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Diskriminierung: Arbeitsgericht weist "Ossi"-Klage ab

"Ossis" sind kein eigener Volksstamm: Das Arbeitsgericht Stuttgart hat die Klage einer Ostberlinerin abgeschmettert, die sich diskriminiert fühlte. Sie bekam eine Jobabsage, offenbar wegen ihrer Herkunft. Die Richter sahen darin keinen Verstoß gegen das Gleichbehandlungsgesetz.

"Ossi"-Vermerk auf Bewerbung: Arbeitgeber klagt über "Hexenjagd" Zur Großansicht
dpa

"Ossi"-Vermerk auf Bewerbung: Arbeitgeber klagt über "Hexenjagd"

Stuttgart - Das Arbeitsgericht Stuttgart hat am Donnerstag die Klage einer Frau abgewiesen, die als Ostdeutsche keine Stelle bei einer schwäbischen Firma bekam. Die Frau, die seit 22 Jahren im Großraum Stuttgart lebt, hatte sich im Sommer 2009 als Buchhalterin bei einem Fensterbauer beworben. Der Arbeitgeber hatte der 49-Jährigen die Bewerbungsunterlagen zurückgeschickt - und auf dem Lebenslauf notiert: "(-) Ossi".

Dieser Vermerk könne zwar als diskriminierend verstanden werden, urteilte das Gericht. Er falle aber nicht unter die gesetzlich verbotene Diskriminierung wegen der ethnischen Herkunft. "Ossis" seien kein eigener Volksstamm.

Die beklagte Firma hatte zuvor einen Vergleich zur Zahlung von 1650 Euro an die abgelehnte Bewerberin abgelehnt. Nun droht ein langer Rechtsstreit: Der Vorsitzende Richter ließ eine Berufung zu. Auch die nächste Instanz werde mit "an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit" Revision zulassen. Dadurch könnte der Rechtsstreit "bis zu einem Jahr dauern" und möglicherweise bis zum Bundesarbeitsgericht gehen.

Der Arbeitgeber sagte, er sei sich keiner Schuld bewusst und verwies darauf, dass dem Unternehmen durch die mediale Aufmerksamkeit "ein Riesenschaden" entstanden sei. Er verzeichne bereits weniger Aufträge. Zudem habe er rund hundert beleidigende Anrufe bekommen - auch zu Hause. Der Arbeitgeber bezeichnete das öffentliche Austragen des Falls als "Hexenjagd" auf die Firma.

Nach Angaben der Firma wurde die Frau allein wegen ihrer mangelnden Qualifikation abgelehnt. Das Minus auf der Bewerbung sei ein Zeichen für die "fehlende Qualifikation" gewesen. Der Ausdruck "Ossi" sei positiv gemeint gewesen. Das Unternehmen habe "sehr gute Erfahrungen" mit Mitarbeitern aus Ostdeutschland. Die rein "interne Notiz" sei versehentlich an die Klägerin gelangt. Das Unternehmen habe sich damals telefonisch umgehend dafür entschuldigt.

cte/dpa/ddp

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Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 71 Beiträge
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1. Titel elendiger
Takamisakari, 15.04.2010
Zitat von sysop"Ossis" sind kein eigener Volksstamm: Das Arbeitsgericht Stuttgart hat die Klage einer Ostberlinerin abgeschmettert, die sich diskriminiert fühlte. Sie bekam eine Jobabsage, angeblich wegen ihrer Herkunft. Die Richter sahen darin keinen Verstoß gegen das Gleichbehandlungsgesetz. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,689179,00.html
Hätte mich ehrlich gesagt auch gewundert wenn anders entschieden worden wäre. Mal sehen was als nächstes kommt.
2. die klage....
latinistin 15.04.2010
.....selbst ist meines erachtens absurd. regional bedingte herkunft kann nun mal (und da brauche ich nichtmal paragraphen- und rechtswissen) nicht als angehörigkeit zu einem volksstamm gerechnet werden - das haben bis jetzt nichtmal die bayern geschafft! ;-) dennoch ist in meinem eigenen erweiterten bekanntenkreis bereits der satz gefallen (interessanterweise auf "ostdeutschem" boden von einem "westdeutschen" firmenmitarbeiter) : ich stelle nicht gern ossis ein, das merkt man einfach, wo die herkommen! diese bemerkung, so zufällig sie gefallen sein mag, passt natürlich wunderbar in die diskussion. ich will darüber nicht urteilen, aber jemanden wegen seiner herkunft, ob nun volksstammm oder nicht, abzuurteilen, ist einfach nicht in ordnung.
3. -
franksterling 15.04.2010
Wuerde zu gern wissen was es da sonst noch so fuer interne Notizen gibt. Wuerde eine Sammlng solcher Dokumente zusammengefasst in einem Buch sofort kaufen. Hat mich zum lachen gebracht.
4. .
herr-vorragend 15.04.2010
Man muss sich mal vor Augen führen, dass die Frau die bereits vor der Wende in den Westen kam immernoch als Ossi bezeichnet wird. ---Zitat von Spiegel Online--- Das Minus auf der Bewerbung sei ein Zeichen für die "fehlende Qualifikation" gewesen. Der Ausdruck "Ossi" sei positiv gemeint gewesen. ---Zitatende--- Es kann jeder sagen wen er in seinem Unternehmen beschäftigen möchte und wen nicht. Aber eine solche Argumentation ist doch lächerlich und feige.
5. 2 Anmerkungen
fleischwurstfachvorleger 15.04.2010
Zitat von sysop"Ossis" sind kein eigener Volksstamm: Das Arbeitsgericht Stuttgart hat die Klage einer Ostberlinerin abgeschmettert, die sich diskriminiert fühlte. Sie bekam eine Jobabsage, angeblich wegen ihrer Herkunft. Die Richter sahen darin keinen Verstoß gegen das Gleichbehandlungsgesetz. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,689179,00.html
Das AGG ist noch nicht wirklich bei den Arbeitsrichtern angekommen. Meistens schlagen sie sich auf die Seite des Arbeitgebers, oder einen Vergleich vor. Der Inhaber der Fensterfirma hat wie ein typischer schwäbischer Krämer gedacht und gehandelt. Hätte er der Dame 1650 € gezahlt, sozusagen als Schmerzensgeld für die Dummheit seiner Mitarbeiter, wäre die Angelegenheit erledigt gewesen. - Aber nein, man muss ja den Klageweg bestreiten bzw. einen auf Unnachgiebig machen. Sich dann hinterher zu beklagen, dass man Aufträge wegen dieser Angelegenheit verliert, zeigt die geistige Beschränktheit des Mannes auf.
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