Aus Brüssel berichtet Carsten Volkery
Die Worte des französischen Staatspräsidenten hatten wie so oft einen prophetischen Klang. "Ich kann heute bestätigen, dass wir das Schlimmste hinter uns haben", sagte Frankreichs Staatspräsident François Hollande nach einer langen Gipfelnacht am Freitag in Brüssel.
Der Franzose neigt zur großen Geste, doch die Äußerung spiegelte die neue Stimmung unter den Euro-Rettern wider. Zweieinhalb Jahre nach Beginn der Schuldenkrise ergeht sich die EU nicht mehr nur in hektischer Krisenbekämpfung. Das Augenmerk liegt zunehmend auf dem langfristigen Umbau der Währungsunion.
Auf drei Baustellen wird gleichzeitig gewerkelt:
Aus Sicht der Bundesregierung erfordert die Vertiefung der Währungsunion früher oder später eine Änderung der EU-Verträge. Nur so kann ein weiterer Verzicht auf nationale Souveränität verbindlich festgeschrieben werden. Sie will daher einen europäischen Konvent einberufen, auf dem die künftige politische Union debattiert wird. Die meisten Partner und die EU-Kommission halten eine Vertragsänderung vor den Europawahlen 2014 jedoch für unmöglich. Auch danach ist unklar, ob beispielsweise das europaskeptische Großbritannien einer Vertragsänderung zustimmt.
Neben dem langfristigen Umbau der Währungsunion läuft die akute Krisenbekämpfung weiter. Die EU-Regierungschefs mahnten Dauer-Sorgenkind Griechenland einmal mehr, bei den Reformen nicht nachzulassen. Es wird erwartet, dass bald die Zahlung der nächsten Hilfstranche von 31,5 Milliarden Euro bekanntgegeben wird.
Die Lage in Spanien wurde trotz vieler Gerüchte im Vorfeld beim Gipfel nicht besprochen. Der Hilfsantrag der spanischen Regierung lässt weiter auf sich warten. Es wird damit gerechnet, dass Ministerpräsident Mariano Rajoy bald eine vorsorgliche Kreditlinie beim ESM beantragen wird. Das würde der EZB erlauben, spanische Staatsanleihen in unbegrenzter Höhe aufzukaufen und so die Zinsen für die spanische Schuldenaufnahme zu drücken.
Die Entscheidung, die Bankenaufsicht erst im Laufe 2013 in Betrieb zu nehmen, ist aus spanischer Sicht ein Rückschlag. Doch schienen die Finanzmärkte unbeeindruckt. Die Renditen auf spanische Staatsanleihen blieben auf Abwärtskurs. Auch das nahmen die Euro-Retter als Bestätigung, dass langsam das Vertrauen in die Euro-Zone zurückkehre.
HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:
| alles aus der Rubrik Wirtschaft | Twitter | RSS |
| alles aus der Rubrik Staat & Soziales | RSS |
| alles zum Thema Euro-Krise | RSS |
© SPIEGEL ONLINE 2012
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH