DIW-Studie Frauen erobern den Arbeitsmarkt

Frauen holen am deutschen Arbeitsmarkt auf, ihre Erwerbsquote steigt deutlich stärker als die der Männer. Kein Wunder - sie sind oft viel besser qualifiziert.

Erzieherin: Anteil der berufstätigen Frauen gestiegen
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Erzieherin: Anteil der berufstätigen Frauen gestiegen


Berlin - Sie galten immer schon als das starke Geschlecht. Jetzt nehmen sie allmählich auch auf dem Arbeitsmarkt die Rolle ein, die ihnen schon immer zukam: Der Anteil der berufstätigen Frauen in der Bevölkerung ist seit 1995 um zehn Prozentpunkte gestiegen, der der Männer dagegen nur um einen Prozentpunkt, wie eine neue Analyse des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) belegt.

Im Jahr 2013 waren 46 Prozent aller Erwerbstätigen im Land weiblich. Da aber weiterhin mehr Frauen als Männer in Teilzeit arbeiten, lag ihr Anteil am Arbeitsvolumen niedriger - bei rund 40 Prozent. Schreibt man die Entwicklung jedoch fort, dann dürfte sich das Verhältnis bald umkehren. "Die Bereitschaft der Frauen zur Teilnahme am Arbeitsleben nahm in den vergangenen zwei Jahrzehnten über alle Altersstufen und Qualifikationsklassen hinweg zu. Bei den Männern lässt sich diese Tendenz nur unter den Älteren ab 55 Jahren beobachten", erklärt DIW-Arbeitsmarktexperte Karl Brenke.

Während die Erwerbsquote der Frauen über den gesamten Beobachtungszeitraum nahezu stetig stieg, war die Entwicklung bei den Männern viel wechselhafter: Deren Erwerbsquote gab zwischen 1998 und 2004 deutlich nach und liegt heute nur etwa einen Prozentpunkt höher als 1995.

Bildung bringt Arbeit

Die stärkere Beteiligung der Frauen am Arbeitsleben führt Brenke in erster Linie auf das gestiegene Ausbildungsniveau der Frauen zurück. "Für Männer und Frauen gilt: Je höher die Qualifikation, desto größer ist in der Regel auch die Beteiligung am Arbeitsleben", erklärt der Wissenschaftler. Die Qualifikation der Frauen sei allerdings schon eine ganze Weile vergleichbar hoch - nur dass bislang viele schlechter qualifizierte Jahrgänge den Durchschnitt senkten, die sich inzwischen allmählich aus vom Arbeitsmarkt verabschiedeten. Da sich dieser Trend fortsetzen wird, rechnet Brenke auch für die Zukunft allein deshalb mit einer steigenden Erwerbsbeteiligung der Frauen.

Noch ein weiterer Effekt lässt die Frauen verstärkt auf den Arbeitsmarkt streben: Sie wollen es. Über die Motive kann man indes nur spekulieren. Womöglich ist es einfach das Bedürfnis, sich aus der finanziellen Abhängigkeit von den Männern zu lösen. Eine Rolle spielt wahrscheinlich auch die Veränderung der Arbeitswelt. Dominierten früher die traditionell von Männern besetzten Industriearbeitsplätze die Arbeitswelt, verzeichnen heute vor allem solche Wirtschaftsbereiche Zuwachsraten, in denen viele Frauen tätig sind - etwa das Gesundheits- und Sozialwesen sowie der Bereich Erziehung und Unterricht.

mik



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