Devisenreserven Warnung aus China lässt Dollar-Kurs einbrechen

Ein einzelner Artikel versetzt Anleger in Aufruhr: Ein hochrangiger Beamter aus Peking moniert, die Dollar-Reserven seines Landes seien zu groß - die US-Währung verliert massiv an Wert. Dann verschwindet der Text wieder aus dem Internet.

Yuan-Noten: Rasante Liberalisierung der Währung
REUTERS

Yuan-Noten: Rasante Liberalisierung der Währung


Peking - Amerika und China galten eine Zeitlang als weltwirtschaftliche Einheit, als "Chimerika". Ihre Kooperation folgte einer einfachen Logik: Die USA konsumieren, konsumieren, konsumieren - und kurbeln so die Weltwirtschaft an. Die Chinesen kaufen, kaufen, kaufen - und zwar besonders gern die Staatsanleihen der Amerikaner. Über die Zeit hat China Reserven von mehr als drei Billionen Dollar angehäuft.

Jetzt bröckelt die Allianz - und Anleger stellen sich bange Fragen: Was, wenn China seine Dollar-Positionen irgendwann verkauft? Dann würden massive Kurseinbrüche drohen. Die Chinesen, wettern manche, hätten den Dollar als Geisel genommen. So groß ist die Nervosität inzwischen, dass schon die kleinste Warnung aus China den Kurs der US-Währung Kapriolen schlagen lässt.

So auch am Dienstag: Da tauchte im Internet ein Artikel von Guan Tao auf, dem Chef der Abteilung für internationalen Zahlungsverkehr bei der chinesischen Währungsaufsicht. Nach Angaben der Nachrichtenagentur Reuters warnt Tao darin vor Risiken bei zu großen Währungsreserven in Dollar. Es sei davon auszugehen, dass der Dollar weiter an Wert verlieren werde. Veröffentlicht worden sei der Text auf der Web-Seite des Pekinger Think-Tanks China Finance 40 Forum.

An sich ist das keine bemerkenswerte Prognose. Schließlich sind die USA hochverschuldet, die amerikanische Konjunktur stockt, und die US-Notenbank Fed hat den zentralen Zinssatz des Landes fast auf null gesenkt und zudem die am Markt verfügbare Dollar-Menge ausgeweitet. All das ist schlecht für potentielle Anlagen in die US-Währung - und drückt den Kurs.

Der Dollar geriet dennoch unter Druck. Sowohl zu einem Korb aus verschiedenen Währungen als auch zum Euro verlor die US-Währung deutlich an Wert. Zum Schweizer Franken erreichte er ein Rekordtief von 0,8364 Franken. Der Euro Chart zeigen notierte zeitweise auf einem Vier-Wochen-Hoch zum Dollar.

Warum der Text wieder aus dem Netz verschwand

Der Text von Guan Tao indes verschwand rasch wieder aus dem Internet - auf Wunsch von Guan, wie der Betreiber der Web-Seite bekanntgab. Der Artikel habe lediglich seine persönliche Meinung wiedergegeben, sagte Guan gegenüber Reuters.

Die Nervosität an den Märkten ist bezeichnend. Schließlich halten es Experten eher für unwahrscheinlich, dass China wirklich Dollar-Reserven im großen Stil auflöst. Schließlich würden die Chinesen damit auch ihre eigenen Exporte in die USA erschweren und den Wert ihrer restlichen eigenen Dollar schlagartig verkleinern.

"Das Drohszenario aber bleibt", schreibt der Journalist Daniel Eckert in seinem Buch "Weltkrieg der Währungen: Wie Euro, Gold und Yuan um das Erbe des Dollar kämpfen". Schließlich handeln Staaten nicht immer rational. Allein in der jüngeren Geschichte sei gut ein Dutzend Mal ein Krieg angefangen worden - obwohl die Beteiligten genau wussten, dass sie der eigenen Wirtschaft dadurch massiv schaden.

Guan aber verwendete in seinem Artikel keine Kriegsmetaphern. Laut Reuters äußerte der Mann eher recht fortschrittliche Gedanken. Er signalisierte eine Reform seiner Landeswährung. Diese ist zurzeit vom Markt weitgehend abgekoppelt - und soll nun Schritt für Schritt freigegeben werden. Die Bedingungen für eine Beschleunigung dieses Kurses seien günstig, schreibt Guan. Allerdings sehe er keinen Grund für eine deutliche Aufwertung des Yuan. Dabei gilt die chinesische Währung vielen Experten als massiv unterbewertet.

ssu



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insgesamt 35 Beiträge
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Seite 1
Progressor 07.06.2011
1. Kleine makroökonomische Wortfindung
"massive Kurseinbrüche drohen" = die USA kommen möglicherweise zu einer ausgeglichenen Leistungsbilanz "Währungsreserven" = zum Zwecke der Wettbewerbsverzerrung gehortete Dollar
luca duca conte 07.06.2011
2. ...
Zitat von sysopEin einzelner Artikel versetzt Anleger in Aufruhr: Ein hochrangiger Beamter aus Peking moniert, die Dollar-Reserven seines Landes seinen zu groß - die US-Währung verliert massiv an Wert. Dann verschwindet der Text wieder aus dem Internet. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,767075,00.html
Ahh ein einziger Artikel sorgt dafür dass der Dollar "massiv" an Wert verliert?? Der Dollar steht wohl auf sehr soliden Füssen! loool Tja 3 Billionen sind schon was, dachte eigentlich die Chinesen haben so 1-2 Billionen Dollars.
christian2210 07.06.2011
3. China läßt halt die Muskeln spielen
So etwas nennt man psychologische Kriegsführung.
TheNameless 07.06.2011
4. Die Chinesen verkaufen ihre Dollars...
Zitat von sysopEin einzelner Artikel versetzt Anleger in Aufruhr: Ein hochrangiger Beamter aus Peking moniert, die Dollar-Reserven seines Landes seinen zu groß - die US-Währung verliert massiv an Wert. Dann verschwindet der Text wieder aus dem Internet. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,767075,00.html
... und tauschen sie um in Bitcoins! Muharharhar.
schultern 07.06.2011
5. China hustet
China hustet... und die USA bekommen die Lungenentzündung
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