Diskriminierung bei der Wohnungssuche Mehrheit der Deutschen ist gegen anonyme Mietbewerbungen

Menschen mit ausländischen Namen werden seltener zu Wohnungsbesichtigungen eingeladen. Trotz dieser Diskriminierung ist laut einer SPIEGEL-Umfrage nur ein Drittel der Deutschen für anonymisierte Bewerbungen.

Wohnungen in Frankfurt
DPA

Wohnungen in Frankfurt


Der Wohnungsmarkt in vielen Städten ist angespannt, Vermieter können wählerisch sein - und Menschen mit einem fremd klingenden Namen haben es bei ihnen besonders schwer, wie eine Studie von SPIEGEL und Bayerischem Rundfunk zeigt. An dieser Diskriminierung etwas ändern will aber nur eine Minderheit.

Gerade einmal 30 Prozent der rund 5000 Befragten sprachen sich für Anonymisierung im Bewerbungsprozess aus, um auch Migranten und Menschen mit ausländischen Namen eine bessere Chance zu geben. 58 Prozent sind dagegen, mehr als zehn Prozent unentschlossen.

Auffällig an den Antworten der Umfrage war, dass vor allem Jüngere dazu neigen, das Instrument zuzulassen. Während bei den 18- bis 29-Jährigen insgesamt 40 Prozent auf jeden Fall oder zumindest eher der Meinung sind, anonyme Bewerbungen einzuführen, waren dies bei den Über-50-Jährigen gerade mal 28 Prozent.

Menschen in Ballungsräumen waren laut der Umfrage im Schnitt zudem häufiger für Anonymisierung - womöglich weil sie Wohnungsbesichtigungen mit Dutzenden Konkurrenten kennen. Teilnehmer, die aus Gegenden mit geringer Bevölkerungsdichte stammen, lehnten die Idee dagegen im Schnitt noch stärker ab.

Gründe, warum jemand für oder gegen Anonymisierung bei der Wohnungssuche ist, lassen sich aus der Umfrage nicht ablesen.

  • Jörn Kaspuhl / SPIEGEL ONLINE
    Wir müssen draußen bleiben: Wie stark auf dem Wohnungsmarkt in Deutschland diskriminiert wird, zeigt das Experiment von SPIEGEL und Bayerischem Rundfunk. Alle Ergebnisse und Hintergründe finden Sie auf www.hanna-und-ismail.de

nck/apr

insgesamt 130 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
jayjayjayjay 23.06.2017
1. Wie sollte…
… das überhaupt funktionieren? Wie möchte man prüfen, dass nicht jemand seinen deutschen Namen drauf packt? Per stichprobe? Hat bisher ja super geklappt…
omop 23.06.2017
2. Kein praktikabler Vorschlag..
als Vermieter möchte man doch ganz genau die Herkunft und Solvenz des Mieters wissen. Vollkommen zu Recht. Wer das nicht will muss sich eben selber ein Haus kaufen..da ist er dann sein eigener Herr.
micromiller 23.06.2017
3. Es passt in das Grün/Rot
Freiheitsverständnis den Bürgern auch diese Freiheit abzusprechen. Die erschreckende Regulierungswut unserer von uns gewählten Politbeamten erinnert in unangenehmer Weise an die Geschichte unseres Landes. Währet den Anfängen und wählt möglichst viele sich bekämpfende Parteien in unser Parlament, das ist die beste Versicherung, dass sich unsere Staatsmacht nicht über uns erhebt und sich als DIENER unserer Freihet versteht.
Schlachtkreuzer 23.06.2017
4. Kontrahierungszwang?
Was soll das denn auch bringen? Unterschrieben wird ja wohl nicht anonym oder soll zugleich ein Kontrahierungszwang eingeführt werden? Solche Forderungen sind allesamt Blödsinn und kollidieren sowieso mit Art. 14 GG. Meinen Mieter suche ihr mir jedenfalls selbst aus oder vermiete einfach nicht. Blödsinnige politische Forderungen, denen sowohl die Erfahrungen als auch der rechtliche Hintergrund fehlen. Noch herrscht jedenfalls Vertragsfreiheit in Deutschland. Aber für die Migranten versucht die Politik ja bekanntlich stets alles. Werden aber trotzdem keine bei mir einziehen!
postorgel 23.06.2017
5. den jüngeren fehlt einfach die Erfahrung!
aufgrund dieser Erfahrungen der Vermieter ist das Ergebnis nicht verwunderlich. sie wollen wissen, mit wem sie es zutun haben. wer möchte schon gern von Mietnomaden heimgesucht werden, die rechtlich mehr geschützt sind, als Vermieter. wenn es möglich wäre, Mietnomaden sofort zu kündigen, sähe das Ergebnis anders aus.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2017
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.