Arbeitsmarkt Industrielobby will Mindestlohn für Flüchtlinge aussetzen

Nach dem Arbeitgeberverband fordert nun auch der DIHK, den Mindestlohn bei Flüchtlingen auszusetzen - und Migranten wie Langzeitarbeitslose zu behandeln.

Flüchtlinge an der deutschen Grenze: Praktika als Einfallstor?
DPA

Flüchtlinge an der deutschen Grenze: Praktika als Einfallstor?


Angesichts des Zuzugs vieler Flüchtlinge plädiert der Präsident des Deutschen Industrie- und Handelskammertags (DIHK) für eine Aussetzung des Mindestlohns. Flüchtlinge müssten behandelt werden wie Langzeitarbeitslose, bei denen der Mindestlohn für eine gewisse Zeit nicht gelte, sagte Eric Schweitzer am Dienstag im ZDF-"Morgenmagazin".

Asylbewerber sollten für sechs Monate Praktika machen können, wobei der Mindestlohn dann ausgesetzt werden solle. Eine generelle Ausnahme für Geflüchtete vom Mindestlohn hält der DIHK-Präsident aber für falsch. "Dann würden sie auch das Gefühl bei den deutschen Arbeitnehmern bekommen, hier soll gegeneinander ausgespielt werden."

Ähnlich hatte sich am Sonntag der Hauptgeschäftsführers des Arbeitgeberverbands BDA, Reinhard Göhner, geäußert. Um junge Flüchtlinge ausbildungsfähig zu machen, seien zwölfmonatige Praktika in den Unternehmen nötig, sagte er dem "Tagesspiegel". In dieser Zeit sollte es den Firmen erlaubt werden, einen Stundenlohn unterhalb der gesetzlichen 8,50 Euro zu zahlen.

Der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) wies Forderungen nach einer Ausweitung von Mindestlohnausnahmen zurück. "Wir warnen davor, Einstiegsqualifizierungen und Praktika als Einfallstor zur Aushebelung des Mindestlohns zu nutzen", sagte DGB-Vorstandsmitglied Stefan Körzell.

Dauern freiwillige Praktika länger als drei Monate, sei der Mindestlohn vom ersten Tag an fällig. Dabei solle es bleiben. "Schlimm genug, dass es noch Ausnahmen gibt für Langzeitarbeitslose, Minderjährige, Zeitungszusteller sowie bestimmte Praktikanten."

ssu/dpa

Mehr zum Thema


Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 108 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
karljosef 24.11.2015
1. Mindestlohn aussetzen und
entsprechend Personen, die diesen erhalten, entlassen. Und was sagt die Regierung? Die sich "christlich", "sozial"demokratisch nennende Regierung.
mimak 24.11.2015
2. Ach was
"Dann würden sie auch das Gefühl bei den deutschen Arbeitnehmern bekommen, hier soll gegeneinander ausgespielt werden." Darauf wird der Michael doch nie kommen.
scottbreed 24.11.2015
3. als wenn
als wenn das nicht absehbar war...
blabla55 24.11.2015
4. Wie wunder's
die Maske ist gefallen.Jede Wette das die Regierung hierfür die passenden Gesetzänderungen parat hat.Was folgt ist ein neuer Wirtschaftboom
Hoss_Cartwright 24.11.2015
5. Es sollte für die Industrie eine Ehre sein
auch diesen Menschen den Mindestlohn von 8,50€ zu zahlen. Man könnte eindrucksvoll zeigen, dass man nicht nur hemmungslos an Profit interessiert ist, sondern seinen Beitrag zur Integration und Entlastung der Steuerkassen leistet. Es müsste eine Selbstverständlichkeit, ja eine nationale Pflicht für die Unternehmen sein, die Flüchtlinge zu normalen Löhnen zu beschäftigen. Schliesslich ist ein Mindestlohn ja ein zivilisatorischer Grundstandard, die Integration eine nationale Aufgabe. Hierbei sollte insbesondere eben die Industrie, aber auch Banken und Handel mit gutem Beispiel vorangehen. Im Übrigen wurde ja Frau Merkel und die CDU auch insbesondere durch Spenden der eben Genannten dahin positioniert, dass sie dann vom Volk gewählt wurden.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
Diskussion geschlossen - lesen Sie die Beiträge! zum Forum...

© SPIEGEL ONLINE 2015
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.