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DIHK-Umfrage: Deutsche Firmen zittern vor Rohstoffengpass

Der Aufschwung stellt die Unternehmen vor neue Herausforderungen. Eine aktuelle Umfrage zeigt: Vor allem die Knappheit an Rohstoffen beschäftigt die Firmen. Deutlich zugenommen hat auch die Sorge vor dem Fachkräftemangel.

Solartechnik-Herstellung in Deutschland: Sorge um Hightech-Rohstoffe Zur Großansicht
DPA

Solartechnik-Herstellung in Deutschland: Sorge um Hightech-Rohstoffe

Berlin - Die Konjunktur in Deutschland boomt, auf dem Arbeitsmarkt herrscht Aufbruchstimmung. Doch der Aufschwung bereitet der deutschen Wirtschaft auch neue Probleme. Denn die Energie- und Rohstoffpreise ziehen an und Fachkräfte werden rar.

Beide Entwicklungen machen den Firmen laut einer am Freitag veröffentlichten Umfrage des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK) zunehmend Sorgen. Wegen der Energie- und Rohstoffpreise sind inzwischen 44 Prozent der Firmen beunruhigt, Anfang 2010 waren es 37 Prozent. Mehr als ein Viertel der befragten Unternehmen (27 Prozent) sieht den Fachkräftemangel als eines der größten Risiken für ihre wirtschaftliche Entwicklung. Zu Jahresbeginn hatten lediglich 16 Prozent der Firmen darin ein Problem gesehen. Deutlich abgenommen haben laut der DIHK-Umfrage dagegen die Sorgen der Firmen wegen der Nachfrage aus dem In- oder Ausland oder wegen der Finanzierung.

Fachkräftemangel und Rohstoffengpässe beschäftigen die Unternehmen bereits länger. In den vergangenen Tagen hatte China für Unruhe in Wirtschaft und Politik gesorgt, weil das Land den Export Seltener Erden gedrosselt hat. Rohstoffe wie Lanthan, Europium und Neodym sind wichtig für die Hightech-Industrie.

Die Ausfuhrbeschränkungen Pekings haben auch in Deutschland Besorgnis in der Industrie ausgelöst. Der Bundesverband der Deutschen Industrie warnte, durch diese Maßnahmen seien die Preise einiger Metalle schon um das Dreifache gestiegen. Bis Jahresende sei sogar eine Steigerung auf das Fünf- bis Siebenfache möglich. Zuletzt hatte sich sogar US-Außenministerin Hillary Clinton in den Streit eingeschaltet und China zu einem klaren Bekenntnis aufgefordert, wie der Export der Metalle künftig geregelt werden soll. Peking versucht derweil, die Wogen zu glätten. Das Land werde die Seltenen Erden nicht als Druckmittel verwenden, versicherte ein Regierungssprecher.

Hintergrund: Rohstoffengpässe oder Preisauftriebe könnten dem Aufschwung einen deutlichen Dämpfer verpassen. Zuletzt hatte die konjunkturelle Erholung deutlich Fahrt aufgenommen. Die führenden Wirtschaftsforschungsinstitute des Landes schraubten ihre Prognose für das Wirtschaftswachstum in diesem Jahr auf 3,5 Prozent hoch.

DIHK fordert familienfreundlichere Arbeitszeiten

Auch die Fachkräftenot könnte die Erholung ausbremsen. Der DIHK veröffentlichte eine Prognose, wonach die deutschen Unternehmen 2011 rund 300.000 Arbeitsplätze schaffen wollen. Zugleich haben die Firmen aber mit Fachkräftemangel zu kämpfen. In der aktuellen DIHK-Umfrage bei 28.000 Unternehmen rangiert die Sorge um zu wenig Fachkräfte auf Platz vier hinter der Inlandsnachfrage, den Energie- und Rohstoffpreisen und den Arbeitskosten.

DIHK-Chef Hans Heinrich Driftmann warb dafür, zur Bekämpfung des Fachkräftemangels bei den Arbeitszeiten verstärkt die Familienfreundlichkeit zu berücksichtigen. "Durch flexiblere Teilzeitmodelle lässt sich die Vereinbarkeit von Familie und Beruf weiter verbessern", sagte er. Dies sei zum Vorteil von Beschäftigten und Betrieben: "Gerade hier steckt hohes Fachkräftepotential." Mit der Kampagne "Familienbewusste Arbeitszeiten" wollen Industrie und Regierung nun dafür werben.

Der Fachkräftemangel ist auch in der Integrationsdebatte ein wichtiges Thema. In der schwarz-gelben Regierung wird darüber gestritten, wie Fachkräfte aus dem Ausland gezielt nach Deutschland geholt werden sollen.

