Zufriedenheit der Deutschen Froh zu sein bedarf es einer sozialversicherungspflichtigen Beschäftigung

Die Deutschen sind so zufrieden wie kaum je zuvor - das liegt einer Studie zufolge an der niedrigen Arbeitslosigkeit. Am glücklichsten sind Jüngere in Westdeutschland, am unglücklichsten Ausländer im Osten.

Arbeiterin in Autofabrik (Symbolbild): Wer einen Job hat, ist zufriedener
Corbis

Arbeiterin in Autofabrik (Symbolbild): Wer einen Job hat, ist zufriedener

Von


Wer einen Job hat, ist meistens glücklich. Und weil in Deutschland in den vergangenen Jahren immer mehr Menschen eine Arbeit gefunden haben, ist die durchschnittliche Zufriedenheit stark gestiegen. Das ist das Ergebnis einer Untersuchung des arbeitgebernahen Instituts der deutschen Wirtschaft Köln (IW), die SPIEGEL ONLINE vorliegt.

"Wir sehen einen deutlichen Zusammenhang zwischen Arbeitslosigkeit und Lebenszufriedenheit", sagt IW-Forscher Christoph Schröder. Sinke die Arbeitslosenquote, werde das Glücksempfinden der Menschen gleich mehrfach stimuliert: Zum einen steigere eine neue Arbeitsstelle die Lebensqualität des Jobsuchenden und seiner Familie. Zum anderen führe ein Aufschwung am Jobmarkt dazu, dass viele Stellen sicherer würden und Jobsuchende sich mehr Hoffnungen auf einen Arbeitsplatz machen könnten.

Zu dieser Einschätzung passt, dass nach 2005 - dem Jahr mit mehr als fünf Millionen Arbeitslosen - die Lebenszufriedenheit fast kontinuierlich sowohl bei den Erwerbstätigen als auch bei den Arbeitslosen gestiegen ist. Schröder führt das darauf zurück, dass "die wahrgenommene und die tatsächliche Arbeitsplatzsicherheit zugenommen haben. Die Menschen sind also weniger von Sorgen geplagt".

Das IW hat für die Untersuchung Daten des Sozio-oekonomischen Panels (SOEP)* und Zahlen der Bundesagentur für Arbeit verwendet und daraus eine interaktive Grafik erstellt. Sie verdeutlicht den Zusammenhang zwischen der Lebenszufriedenheit auf der einen und der Arbeitslosenzahl auf der anderen Seite und schlüsselt sie für einzelne Bevölkerungsgruppen auf.

Mit durchschnittlich 7,1 Punkten stuften die Menschen ihre Lebenszufriedenheit auf einer Skala von 0 (unglücklich) bis 10 (glücklich) ein. Allerdings gibt es sichtbare Unterschiede - je nach Region, Bevölkerungsgruppe und Alter. Am glücklichsten sind danach Jüngere in Westdeutschland (7,5 Punkte). Ausländer im Osten des Landes sind dagegen vergleichsweise unglücklich (5,8 Punkte).

Auch in Polen und Malta sind die Menschen glücklich

Nur kurz nach der Wiedervereinigung Anfang der Neunziger und während der Nullerjahre gab es ähnlich gute Gesamtwerte. Im beobachteten Zeitraum seit 1991 ging ein Rückgang der Arbeitslosigkeit jeweils mit einem Anstieg der Zufriedenheit einher und umgekehrt.

Interessant ist auch der europäische Vergleich, der den Zusammenhang zwischen Arbeit und Lebensglück stützt und sich auf Daten der EU-Kommission stützt. Die Menschen in Griechenland, wo die Arbeitslosigkeit zuletzt am stärksten gestiegen ist, sind am wenigsten zufrieden. Die drei EU-Länder, deren Arbeitsmärkte sich gut entwickelt haben - Deutschland, Malta und Polen - können sich über eine glücklichere Bevölkerung freuen.

* Das Sozio-oekonomische Panel (SOEP) stellt die Frage nach der allgemeinen Lebenszufriedenheit seit 1984 in Deutschland jährlich rund 20.000 Menschen und fragt darüber hinaus die Zufriedenheit hinsichtlich weiterer Lebensbereiche wie Arbeit, Freizeit, Familienleben oder Einkommen ab. Im vorliegenden Fall stammen die Befragungen aus dem Jahr 2012.

