Bundeskongress DGB-Chef Hoffmann wiedergewählt

Der Vorsitzende des Deutschen Gewerkschaftsbundes ist für eine zweite Amtszeit wiedergewählt worden. Allerdings stimmten deutlich weniger Delegierte für Reiner Hoffmann als noch 2014.

DGB-Vorsitzender Reiner Hoffmann
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DGB-Vorsitzender Reiner Hoffmann


Am Sonntag hielt Reiner Hoffmann ein flammendes Plädoyer gegen die AfD. Er sprach von einem feinen Gespür der Menschen, dass es immer ungerechter zugehe. An das Gespür des DGB-Gewerkschaftsbosses glauben inzwischen deutlich weniger Delegierte als noch vor wenigen Jahren.

Hoffmann ist nun auf dem Bundeskongress in Berlin mit lediglich 289 der 379 abgegebenen Stimmen wiedergewählt worden. Das entspricht 76,3 Prozent. Als er 2014 erstmals zum DGB-Vorsitzenden gewählt worden war, erzielte er noch 93,1 Prozent.

Am Vortag hatte es in einer Aussprache neben Unterstützung auch Kritik an Hoffmann gegeben. Viele Delegierte hielten ihm vor, dass er nach dem Aus der Sondierungen über eine Jamaika-Koalition von Union, Grünen und FDP die SPD mehrmals dazu aufgerufen hatte, sich einer neuen großen Koalition nicht zu verschließen.

Mehr Zustimmung für andere Vorstandsmitglieder

Hoffmann war 2014 als Nachfolger von Michael Sommer gewählt worden. Zu seinem Stil gehören kämpferische Reden und eine fordernde, aber auch verbindliche Haltung gegenüber der Bundesregierung. Für einen Spitzengewerkschafter ist er in der Öffentlichkeit aber vergleichsweise wenig präsent. Seine Amtszeit beträgt nun erneut vier Jahre.

Mit der Wiederwahl der weiteren drei Mitglieder komplettierten die Delegierten den geschäftsführenden DGB-Vorstand. DGB-Vize Elke Hannack erhielt 327 Stimmen (86,5 Prozent). Für Vorstandsmitglied Annelie Buntenbach stimmten 311 Delegierte (81,2 Prozent). Stefan Körzell bekam 315 Stimmen (83,6 Prozent). Gegenkandidaten gab es nicht.

Noch bis Donnerstag diskutieren in Berlin rund 400 Delegierte unter dem Motto "Solidarität, Vielfalt, Gerechtigkeit" unter anderem über den digitalen Wandel, Mindestlohnkontrollen, gleiche Bezahlung von Frauen und Männern sowie Steuergerechtigkeit.

apr/dpa



insgesamt 2 Beiträge
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yvowald@freenet.de 14.05.2018
1. Dringender Kurswechsel notwendig
Was hat dieser Herr Hoffmann für den DGB geleistet? Schlaue Reden, aber sonst? Wenn es dem DGB und den Einzelgewerkschaften nicht endlich gelingt, einen klaren Kurs für uns Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer zu fahren, verkümmern auch hierzulande die Gewerkschaften, so wie in den USA. Leidtragende sind wir alle, denn er setzt sich dann überhaupt noch für uns unselbständig Beschäftigte ein? Da die SPD längst keine Partei der Kleinen Leute mehr ist, sollte der DGB versuchen, mit der Partei DIE LINKE ein gemeinsames Grundsatzprogramm zu formulieren. Vielleicht wäre dies eine Möglichkeit, die Kapitalseite zurückzudrängen und dem Faktor Arbeit endlich mehr Macht zu verleihen.
Leser Stefan 14.05.2018
2. Der DGB...
...sollte sich jetzt dann von der Lobby SPD trennen, und mit den Linken sich neu ausrichten! Die angesprochenen Probleme der Abwanderung von Mitgliedern zu AFD nahen Gewerkschaften hat sehr viel mit der Agenda 2010 und der rein für die Wirtschaft Instrumentalisierte soziale Grundsicherung Hartz 4 zu tun...den Schwerpunkt sozial bei einer AFD zu finden sein soll ist mir jedoch schleierhaft. Wenn jemand mit solch einen Stimmenverlust gewählt wird, hat falsche Entscheidungen getroffen...wie die kürzlich distanzierendeden Aussagen zum bedingungslosem Grundeinkommen, welches kommen wird! Aber wer die SPD mit Hartz 4 noch unterstützt, hat halt kein Gespür für die Belange ihrer Mitglieder, sondern will nur in der elitären Gesellschaft weiterhin Grinsen dürfen...und überhaupt...wie will die DGB ihre sozialen Pläne durchsetzen??
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