Studie Brexit? Für deutsche Wirtschaft verkraftbar

Wie schlimm wird der Brexit? Laut einer neuen Studie für die Bundesregierung kann die deutsche Wirtschaft den Ausstieg Großbritanniens aus der EU gut verkraften. Nur drei Branchen wären etwas härter betroffen.

Brexit-Befürworter in London (Archiv)
DPA

Brexit-Befürworter in London (Archiv)


Alles nicht so schlimm - jedenfalls für Deutschland. Komme es nach dem Brexit nicht zu einem bilateralen Abkommen zwischen der EU und Großbritannien, würde das deutsche Bruttoinlandsprodukt langfristig lediglich um 0,2 Prozent geringer ausfallen, heißt es in einem Gutachten des Münchner Ifo-Instituts für das Bundeswirtschaftsministerium. "Der Brexit wird auf jeden Fall deutlich teurer für das Vereinigte Königreich als für Deutschland", schreiben die Experten darin. Demnach würde die britische Wirtschaftsleistung um 1,7 Prozent schrumpfen.

Einigen sich beide Seiten dagegen auf ein umfassendes und ambitioniertes Freihandelsabkommen, würde das britische Bruttoinlandsprodukt nur um 0,6 Prozent und das deutsche um 0,1 Prozent zurückgehen.

Die Briten hatten sich vor einem Jahr in einem Referendum für einen EU-Austritt ausgesprochen. Premierministerin Theresa May hat für den 8. Juni eine vorgezogene Parlamentswahl angesetzt, um ihre Mehrheit auszubauen und so ihre Position bei den Brexit-Verhandlungen mit der EU zu stärken. Ihr Vorsprung ist zuletzt aber geschmolzen.

Pharma, Auto- und Maschinenbau am stärksten betroffen

"Auch unter ungünstigen Bedingungen dürfte der Brexit laut Studie für die Wirtschaft in der EU und insbesondere für die deutsche Wirtschaft verkraftbar bleiben", sagte Bundeswirtschaftsministerin Brigitte Zypries. Dafür sprächen auch die aktuell guten wirtschaftspolitischen Rahmenbedingungen und die günstigen konjunkturellen Aussichten. "Dennoch können sich insbesondere für einzelne Branchen ungünstigere Entwicklungen einstellen", sagte die SPD-Politikerin.

Am meisten zu verlieren haben in Deutschland die Pharma-, Kfz- und Maschinenbauunternehmen. Sie exportieren besonders viel auf die britische Insel und würden beispielsweise unter der Einführung von Zollhürden leiden. Großbritannien ist nach den USA und Frankreich der wichtigste Absatzmarkt für Waren "Made in Germany": Güter im Wert von 86 Milliarden Euro wurden 2016 dort verkauft.

Einige wenige Branchen könnten vom Brexit profitieren. "Der Finanzsektor in Deutschland könnte geringfügig gewinnen, doch sind die möglichen Wertschöpfungseffekte in allen Szenarien klein", erwarten die Ifo-Experten. "Im besten Fall beträgt der Zuwachs 0,7 Prozent." Einige Banken planen, Personal aus der Finanzmetropole London abzuziehen und nach Deutschland zu verlegen, um sich den Zugang zum EU-Markt zu sichern.

brt/nck/Reuters

insgesamt 2 Beiträge
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maxbee 05.06.2017
1.
Obwohl Deutschland wesentlich mehr nach Großbritannien exportiert als umgekehrt, soll die deutsche Wirtschaft viel weniger unter einem Wegfall des Freihandels leiden als die britische. Die hinter dieser Behauptung stehende "Logik" soll mir mal einer erklären.
Leo Löwe 06.06.2017
2. Die deutsche Wirtschaft in ihrer Gesamtheit wird weniger "leiden":
Zitat von maxbeeObwohl Deutschland wesentlich mehr nach Großbritannien exportiert als umgekehrt, soll die deutsche Wirtschaft viel weniger unter einem Wegfall des Freihandels leiden als die britische. Die hinter dieser Behauptung stehende "Logik" soll mir mal einer erklären.
Tun Sie mal ein Beispiel rüber: Wenn Ihnen von 1000 € ca. 50 € künftighin fehlen werden, wird Sie das nicht so hart treffen , wie wenn man Ihnen von 500 € denselben Betrag wegnimmt. Hilft das ggf. weiter ?
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