Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.

Dickes Staatsminus: Schuldenberg wächst auf 2.000.000.000.000 Euro

Die Finanzkrise hat zu einem rasanten Anstieg der Staatsverschuldung geführt. Im vergangenen Jahr hatte die Bundesrepublik erstmals Miese von mehr als zwei Billionen Euro. Dramatisch fällt der Vergleich mit 1990 aus: Seitdem vervierfachten sich die Verbindlichkeiten nahezu.

Finanzminister Wolfgang Schäuble: Bald wieder unter der Maastricht-Grenze? Zur Großansicht
dapd

Finanzminister Wolfgang Schäuble: Bald wieder unter der Maastricht-Grenze?

Frankfurt am Main - Sparen lautet das offizielle Credo der Regierung, doch der Schuldenberg wächst weiter kräftig. Die Staatsschulden kletterten 2010 im Vergleich zum Vorjahr um 319 Milliarden Euro auf 2,08 Billionen Euro, teilte die Bundesbank mit.

Damit hat sich die Staatsverschuldung seit 2005 um mehr als eine halbe Billion Euro erhöht. Dies entspricht einem Zuwachs von rund einem Drittel. Noch drastischer fällt der Vergleich zu 1990 aus: Damals hatte die Bundesrepublik Miese in Höhe von knapp 540 Milliarden Euro. Somit haben sich die Schulden in den vergangenen 20 Jahren nahezu vervierfacht.

Die deutsche Schuldenlast stieg im vergangenen Jahr von 73,5 Prozent auf 83,2 Prozent der jährlichen Wirtschaftsleistung. Nach den EU-Regeln ist maximal eine Marke von 60 Prozent des Bruttoinlandsprodukts erlaubt. Deutschland liegt also deutlich darüber. Allerdings wird die Regel auch von anderen Ländern kaum eingehalten. Bei der Schuldenstandsquote bleibt Deutschland auch auf absehbare Zeit vom EU-Zielwert weit entfernt. Der Regierung zufolge fällt der Wert im laufenden Jahr nur leicht auf 82 Prozent. Bis 2015 will Deutschland dann einen Schuldenstand von 75,5 Prozent des Bruttoinlandsprodukts erreichen.

Laut Bundesbank hat vor allem die Finanzkrise zu dem hohen Schuldenstand beigetragen. In dem Zuwachs spiegelten sich Maßnahmen zur Finanzmarktstabilisierung über 241 Milliarden Euro wider, hieß es. Diese stünden vor allem im Zusammenhang mit den sogenannten Bad Banks der Hypo Real Estate (HRE) und der WestLB.

Konjunktur-Plus bessert die Staatsfinanzen

Zumindest bei der Neuverschuldung will Deutschland aber die EU-Regel wieder einhalten. Demnach darf der Finanzminister neue Schulden maximal in Höhe von drei Prozent der Wirtschaftsleistung machen. Das Kabinett beschloss am Mittwoch ein Stabilitätsprogramm, mit dem die Bundesrepublik die Nettokreditaufnahme noch in diesem Jahr auf 2,5 Prozent des Bruttoinlandsprodukts drücken will. Damit würde die Regierung unter die Defizitgrenze rutschen.

2012 soll das Staatsdefizit dann auf eineinhalb Prozent sinken, 2013 auf ein Prozent und 2014 auf ein halbes Prozent. Das mittelfristige Ziel des Europäischen Stabilitätspakts würde damit schon 2014 erreicht. Mit einer Neuverschuldungsquote von 0,5 Prozent wäre die Regierung in drei Jahren nahe bei dem seit langem gesteckten Ziel eines ausgeglichenen Staatshaushalts.

Deutschland hatte 2009 als Folge der Finanz- und Wirtschaftskrise ein Defizit genau auf der Drei-Prozent-Marke verzeichnet. 2010 stieg der Fehlbetrag wegen der Konjunkturpakete auf 3,3 Prozent. Allerdings lag dies schon deutlich unter dem zunächst für 2010 befürchteten Wert von 5,5 Prozent. Grund für die nun günstigere Entwicklung war die kräftige Konjunkturerholung nach dem tiefen Wirtschaftsabsturz.

mmq/Reuters/dpa

Diesen Artikel...
Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 454 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
1. .
keerborstel 13.04.2011
Ich kann einfach nicht verstehen wiso so ein reiches Land wie Deutschland so hohe Schulden machen muß. Kann das mal jemand erklären?
2. Ich dachte immer
idealist100 13.04.2011
Zitat von sysopDie Bankenrettung in der Finanzkrise hat Deutschland einen gewaltigen Schuldenhaufen beschert. Das Minus liegt laut Bundesbank erstmals knapp über zwei Billionen Euro. Für die Zukunft gelobt die Regierung nun Besserung - die Kreditaufnahme soll sinken. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,756778,00.html
Ich dachte immer die schwarzen könnten mit geld umgehen.
3. Wurscht
Shaft13 13.04.2011
Ist doch egal,hauptsache Banken und andere Länder werden um jeden Preis durch den Deustchen Michel gerettet.
4.
donfuan, 13.04.2011
"Für die Zukunft gelobt die Regierung nun Besserung - die Kreditaufnahme soll sinken." Wunderbarer kann man die kognitive Dissonanz dieser Regierung nicht auf den Punkt bringen.
5. der schwache Staat , der jeden cent braucht
manni-two 13.04.2011
ist leicht erpressbar.Darauf hin arbeiten Kapitalisten und ihre Helfer von schwarz-gelb seit 1982 (geistig-moralische Wende - Wende nur wohin) mit Erfolg.
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    

© SPIEGEL ONLINE 2011
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH




Fotostrecke
Grafikstrecke: Wie die Schuldenkrise entstand
Die Schuldenbremse
Regeln für den Bund
Durch die Föderalismusreform II wurde eine Schuldenbremse ins Grundgesetz aufgenommen. Demnach darf der Bund ab 2016 faktisch keine Kredite mehr aufnehmen und sich nur noch bis zu einer Höhe von maximal 0,35 Prozent des Bruttoinlandsproduktes verschulden. Dies sind in absoluten Zahlen rund zehn Milliarden Euro.

Bis 2016 will die Bundesregierung das Defizit in gleichmäßigen Schritten reduzieren, das entspricht Einsparungen in Höhe von acht bis zehn Milliarden Euro pro Jahr.

Regelung und Hilfen für ärmere Länder
Die Schuldenbremse sieht vor, dass die Länder ab 2020 keine neuen Schulden mehr machen dürfen. Dafür sollen die finanzschwachen Länder Bremen, Saarland, Berlin, Sachsen-Anhalt und Schleswig-Holstein im Zeitraum 2011 bis 2019 beim Abbau ihrer Altschulden mit Hilfen in Höhe von insgesamt 800 Millionen Euro jährlich unterstützt werden. Diese insgesamt 7,2 Milliarden Euro teilen sich der Bund und die reichen Länder je zur Hälfte.
Ausnahmen
In Konjunkturkrisen und Notsituationen wie Naturkatastrophen sind unter strengen Bedingungen Ausnahmen möglich. In wirtschaftlich guten Jahren müssen Rücklagen gebildet oder Schulden getilgt werden.


Der kompakte Nachrichtenüberblick am Morgen: aktuell und meinungsstark. Jeden Morgen (werktags) um 6 Uhr. Bestellen Sie direkt hier: