinas*Banken greifen nach dem*Billionen-Schatz - SPIEGEL ONLINE - Nachrichten - Wirtschaft (http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,803962,00.html)
Dieser Satz liest sich wie das Menetekel 2012. Der neue europäische Vertrag soll bis Frühjahr eingetütet werden. Solange haben wir aber keine Zeit! Wenn es ganz dumm kommt, zerbricht die deutsche Bundesregierung und dann... ja dann...
2. Warum nicht?
anonym07 15.12.2011
Zitat von sysopDer chinesische Staatsfonds verwaltet die größten Devisenreserven der Welt. Nun wollen auch die Banken des Landes Zugriff auf das Geld. Zugleich plädieren die Institute für eine neue Anlagestrategie: Raus aus europäischen Staatsanleihen, lautet der neue Kurs. Devisenreserven: Chinas*Banken greifen nach dem*Billionen-Schatz - SPIEGEL ONLINE - Nachrichten - Wirtschaft (http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,803962,00.html)
Warum eigentlich nicht? Immer her mit dem Geld. Aber bei Beteiligungen bitte nicht mehr als 49,9%, ganz auf Gegenseitigkeit beruhend. ;-)
3. Goldman Sachs
CitizenTM 15.12.2011
Zitat von sysopDer chinesische Staatsfonds verwaltet die größten Devisenreserven der Welt. Nun wollen auch die Banken des Landes Zugriff auf das Geld. Zugleich plädieren die Institute für eine neue Anlagestrategie: Raus aus europäischen Staatsanleihen, lautet der neue Kurs. Devisenreserven: Chinas*Banken greifen nach dem*Billionen-Schatz - SPIEGEL ONLINE - Nachrichten - Wirtschaft (http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,803962,00.html)
Die Chinesischen Banken werden wahrscheinlich von GoldmanSachs beraten. Die chinesischen Banker haben vermutlich ihre Meriten an der Wallstreet erworben. Ebenso wie der neue Präsident von Italien. An den BIZ SCHOOLS und an der Wallstreet lernt man vor allem das eine: seinen eigenen Vorteil so zu verschleiern, dass der andere zu dessen eigenen Nachteil handelt. Mit dem Geld anderer zocken. Das ist das einzige was die Wallstreet und Mainhattan Geldsäcke wollen. Zu horrenden Gebühren natürlich. Ich gehe auch mal zu meinem reichen Onkel und sage ihm, dass ich ihm sein Geld an der Spielbank vermehren will. Dafür muss er mir auf jedem Einsatz den ich mache nochmals 10% für meine 'Expertise' geben. Schliesslich bin ich ein erfahrener Glücksspieler und weiss wie die Kugel rollt. Wenn's Geld weg ist, blöd für ihn. Wenn's aber gut läuft dann muss er mir von dem Gewinn nochmals 30% abgeben. Warum würde er das tun. Na ist doch klar - damit er zuhause in Ruhe vor dem TV sitzen kann und hoffen, dass sich sein Geld vermehrt. Mein reicher Onkel allerdings zeigt mir den Vogel.
4. 'Entwicklungsland' China
manometer 15.12.2011
Schon merkwürdig: gigantische Devisenreserven, größter Exporteur – aber in Durban erfolgreich den Status 'Entwicklungsland' exerzieren. Kanada hat vorgemacht, wozu es unseren Politikern an Mumm und Durchsetzungskraft gegenüber dem globalen Kapitalfaschismus und seiner Sprecher, den Ratingagenturen und der City, mangelt.
5. Die Chinesen sind nicht so blöd
spiekla 15.12.2011
Zitat von sysopDer chinesische Staatsfonds verwaltet die größten Devisenreserven der Welt. Nun wollen auch die Banken des Landes Zugriff auf das Geld. Devisenreserven: Chinas*Banken greifen nach dem*Billionen-Schatz - SPIEGEL ONLINE - Nachrichten - Wirtschaft (http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,803962,00.html)
wie wir, sich von Investmentbanken und Ratingagenturen abhängig zu machen, sondern weiterhin volkswirtschaftlich nützlich und unabhängig zu investieren.
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Der chinesische Staatsfonds CIC
Der Auftrag
Der chinesische Staatsfonds CIC wurde gegründet, um die enormen Devisenreserven des Landes anzulegen. Insgesamt verfügt China über Devisen im Wert von mehr als drei Billionen Dollar - es sind die größten Reserven der Welt. Offiziell nahm die CIC (China Investment Corporation) die Arbeit Ende September 2007 auf. Der Fonds verfügt mittlerweile über ein geschätztes Kapital von 200 bis 300 Milliarden Dollar. Das Ziel des Fonds ist eine möglichst hohe Rendite. Pro Tag muss der Fonds mindestens 44 Millionen Dollar verdienen, um die Anleihen zu bedienen, die zu seiner Finanzierung ausgegeben wurden. Politischer Einfluss scheint dagegen nicht an erster Stelle zu stehen. Bislang zumindest erwiesen sich die Sorgen westlicher Regierungen als nicht begründet.
Die Mittel
Vom Gesamtkapital des Fonds steht nur etwa die Hälfte für Auslandsinvestitionen zur Verfügung, die andere Hälfte soll inländischen Unternehmen, vor allem den staatlichen Banken, zugute kommen. Allein 67 Milliarden Dollar wurden dazu genutzt, Central Huijin zu kaufen, einen Investment-Arm der chinesischen Zentralbank, der Anteile an Chinas größten Geldhäusern hält. CIC-Chef Lou Jiwei sagte, sein Fonds wolle zur Stabilisierung der globalen Märkte beitragen - ebenso wie andere Staatsfonds, die sich ebenfalls an großen Banken beteiligt haben, als diese in den Strudel der Hypothekenkrise gerieten.
Die Investitionen
In seiner ersten Investition kaufte der Fonds knapp zehn Prozent an der US-Beteiligungsgesellschaft Blackstone für drei Milliarden Dollar. Dieser Anteil hat seit dem Einstieg der CIC im Juni 2007 rund 60 Prozent an Wert eingebüßt, da der Kurs der Aktien stark gefallen ist. Einige Monate später stieg die CIC auch bei Morgan Stanley ein. Für den 9,9-Prozent-Anteil an der US-Investmentbank zahlte sie fünf Milliarden Dollar. Auch bei dieser wohl größten Einzelinvestition verlor die CIC einen Milliardenbetrag. Mittlerweile investiert der Staatsfonds bevorzugt in den weltweiten Rohstoffmärkten, etwa in Indonesien, Russland, Kanada oder Kasachstan. Doch auch eine Beteiligung am deutschen Autobauer Daimler wurde geprüft.

Fläche: 9.572.900 km²

Bevölkerung: 1341,335 Mio. Einwohner

Hauptstadt: Peking

Staatsoberhaupt: Xi Jinping

Regierungschef: Li Keqiang

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