Lebenszufriedenheit und Arbeitslosenquote in Europa

Land Lebenszufriedenheit 2014 zu 2007 Arbeitslosenquote 2013 zu 2007
Ungarn 0,6 0,1
Malta 0,6 -0,4
Deutschland* 0,5 -3,6
Rumänien 0,4 0,5
Lettland 0,4 5,2
Litauen 0,4 5,4
Bulgarien 0,4 4,1
Irland 0,3 6,8
Polen 0,3 -0,8
Großbritannien 0,2 0,7
Tschechien 0,2 0,8
Österreich 0,2 0,4
Niederlande 0,1 3,5
Schweden 0,0 1,8
Finnland 0,0 1,6
Dänemark 0,0 2,7
Frankreich 0,0 1,6
Estland 0,0 3,6
Slowakei 0,0 1,6
Belgien -0,1 1,5
Portugal -0,1 5,4
Kroatien -0,2 7,2
Luxemburg -0,2 2,4
Italien -0,3 6,3
Slowenien -0,3 4,9
Zypern -0,4 12,2
Türkei -0,4 1,6
Spanien -0,7 15,7
Griechenland -1,5 17,6

Lebenszufriedenheit: Differenz der Werte von Herbst 2014 und Herbst 2007.
(Positive Werte zeigen eine Verbesserung an)
Arbeitslosigkeit: Differenz der Arbeitslosenquote 2013 und 2007.
(Negative Werte zeigen eine Verbesserung an)
*bis 1990 früheres Gebiet der BRD



insgesamt 68 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
studibaas 17.06.2015
1. Darf man erfahren...
Wer hat die Studin in Auftrag gab und finanzierte? Ich glaube keiner Studie mehr die nicht von mindestens zweit gegensätzlichen Parteien finanziert wurde,- dann glaube ich eher meiner persönlichen Erfahrung. Und die bestätigt das nicht.
Spiegelleserin57 17.06.2015
2. irgendwie merkwürdig...
55 bis 65 gab es keine Zahlen! Ich arbeite nun in einem Betrieb mit über 4000 Angestellten und höre fast ausschließlich Angst um den Arbeitsplatz, Stellenabbaugefahr, Gehaltskürzungen etc...Glücklich sts auch nicht jeder der einen unbefristeten Arbeitsplatz hat da die Umstände nicht immer nach Glück schreien. Es stellt sich immer die Frage wer befragt wurde... wenn man es zynisch formuliert ist man natürlich glücklich wenn man überhaupt noch eine Arbeit hat. Die Arbeit steht im Lebensmittelpunkt denn ohne sie gibt es nur den Abstieg in unserer Gesellschaft. Nur wenige sehr sehr Reiche können sich ein Leben ohne Arbeit leisten. Echte Zufriedenheit ist selten geworden.
orangutanklaus77 17.06.2015
3. Institut der deutsche Wirtschaft Köln
https://lobbypedia.de/wiki/Institut_der_deutschen_Wirtschaft , das sollte reichen, um zu erkennen, welchen Zweck eine solche "Studie" hat. Dieses "Institut" ist genauso wenig ernstzunehmen wie die sog. "Bertelsmann-Stiftung", die ja die Hartz-Gesetze geschrieben hat. Herr Hartz hat lediglich seinen Namen hergegeben.
a.weishaupt 17.06.2015
4. Erstaunlich
Als Arbeitnehmer gerade der Mittelschicht, der eine exorbitante Steuerlast zu tragen und weitere Unbill wie eine Abgeltungssteuer auf Inflation zu ertragen hat, kann man eigentlich nur resigniert sein. Ich frage mich jedenfalls, wieso ich als Informatiker auf 30-50% des Nettolohns im Vergleich zu einigen Nachbarländern verzichte. Zur Lebenszufriedenheit trägt hier wohl eher bei, Unternehmer zu sein.
nopower 17.06.2015
5. Die beste Statistik
ist die, die man selber schreibt. Geschönte Arbeitslosenzahlen entsprechen nicht der Wahrheit, jeder 5te das sind 20 % leben an der Armutsgrenze
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2015
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.