Forderung nach Ausnahmeregel DGB für Frauenquote light in Männerbetrieben

Die Arbeitgeber sollen sich strikt an die Frauenquote in Aufsichtsräten halten - doch für Vertreter der Belegschaft fordert der Deutsche Gewerkschaftsbund eine Ausnahmeregel. "Wir müssen uns am Geschlechterverhältnis im Betrieb orientieren."

Maschinenbau: Häufig ist der Frauenanteil in der Belegschaft gering
DPA

Maschinenbau: Häufig ist der Frauenanteil in der Belegschaft gering


Berlin/Passau - Der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) spricht sich bei der geplanten Frauenquote in Aufsichtsräten für Ausnahmeregeln in Betrieben mit hohem Männeranteil aus. "Bei der Wahl der betrieblichen Vertreterinnen und Vertreter der Beschäftigten müssen wir uns am Geschlechterverhältnis im Betrieb orientieren", sagte DGB-Vize Elke Hannack der "Passauer Neuen Presse".

Grundsätzlich solle es sowohl für Arbeitgeber - als auch für externe Gewerkschaftsvertreter in Kontrollgremien eine "Geschlechterquote" von 30 Prozent geben. Vertreter der Belegschaft sollen davon aber ausgenommen sein. Ihre Entsendung in den Aufsichtsrat müsse sich am konkreten Anteilsverhältnis von Frauen und Männern im jeweiligen Unternehmen orientieren, schreibt das Blatt mit Verweis auf ein DGB-Papier. Sonst drohten Probleme dabei, feste Quotenvorgaben etwa in Betrieben mit stark männerdominierten Berufsgruppen umzusetzen.

Wie aus einer am Mittwoch von Bundesfamilienministerin Manuela Schwesig (SPD) vorgestellten Studie hervorgeht, liegt der Anteil von Frauen in den Aufsichtsräten der öffentlichen Unternehmen von Bund, Ländern und Kommunen derzeit bei 25,1 Prozent. Manche Betriebe in der Industrie kommen aber auf geringere Frauenanteile in der Belegschaft. Bei den öffentlichen Unternehmen will Schwesig mit schärferen Vorgaben dafür sorgen, dass große Bundesfirmen wie Bahn, Flugsicherung oder Bundesdruckerei mehr Frauen ins Management holen.

Hoffmann lobt Mindestlohn

Den flächendeckenden Mindestlohn, den der Bundestag heute verabschieden will, wertet DGB-Chef Reiner Hoffmann als Erfolg der Gewerkschaften: "In der politischen Gesamtbewertung allerdings ist ganz klar: Der Mindestlohn ist ein Erfolg für uns Gewerkschaften", sagte er der "Augsburger Allgemeinen". "Die SPD hat in der großen Koalition viele von unseren Vorstellungen durchgesetzt."

Vorwürfe, der Mindestlohn von 8,50 Euro pro Stunde gefährde mehr als eine Million Arbeitsplätze, wies Hoffmann als "Propaganda" zurück. "Der Mindestlohn wird kein Jobkiller sein, das bestätigen seriöse Studien und die Erfahrungen aus unseren europäischen Nachbarländern oder den Vereinigten Staaten."

Unakzeptabel an der jetzt gefundenen Regelung sei unter anderem, dass Langzeitarbeitslose in einem neuen Job das erste halbe Jahr außen vor blieben. "Und bei den Saisonarbeitern hat sich die Bauernlobby durchgesetzt", kritisierte Hoffmann. Er sei aber froh, "dass es keine regionalen Ausnahmen gibt und keine dauerhaften Ausnahmen für bestimmte Wirtschaftsbereiche.

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Angepasste Frauenquote in Männerbetrieben?

Der Frauenquote sind alle Parteien eines Betriebes verpflichtet, die Vertreter in den Aufsichtsrat entsenden. Was aber, wenn die Belegschaft überwiegend aus Männern besteht? Sollen dafür Ausnahmen gelten?

mik/dpa-AFX

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seiplanlos 03.07.2014
1. Frauen Anteil steigern
Ist manchmal Quatsch... es gibt Berufe da wollen Frauen einfach nicht hin. Bzw da kommen auf 100 männliche Bewerbungen nur ein oder zwei weibliche. Manchmal sogar gar keine. IT, Müllabfuhr, Mechaniker, Straßenbauer, Mauer, Florist, Kindergärtner, ... Wenn wir hier Überfall eine Quote einführen - und zwar eine Geschlechts neutrale - dann gute Nacht.
Horstino 03.07.2014
2. Das Letzte!
Beim DGB haben ein paar Herren scheinbar Angst um ihre lukrativen Pöstchen. Ein klassischer Fall von Wasser predigen und Wein saufen.
thunderstorm305 03.07.2014
3. Eine Quote in Betrieben ist völliger Unsinn!
Die Umfrage passend zum Artikel mag keine Aussagekraft besitzen, aber die Grundtendenz ist trotzdem interessant. Eine Frauenquote in Betrieben ist in jeglicher Form ein völliger Quatsch. Wer schon einmal eine Ingenieursvorlesung auf der Universität besucht hat, der weiss dass es in bestimmten Berufsgruppen auch in Jahrzehnten keine Anpassung der Geschlechter geben wird. Wieso sollte man deshalb in den Betriebsgremien eine solche Quote gesetzlich festschreiben? Der Staat hat hier nichts zu suchen und keine Vorgaben zu machen. Wenn dann sollte man eher über Aktionen wie den "Girls-Day" den weiblichen Anteil in Ingenieursberufen steigern.
e-l 03.07.2014
4. DGB hat den Sinn der Frauenquote nicht verstanden!
Die Frauenquote soll den Anteil der Frauen in einem Maße erhöhen, der nur auf der Basis von Abstimmungen männerlastigen Bereichen ansonsten nie sich ändern würde. Umgekehrt wird sich der Frauenanteil "normaler" Mitglieder sich auch nicht erhöhen, wenn das Denken darüber sich in den Gremien nicht ändert, die darüber entscheiden. Auch der DGB ist in der Führung männerlastig. Über eine Gewerkschaft, die dem DGB angeschlossen ist, bin ich dort selbst Mitglied. Ein solches Denken des DGB-Vorstandes aber könnte mich zum Austritt bewegen! Auch Spiegel-Online scheint männerlastig zu sein, wenn man die Umfrage zu diesem Artikel sieht. Warum fehlt eine Antwortmöglichkeit in dem Sinn "Die Geschlechter/Frauen-Quote soll für alle (auch Arbeitnehmervertreter) gelten, um eine Gleichberechtigung in den Unternehmen zu entwickeln". Unternehmen im Metall und Maschinenbau (die ich selbst kenne), die einen höheren Frauenanteil ausprobiert haben, wissen nun um die u.a. Steigerung der Kreativität und Inovation und postivieren Betriebsklima. Betriebe, die Vorturteile habe, werden sich ohne Vorgabe ihre Strukturen nie ändern - vorallem in den genannten Bereichen wie Metall- und Maschinenbau!
Entsetzt 03.07.2014
5. Die armen Frauen..
denn je höher Quote sein wird desto mehr werden sich Frauen die Anklage anhören müssen, "Dass sie ja nix können und den Job nur der Quote wegen haben". Das ist ein Schlag ins Gesicht für alle qualifizierte Frauen. Ich halte das für kontraproduktiv.
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