Marode Straßen und Brücken: Forscher fordern Milliardeninvestitionen in Deutschland

Großbaustelle in Essen (2012): Enormer Erneuerungsbedarf Zur Großansicht
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Großbaustelle in Essen (2012): Enormer Erneuerungsbedarf

Straßen, Schulen, Stromtrassen: Das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung plädiert nach SPIEGEL-Informationen für massive Investitionen in Deutschland. Ingesamt soll sich ein Investitionsrückstand von einer Billion Euro aufgestaut haben.

Hamburg - Das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) fordert nach SPIEGEL-Informationen ein enormes Investitionspaket: Jährlich sollten 75 Milliarden Euro ausgegeben werden, unter anderem um die Infrastruktur in Deutschland zu modernisieren. In den vergangenen Jahren seien Deutschlands Straßen, Schienen, Brücken und Kanäle substantiell vernachlässigt worden, heißt es in einer Studie, die das DIW in dieser Woche veröffentlichen will. Zudem müsste viel mehr Geld in den Bildungssektor investiert und Anreize für private Investitionen etwa im Energie- und Telekommunikationssektor gesetzt werden.

Die Investitionslücke, die Staat und Wirtschaft seit Ende der neunziger Jahre zugelassen hätten, belaufe sich jährlich auf eine Größenordnung von drei Prozent des Bruttoinlandsprodukts, heißt es vom DIW. So habe sich ein Erneuerungsbedarf von einer Billion Euro aufgestaut. Einen großen Teil der erforderlichen Investitionen solle der Staat bereitstellen.

Die Mittel dafür sind nach Einschätzung der Berliner Forscher vorhanden. So rechnet das DIW allein für 2017 mit Haushaltsüberschüssen von 28 Milliarden Euro. Hinzu kommen zehn Milliarden Euro, die der Bund trotz Schuldenbremse auch künftig jährlich an neuen Krediten aufnehmen darf.

"Die Finanzpolitik sollte die gute Kassenlage nutzen und heute die Weichen für ein zukünftig höheres Potentialwachstum stellen", heißt es in der Studie. "Mit einem solchen Paket könnten wir unser Wachstumspotential mittelfristig von 1,0 auf 1,6 Prozent erhöhen", sagte DIW-Präsident Marcel Fratzscher dem SPIEGEL. Durch höhere Importe würde Deutschland so auch der Euro-Zone helfen. "Über die europäische Produktionskette stützen wir dann auch die Konjunktur in Spanien oder Italien."

Das DIW traut der heimischen Konjunktur nach der jüngsten Delle also wieder deutlich bessere Zeiten zu. "Trotz Schwächephase im Winterhalbjahr behauptet sich die deutsche Wirtschaft gut und wird vor allem im kommenden Jahr kräftig wachsen", sagte Fratzscher.

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insgesamt 239 Beiträge
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1. aktuell: Milliarden für unwirtschaftliche und schädliche Infrastruktur-Projekte
fs123 23.06.2013
Die meisten Bahnprojekte in Deutschland verbrennen Milliarden für Neubauten, die enorm teuer, aber kurz- und langfristig unwirtschaftlich sind. Damit verbaut man sich buchstäblich die Zukunft, und vernachlässigt die Gegenwart (und Instandhaltung). Fordern kann man viel, aber beginnen muss man mit der Verhinderung von untragbaren Fehlentwicklungen!
2. wo empfehlen?
manbins 23.06.2013
Ein Glück weiß der deutsche Michel nicht, dass in Polen alle Straßen sogar im kleinsten Dorf von EU Geldern gebaut wurden in den letzten Jahren. Wenn ein Politblatt oder eine Zeitung davon berichten würde, wäre hier was los. Stattdessen freut man sich, dass hier ein Straßenloch geflickt wird und meckert über die Ostdeutschen wegen des Solis. Wo das Hauptgeld hingeht weiß bloss keiner.
3. Wahrlich sinnvoller,
Wowiweg 23.06.2013
Zitat von sysopStraßen, Schienen, Brücken und Kanäle: Das Deutsche Institut für Wirtschaftforschung plädiert nach SPIEGEL-Informationen für massive Investitionen in die Infrastruktur. In den vergangenen Jahren soll sich ein Erneuerungsbedarf von einer Billion Euro aufgestaut haben. DIW fordert Milliardeninvestitionen in Infrastruktur - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/diw-fordert-milliarden-investitionen-in-infrastruktur-a-907378.html)
als unbelehrbar weiter Milliarden in die bereits gescheiterte "Euro-Rettung" zu kippen. Aber so wie ich Schäuble einschätze, wird er genau das machen, weil alternativlos: - Zyperns korruptes Bankensystem und damit russische Oligarchen zu retten. - Griechenland Fass ohne Boden weiter zu befüllen. - und die EZB gewähren lassen, mit ihrer Deutschland-feindlichen Geldpolitik.
4. alternativlose Alternative
copenista 23.06.2013
also entweder Infrastruktur oder Griechenland. Da Letzteres ja angeblich alternativlos ist bleibt Ersteres ja dann wohl auf der Strecke... Übrigens fehlen in der Aufzählung das Stromnetz und das Glasfasernetz. Wenn ich mir die Brücken in diesem Lande anschaue wird's mir schwindlig. Da die Regierung meistens in der Luft unterwegs ist bekommt sie von den Mängeln am Boden natürlich nix mit. Hauptsache, die Landeplätze sind in Ordnung!
5. optional
Postscriptum_B 23.06.2013
Die Mittel dafür sind nach Einschätzung der Berliner Forscher vorhanden. So rechnet das DIW allein für 2017 mit Haushaltsüberschüssen von 28 Milliarden Euro. Hinzu kommen zehn Milliarden Euro, die der Bund trotz Schuldenbremse auch künftig jährlich an neuen Krediten aufnehmen darf. Klar, nach der Wahl wird die Krise vorbei sein. Griechenland und Portugal werden ihre Kredite und Zinsen zurückzahlen. Und D wird mit Geld überschwemmt werden!
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