Studie Zwei Millionen junge Deutsche ohne Ausbildung

Ein zentrales Ziel deutscher Bildungspolitik wird drastisch verfehlt. Bis 2015 sollte die Zahl der jungen Menschen ohne Berufsabschluss halbiert werden, doch das dürfte kaum gelingen. Zwei Millionen waren nach jüngsten Zahlen des DGB ohne abgeschlossene Ausbildung.

Auszubildende in Bremen: Mehr als jeder sechste hat keinen Abschluss
dapd

Auszubildende in Bremen: Mehr als jeder sechste hat keinen Abschluss


Berlin - Es war eines der zentralen Ziele der deutschen Bildungspolitik - und es wird offenbar weit verfehlt. Die Zahl der jungen Menschen im Land ohne Berufsabschluss bis 2015 zu halbieren, scheint unmöglich zu erreichen - das berichtet die "Süddeutsche Zeitung" unter Berufung auf eine Studie des Deutschen Gewerkschaftsbunds (DGB), für die amtliche Statistiken ausgewertet wurden.

Daten des Bundesinstituts für Berufsbildung zufolge haben 1,44 Millionen Menschen im Alter von 20 bis 29 Jahren keine Lehre abgeschlossen oder einen Beruf erlernt. Dies entsprach im Jahr 2010 17,2 Prozent der Altersgruppe. 2009 lag der Wert bei 16,4, im Jahr zuvor ebenfalls bei 17,2 Prozent. Die Zahl der Ungelernten bis 34 Jahre liegt sogar bei 2,2 Millionen.

DGB schreibt von "Generation Abgehängt"

Im Oktober 2008 hatten sich Bund und Länder auf dem Dresdner Bildungsgipfel darauf verständigt, die Zahl der Schul- und Ausbildungsabbrecher bis 2015 um die Hälfte zu verringern. Die Umsetzung dieses Plans "scheint ausgeschlossen", heißt es in der Untersuchung. "Es ist keine Tendenz zu erkennen, dass sich bis 2015 etwas gravierend ändert", zitiert die "SZ" den Essener Bildungsforscher Klaus Klemm. Das Ausbildungsjahr beginnt in Deutschland am 1. September.

Der Studie zufolge haben von den 2,2 Millionen Ungelernten fast zwei Drittel einen Haupt- oder Realschulabschluss, ganz ohne Schulabschluss seien 400.000 Personen. Aber nur 1,2 Millionen hätten einen Job, oft in Branchen mit eher schlechter Bezahlung wie im Gastgewerbe, Gesundheitswesen, Einzelhandel oder am Bau, schreibt die Zeitung. Dies weise auf "extreme Probleme beim Übergang von der Schule in den Beruf" hin.

Die wegen des Geburtenrückgangs gesunkene Zahl der Bewerber habe "nicht dazu geführt, dass junge Menschen mit niedrigem Bildungsabschluss leichter den Weg auf den Ausbildungsmarkt finden". Die Hälfte der Ausbildungsberufe sei für diese "Generation Abgehängt" verschlossen.

nck



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insgesamt 71 Beiträge
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MütterchenMüh 31.08.2012
1. nun gut
Zitat von sysopdapdEin zentrales Ziel deutscher Bildungspolitik wird drastisch verfehlt. Bis 2015 sollte die Zahl der jungen Menschen ohne Berufsabschluss halbiert werden, doch das dürfte kaum gelingen. Zwei Millionen waren nach jüngsten Zahlen des DGB ohne abgeschlossene Ausbildung. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,853097,00.html
Traurig, traurig. So bedauerlich diese Einzelschicksale sein mögen, sie stellen den Nachschub bzw. die harte Subtanz der Alg-II-HE dar. Werden dann meistens nach lebenslangem Arbeitsleben nur eine Rente unter Alg-II-Niveau erhalten. Ein Grund mehr, die Zuschussrente von v.d.Leyen abzulehnen.
odysseus33 31.08.2012
2. Strategische Aufgabe
Für das Land wäre es gut wenn dieses Problem als strategische Aufgabe angepackt würde, wo geklotzt und nicht gekleckert wird. Bei Themen wie Energiewende ist man dazu ja auch bereit. Auch ethisch wäre es an der Zeit die Versäumnisse und Arroganz von Jahrzehnten gegenüber Immigranten und Abgehängten gut zu machen, bzw. einfach die Pflicht gegenüber den Kindern und Jugendlichen wahr zu nehmen. Das würde dem Land in jeder Hinsicht gut tun. An Beispielen wie der Rütli-Schule sieht man dass man durchaus etwas bewirken kann. Man fragt sich aber ob es nicht viele gibt in Politik und Wirtschaft die eine große soziale Schere, Armut und Abhängigkeit sogar begrüßen. Als notwendigen "Faktor" in ihrer Welt des freien Marktes betrachten. Billige, willige Massen, auch als Abstiegs- Drohkulisse auch für die Mittelschicht. Ob die Mittelschicht sich weiter von der "Oberschicht" instrumentalisieren lässt, sich de-solidarisiert mit den Schwachen, ob sie die Vision einer Bürgerrepublik der Gleichen, die meiner Meinung nach aus dem Grundgesetz spricht, wieder beleben wollen, das ist die Frage.
hajo58 31.08.2012
3. Ausbildung oder Ausbeutung?
Zitat von sysopdapdEin zentrales Ziel deutscher Bildungspolitik wird drastisch verfehlt. Bis 2015 sollte die Zahl der jungen Menschen ohne Berufsabschluss halbiert werden, doch das dürfte kaum gelingen. Zwei Millionen waren nach jüngsten Zahlen des DGB ohne abgeschlossene Ausbildung. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,853097,00.html
Das ist noch lange nicht das Ende der Fahnenstange. Auch diejenigen jungen Leute die eine „Ausbildung“ gemacht haben, haben eigentlich keine Ausbildung weil sie nicht ausgebildet, sondern lediglich ausgebeutet wurden. In manchen deutschen „Ausbildungsbetrieben“ kann scheinbar alles gemacht werden, außer Ausbildung natürlich. Die IHK, als zuständige Stelle, schaut weg und kontrolliert nicht. Vielleicht sollte sich der DGB auch einmal um solche Missstände kümmern. So kommt es, dass viele junge Menschen ein Stück Papier in den Händen haben aber nichts gelernt haben. Hier müsste der Gesetzgeber einmal hart durchgreifen. Aber der ist nur an guten Zahlen interessiert und sonst nichts.
joppo 31.08.2012
4. Meilenweit
Kan es vieleicht daran liegen dass viele berufsschulen noch mit mittelalterigen methoden arbeiten? Die mit der realitat in der wirtschaft meilenweit entfernt ist?
Christ 32 31.08.2012
5. tja
es gibt genug die partout nicht wollen, in meiner Bekanntschaft gibt es auch einen Jungen der trotz diverser Lehrstellenangebote lieber ein bequemes Praktikumsjahr in der Schule macht. Der hat schlicht keinen Bock auf eine geregelte Arbeit und ist völlig Beratungsresistent. andere schmeißen wiederum die Lehre kurz vor der Abschlußprüfung hin, weil sie plötzlich der Meinung sind es wäre vieleicht doch der falsche Beruf. Man kann niemanden zu seinem Glück zwingen und sowas gabs auch schon vor 25 Jahren als ich meine Lehre gemacht habe.
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