Studie Digitalsteuer könnte auch deutsche Händler belasten

Die EU erwägt, eine digitale Dienstleistungssteuer zu erheben, um US-Giganten wie Amazon oder Google zu zähmen. Laut einer Studie des deutschen E-Commerce-Verbandes könnte die Abgabe auch die hiesigen Firmen treffen.

Apps von US-Digitalkonzernen
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Die Europäische Kommission will etwas gegen die Vorherrschaft der US-Techplattformen machen und hat deshalb im März eine Digitalsteuer vorgeschlagen. Der Bundesverband E-Commerce und Versandhandel (bevh) schlägt deshalb Alarm: Nicht nur Amazon oder Google wären betroffen, teilt er mit, sondern auch deutsche Unternehmen.

Die Kommissionspläne sehen vor, auf Einnahmen aus Onlinewerbung, dem Verkauf von Nutzerdaten oder auch aus Gebühren auf Onlinemarktplätzen eine digitale Dienstleistungssteuer in Höhe von drei Prozent zu erheben. Nur größere Digitalunternehmen mit mehr als 750 Millionen Euro Umsatz sollen darunter fallen.

"Dies könnte den Eindruck erwecken, dass nur globale multinationale Unternehmen von der Steuer betroffen sind und die meisten deutschen Unternehmen davon unberührt bleiben", sagt Christoph Wenk-Fischer, Hauptgeschäftsführer des bevh, dem SPIEGEL. "Das stimmt aber nicht. Die Belastung müssten vor allem Klein- und mittelständische Unternehmen kompensieren."

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Der bevh ließ mögliche Auswirkungen für deutsche Firmen und Verbraucher in einer Studie untersuchen. Die Digitalsteuer würde demnach zu einem Großteil an deutsche Nutzer weitergegeben werden und zu Preiserhöhungen führen. Käme die Steuer, hätte sie laut bevh-Studie einen verzerrenden Effekt und würde die Digitalisierung der deutschen Wirtschaft verlangsamen - traditionelle Geschäftsmodelle würden gegenüber dem E-Commerce bevorzugt werden.

Auch die kostengünstige Ansprache potenzieller Kunden etwa über soziale Netzwerke würde sich verteuern. Die Studie kommt zu dem Schluss, dass eine Digitalsteuer "erhebliche Rückschläge für die digitale Agenda in Deutschland" herbeiführen würde.



insgesamt 10 Beiträge
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lathea 19.10.2018
1. Die Steuer ließe sich als Ausgabe.....
......bei der Gewinnberechnung berücksichtigen und evtl. auch in einem Vorsteuerabzug berücksichtigen - falls man das Umsatzsteuerrecht bei dieser Gelegenheit EU-weit harmonisieren und anpassen möchte. Dann müsste diese Steuer nicht weitergegeben werden. In Deutschland könnte es damit evtl Probleme mit dem Verfassungsschutz (Gleichbehandlungssatz) geben. Hier müsste man wohl eher mit Freibeträgen oder Freigrenzen operieren.
hwdtrier 19.10.2018
2. Da die kleinen
Firmen sich auf den großen Marktplätzen bewegen wird’s für die teurer, da die Großen die Steuer sicher auf ihre Preise umlegen werden.
chrismuc2011 19.10.2018
3.
Jeder der Geld erwirtschaftet und Gewinne macht muss in einer halbwegs gerechten Welt Steuern bezahlen. Bisher sind doch solche IT Unternehmen bevorzugt worden, darum sollten sie jetzt nicht meckern. Und 3% sind doch wahre Peanuts.
Lagrange 19.10.2018
4. ?
Die Steuern die ich Privat bezahlen muss, treffen mich auch direkt und beeinflussen mich. Was soll denn diese blöde Aussage? Klar trifft das am Ende den Endkunden, weil Steuern im Normalfall auf den Preis aufgeschlagen werden. Aber das macht ja nichts. Ich halte 3% auch für zu wenig, man müsste schauen wie viel Prozent des Umsatzes in Europa gemacht werden, und dann eine Anteilige Mehrwertsteuer nehmen
Crom 19.10.2018
5.
Zitat von chrismuc2011Jeder der Geld erwirtschaftet und Gewinne macht muss in einer halbwegs gerechten Welt Steuern bezahlen. Bisher sind doch solche IT Unternehmen bevorzugt worden, darum sollten sie jetzt nicht meckern. Und 3% sind doch wahre Peanuts.
Es handelt sich aber um keine Gewinnsteuer sondern um eine Art zusätzliche Mehrwertsteuer.
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