mmq/Reuters

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Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 31 Beiträge
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1. Tut mir die Wirtschaft leid
Bre-Men, 29.10.2010
Zitat von sysopDer Aufschwung stellt die Unternehmen vor neue Herausforderungen. Eine aktuelle Umfrage zeigt: Vor allem der Mangel an Rohstoffen beschäftigt die Firmen. Deutlich zugenommen hat auch die Sorge vor dem Fachkräftemangel. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,726020,00.html
Alles für den schnellen Profit verpennen und dann jammern.
2. Nicht
idealist100 29.10.2010
Zitat von sysopDer Aufschwung stellt die Unternehmen vor neue Herausforderungen. Eine aktuelle Umfrage zeigt: Vor allem der Mangel an Rohstoffen beschäftigt die Firmen. Deutlich zugenommen hat auch die Sorge vor dem Fachkräftemangel. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,726020,00.html
Nicht ausbilden, weil zu teuer und jetzt über Fachkräftemangel klagen. Besser vorher nachdenken anstatt die Jugend auf der Strasse vergammeln lassen. Aber es ging ja um Gewinnmaximierung, da braucht es kein Humankapital für die Zukunft im Betrieb.
3. Wird dadurch etwa PV teurer?
Pandora0611 29.10.2010
Zitat von sysopDer Aufschwung stellt die Unternehmen vor neue Herausforderungen. Eine aktuelle Umfrage zeigt: Vor allem der Mangel an Rohstoffen beschäftigt die Firmen. Deutlich zugenommen hat auch die Sorge vor dem Fachkräftemangel. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,726020,00.html
dann muß man es eben stärker fördern. Also de Zwangsabgabe für die EEG-Förderung nicht nur um 70% sondern um 700% erhöhen! Fachkräftemangel: Ausbildung ist unwirtschaftlich; es gibt doch ausländische (voll ausgebildete) Fachkräfte, und die sind auch noch "billiger".
4. Fachkräftemangel
Tschock, 29.10.2010
Zitat von sysopDer Aufschwung stellt die Unternehmen vor neue Herausforderungen. Eine aktuelle Umfrage zeigt: Vor allem der Mangel an Rohstoffen beschäftigt die Firmen. Deutlich zugenommen hat auch die Sorge vor dem Fachkräftemangel. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,726020,00.html
Der letzte Satz muss heißen: "Deutlich zugenommen hat auch die Sorge vor dem Mangel an billigen und jungen Fachkräften."
5. Kann es sein?
kaksonen 29.10.2010
Zitat von idealist100Nicht ausbilden, weil zu teuer und jetzt über Fachkräftemangel klagen. Besser vorher nachdenken anstatt die Jugend auf der Strasse vergammeln lassen. Aber es ging ja um Gewinnmaximierung, da braucht es kein Humankapital für die Zukunft im Betrieb.
Der Kommentar ist unverständlich, wenn man liest, dass viele Ausbildungsplätze unbesetzt bleiben! Könnte es daran liegen, dass es schwer ist, einen Jugendlichen zu überreden, Fernmeldeelektroniker zu werden, wenn er unbedingt Maskenbildner werden will und sich mit H4 begnügt, wenn sein Wunsch unerfüllbar ist?
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Begehrte Metalle: Seltene Erden

Seltene Erden
Die Seltenen Erden sind eine Gruppe von 17 Metallen, darunter Lanthan, Europium und Neodym. Meist kommen sie am selben Standort, im selben Gestein, vor. Sie werden in kleinen Mengen verwendet, sind aber unverzichtbar unter anderem für die Herstellung von Computern und Computer-Monitoren, DVD-Spielern, leistungsstarken Akkus, Hybrid-Autos, Halbleitern, Handys, Rüstungsgütern und Windturbinen. Autozulieferer nutzen Seltene Erden bei der Herstellung von Elektromotoren. Die größten Verbraucher Seltener Erden sind China, Japan und die USA, die eine starke Technologiebranche haben. Wegen der zunehmenden Bedeutung der Umwelttechnologien wird mit einem steigenden Bedarf gerechnet. Der mit Abstand größte Produzent ist China. Im Jahr 2008 wurden dort 120.000 Tonnen gefördert, das waren 97 Prozent der weltweiten Menge. China exportierte gut 30.000 Tonnen.
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Einkommensschwelle
Keine Probleme haben Forscher und leitende Angestellte, die so viel verdienen, dass sie die Beitragsbemessungsgrenze der allgemeinen Rentenversicherung erreichen. Sie liegt in diesem Jahr bei 66.000 Euro. Diese Hochqualifizierten erhalten sofort eine sogenannte Niederlassungserlaubnis, die ihnen die gleichen Rechte zugesteht wie deutschen Arbeitnehmern. Auch ihre Familienangehörigen dürfen arbeiten.
Vorrangsprinzip
Fachkräfte mit weniger lukrativen Stellen müssen sich weiterhin dem "Vorrangsprinzip" unterwerfen. Sie bekommen den Job nur, wenn die Bundesarbeitsagentur feststellt, dass es keinen deutschen Bewerber dafür gibt. Ihr Aufenthalt wird befristet. Erst nach drei bis fünf Jahren können sie mit einer Niederlassungserlaubnis rechnen.
Selbständige
Selbständige können ohne Probleme zuwandern, wenn sie mindestens 250.000 Euro investieren und fünf Arbeitsplätze schaffen. Wer dies nicht leisten kann, muss darauf setzen, dass seinem Projekt ein "übergeordnetes wirtschaftliches Interesse" attestiert wird.
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Ausländische Studenten dürfen 90 ganze oder 180 halbe Tage arbeiten. Nach ihrem Studium können sie ihre Aufenthaltserlaubnis um ein Jahr verlängern, um einen qualifizierten Arbeitsplatz zu finden.
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Mit der europäischen "Blue Card" werden ab 2011 die Anforderungen nochmals gesenkt. Fachkräfte aus Drittstaaten müssen einen mindestens ein Jahr geltenden Arbeitsvertrag vorlegen. Darin sollte ein Bruttogehalt vorsehen sein, das 1,5 mal höher liegt als das Durchschnittseinkommen des Mitgliedstaates. In Deutschland wären das nach aktuellem Stand 42.000 Euro.


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