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Ex-Entwicklungsminister: Dirk Niebel wird Rüstungslobbyist

Er gilt als eine der letzten FDP-Größen, die noch nicht versorgt waren. Nun hat auch Dirk Niebel einen neuen Job. Der Ex-Entwicklungsminister heuert beim Rüstungskonzern Rheinmetall an. FDP-Chef Lindner lässt Skepsis durchblicken.

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Ex-Minister Niebel: Neuer Job bei Rheinmetall

Düsseldorf/Berlin - Der frühere Bundesminister für wirtschaftliche Zusammenarbeit, Dirk Niebel, geht zum Rüstungskonzern Rheinmetall. Ab dem kommenden Jahr werde er den Konzernvorstand in allen Fragen und Aufgaben der internationalen Strategieentwicklung beraten, teilte das Unternehmen am Dienstag in Düsseldorf mit.

Darüber hinaus soll der 51-Jährige das oberste Führungsgremium beim Aufbau der globalen Regierungsbeziehungen unterstützen. Rheinmetall beschäftigt weltweit 23.000 Menschen und erzielte zuletzt einen Umsatz von 4,6 Milliarden Euro in den Sparten Automobiltechnik und Rüstung.

Der ehemalige Zeitsoldat und Fallschirmjäger war von 2009 bis 2013 Bundesminister für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung. Der 51-jährige gelernte Diplomverwaltungswirt saß von 1998 bis 2013 für die Liberalen im Bundestag, ist aber nach dem Scheitern der FDP an der Fünfprozenthürde nicht mehr vertreten.

Der FDP-Bundesvorsitzende Christian Lindner, der nach dem Rauswurf seiner Partei um einen Neuaufbau bemüht ist, wollte die neue Tätigkeit Niebels nicht inhaltlich bewerten. Allerdings ging er auf Distanz zu Niebels Tätigkeit und sagte gegenüber SPIEGEL ONLINE auf Anfrage: "Ganz unabhängig von aktuellen Einzelfällen muss die Bundesregierung dringend einen Ehrenkodex für den Wechsel in die Wirtschaft beschließen, damit der nicht länger eine Frage des individuellen Verantwortungsgefühls bleibt."

Was machen andere?

Niebel galt als eine der letzten FDP-Größen, die noch nicht versorgt waren. Ex-Wirtschaftsminister Rösler zum Beispiel fand schnell eine Anschlussverwendung - als Mitglied im Management des renommierten Weltwirtschaftsforums in Genf. Von Genf in der Schweiz aus ist er seit Februar für weltweite Kontakte zuständig.

Daniel Bahr, einst Bundesgesundheitsminister, testete noch im Dezember mit Fragen an Journalisten, ob er schnell wieder einen Job annehmen oder als frischgebackener Vater lieber eine längere Auszeit nehmen sollte. Auch für ihn fand sich schnell Neues: Bahr ist seit Februar in der US-Denkfabrik Center for American Progress, die die Gesundheitsreform von US-Präsident Barack Obama beratend begleitet.

Rheinmetall macht seit Längerem das schwache Rüstungsgeschäft zu schaffen. Der Konzern verbuchte zum Jahresauftakt einen Fehlbetrag. Konzernchef Armin Papperger will das internationale Geschäft ausbauen, das bereits jetzt schon 72 Prozent des Konzernumsatzes von 4,6 Milliarden Euro ausmacht.

ssu/sev/dpa-AFX/Reuters

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1.
Immanuel_Goldstein 01.07.2014
Zitat von sysopDPAEr gilt als eine der letzten FDP-Größen, die noch nicht versorgt waren. Nun hat auch Dirk Niebel einen neuen Job. Der Ex-Entwicklungsminister heuert beim Rüstungskonzern Rheinmetall an. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/dirk-niebel-wird-ruestungslobbyist-a-978566.html
Wenn Rheinmetall jetzt schon auf solche Leute baut und keine besseren mehr findet, dann muss es wirklich schlecht stehen. Niebel ist ja vor allem dadurch bekannt geworden, dass er in seinem Ministerium massenhaft verdiente Parteisoldaten mit bestbezahlten, aber arbeitsfreien Beamtenjobs versorgt hat. Das erfordert jetzt natürlich eine Gegenleistung.
2. Kontakte aus der Entwicklungshilfe für Rüstungsgeschäfte nutzen
Herr_Peter 01.07.2014
Hatten wir noch nicht, ist ja mal ganz was neues. Absurder und ekelhafter geht es zwar kaum, aber mich wundert nichts mehr.
3. W52
w52 01.07.2014
Na, da kann er ja sicher seine in Entwicklungsländern geknüpften Kontakte prima einsetzen...
4.
LK1 01.07.2014
Zitat von sysopDPAEr gilt als eine der letzten FDP-Größen, die noch nicht versorgt waren. Nun hat auch Dirk Niebel einen neuen Job. Der Ex-Entwicklungsminister heuert beim Rüstungskonzern Rheinmetall an. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/dirk-niebel-wird-ruestungslobbyist-a-978566.html
...ja und als nächstes zeigt der Niebel den Jungs von Rheinmetall, wie sich deren Erzeugnisse als Perserteppiche nach Nordkorea verkaufen lassen. Na ja oder so ähnlich. Bin schon gespannt auf erste Arbeitsergebnisse dieses Herren. Sofern da überhaupt Details an die Öffentlichkeit gelangen.
5. Zu fein
Seifert 01.07.2014
War sich der gute Niebel fuer den Job als Arbeitsvermittler bei der BA zu fein? Dort hatte er den Status des Beamten auf Lebenszeit.Fuer einen ehemaligen Minister natürlich nicht adäquat,denke ich mal
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