Reaktionen auf Diesel-Urteil "Die Autoindustrie hat sich böse verzockt"

Aktien von Autokonzernen sinken, Umweltverbände jubeln, deutsche Autofahrer fürchten Milliardenkosten: Das Diesel-Urteil provoziert ganz unterschiedliche Reaktionen. Der Überblick.

Umweltaktivisten stehen mit Schildern vor dem Bundesverwaltungsgericht
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Umweltaktivisten stehen mit Schildern vor dem Bundesverwaltungsgericht


In deutschen Innenstädten darf es grundsätzlich Fahrverbote geben. Das hat das Bundesverwaltungsgericht so entschieden (Lesen Sie hier alle Details). Bis zu 70 Städte könnten von dem Urteil betroffen sein. Entsprechend heftig sind die Reaktionen aus der Wirtschaft.

Betroffene Fahrer und Unternehmen müssen nun überlegen, ob sie ihr Fahrzeug verkaufen - wahrscheinlich zu deutlich sinkenden Preisen. Die Verluste der rund elf Millionen Dieselfahrer, deren Autos nicht der Euro-6-Norm entsprechen, könnten laut der Unternehmensberatung EY in die Milliarden gehen.

Auch die Kommunen müssen womöglich mit erhöhten Kosten und zusätzlichem Personalaufwand rechnen, wenn es zu Fahrverboten komme, schreibt EY in einer Analyse. Gleichzeitig biete das Urteil aber auch die Chance eines Umdenkens. Das Ziel müsse darin bestehen, schnell wirksame Mobilitätskonzepte zu erarbeiten, die städtische Verkehrsmittel - ÖPNV, Auto, Fahrrad - auf intelligente Weise verzahnen.

Aktien der Autohersteller fallen nach Urteil

Das Urteil hatte auch Auswirkungen an der Börse. Die Aktien von Volkswagen fielen um 1,6 Prozent, Papiere von Daimler und BMW verloren 0,3 beziehungsweise 0,5 Prozent.

Der Deutsche Speditions- und Logistikverband (DSLV) warnt vor Problemen in den Innenstädten. Im Falle von Fahrverboten könnten Speditionen und Paketlogistiker "ihren Versorgungsauftrag für den innerstädtischen Handel und die Wohnbevölkerung kaum noch erfüllen", sagte der Hauptgeschäftsführer des Verbands, Frank Huster, dem "Handelsblatt". "Mit einem solchen Schritt würden heute noch vitale Kommunen zu ihrer eigenen Verödung beitragen."

Das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) wertete das Urteil indes positiv. Laut Energieexpertin Claudia Kemfert erhöht es den Druck auf Politik und Hersteller, "die längst überfällige Verkehrswende durchzusetzen". Nun seien sie zu Maßnahmen gezwungen, um dreckige Dieselauto von den Straßen zu verbannen.

Der Naturschutzbund NABU begrüßt das Urteil des Bundesverwaltungsgerichts ebenfalls. "Die Autoindustrie hat sich böse verzockt", teilte Geschäftsführer Leif Miller mit.

FDP-Chef Christian Lindner ist ein großer Kritiker des Urteils. Er nannte es einen "Schlag gegen Freiheit und Eigentum, weil wir uns zu Gefangenen menschengemachter Grenzwerte machen". Es müsse alles getan werden, damit es nicht zu einer "kalten Enteignung" von Besitzern von Dieselautos komme und die Mobilität nicht eingeschränkt werde, sagte Lindner in Berlin.

Im Video: Umwelthilfe-Chef Resch - Dieseljäger Nummer 1

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bam/ssu/dpa/Reuters



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