Bezahlung nach Behandlungserfolg Krankenhäuser sträuben sich gegen Plan der Koalition

Wie Patienten ihre Klinik bewerten, soll sich künftig auf deren Budget auswirken. Doch der Plan der Großen Koalition stößt bei den Krankenhäusern auf wenig Gegenliebe. Die Schuld an schlechten Behandlungsergebnissen trügen oft die Patienten selbst.

Eingang zur Notaufnahme: Krankenhäuser klagen über Milliardenlöcher
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Eingang zur Notaufnahme: Krankenhäuser klagen über Milliardenlöcher


Hamburg - Die Krankenhäuser in Deutschland stemmen sich gegen das Vorhaben der Koalition, ihre Bezahlung stärker an Behandlungserfolg oder -misserfolg auszurichten. Vielmehr müsse die Politik wachsende Finanzlücken bei den Krankenhäusern in Milliardenhöhe rasch schließen, forderte die Deutsche Krankenhausgesellschaft (DKG).

Zu- und Abschläge je nach Behandlungsqualität sind ein zentrales Ziel der Koalition im Kliniksektor. Die Koalition will ein Qualitätsinstitut einrichten. Patientendaten sollen ausgewertet und so die Qualität der Kliniken transparenter werden. DKG-Präsident Alfred Dänzer wandte ein, es sei nicht messbar, ob die Patienten von Ärzten aufgestellte Verhaltensregeln auch einhielten. Davon hänge aber zentral der Behandlungserfolg ab.

Ein staatliches Qualitätsinstitut sei trotzdem zu begrüßen, sagte Dänzer. Denn heute verunglimpften Krankenkassen wie die AOK die Krankenhäuser mit übertriebenen Warnungen vor Behandlungsrisiken. Patienten würden verunsichert.

Krankenhäuser können Tausende Stellen nicht besetzen

Der Kassen-Spitzenverband entgegnete, die Qualität von Operationen müsse bei der Bezahlung berücksichtigt werden. "Wir wünschten uns, dass sich die Klinikverbände an die Spitze der Bewegung stellten, statt sich im Bremserhäuschen einzurichten", sagte Sprecher Florian Lanz.

Gesundheitsminister Hermann Gröhe (CDU) begann laut der Mittwochsausgabe der "Bild"-Zeitung mit Vorbereitungen zur geplanten Klinik-Reform. In einem Schreiben lud er die Gesundheitsminister der Länder ein, Vertreter für eine Bund-Länder-Arbeitsgruppe zu benennen, die am 24. März ihre Arbeit aufnehmen und die Reformpläne konkretisieren soll.

Die DKG zeichnete ein düsteres Bild der Lage der Kliniken. "Über 50 Prozent der Krankenhäuser schreiben rote Zahlen", sagte Dänzer. Die Häuser hätten zunehmend Probleme, Ärzte, Pfleger und Assistenten zu gewinnen und zu halten. "Wir haben 10.000 freie Stellen", sagte Hauptgeschäftsführer Georg Baum.

Die Arbeitsbelastung und die Attacken von Krankenkassen führen laut DKG dazu, dass die Motivation der Mitarbeiter sinke und viele nicht zu halten seien. Es gebe auch immer höhere Standards etwa für die Frühchen-Versorgung, nötige Finanzmittel würden aber nicht bereitgestellt.

Der Spitzenverband der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) verwies darauf, dass von den gesetzlichen Kassen Jahr für Jahr zusätzliche Milliarden an die Kliniken fließen - im vergangenen Jahr insgesamt 60 Milliarden Euro.

ade/dpa/AFP



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insgesamt 22 Beiträge
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Hübitusse 11.03.2014
1. optional
Ich bin mir sicher, dass eine stattliche Anzahl Patienten "dumme Patienten" sind, die durch ihr Verhalten kurz nach und auch mittelfristig nach ihrer Behandlung dem langfristigen Erfolg im Wege stehen - allerdings ist es auch wahr, dass Krankenhäuser im Sinne des Profits in ebenso zahlreichen Fällen mit Kanonen auf Spatzen schiessen und so Kosten für das System, unnötig langwierige Genesung und im schlimmsten Fall kein wünschenswertes Ergebnis für den Patienten erzielen. Der Fisch stinkt dieses mal von beiden Enden.
catcargerry 11.03.2014
2. Die spinnen, die Römer
Zitat von sysopDPAWie Patienten ihre Klinik bewerten, soll sich künftig auf deren Budget auswirken. Doch der Plan der Großen Koalition stößt bei den Krankenhäusern auf wenig Gegenliebe. Die Schuld an schlechten Behandlungsergebnissen trügen oft die Patienten selbst. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/dkg-krankenhaeuser-gegen-bezahlung-nach-behandlungserfolg-a-958066.html
Gibt es dann eine strafbewehrte Pflicht für Patienten, eine Beurteilung abzugeben? Wie ausführlich muss die sein? Kann ja dann auch nicht anonymisiert sein, weil sonst nicht erkennbar ist, wer sich drücken will. Gibt es Hilfspersonen für Patienten, die des Lesens und Schreibens oder überhaupt der deutschen Sprache nicht mächtig sind? Oder soll die Bewertung freiwillig erfolgen - mit dem Ergebnis, dass die Unzufriedenen, berechtigt oder Querulanten, sich äußern und den anderen das alles egal ist. Und gibt es dann eine Behörde, die die Beurteilungen "evaluiert" - auf Bundes-, Länder- oder Kommunalebene - oder auf mehreren, mit Aufsichtsbehörde?
grommeck 11.03.2014
3. Die Patienten sind schuld...logisch...
z.B. Eine Klinik in Niedersachsen : der Arzt kann bei der Aufnahme seine eigene Schrift nicht mehr lesen, nachdem der Aufnahmebogen ausgefüllt ist. Die deutsche Sprache wird nicht in vollem Umfang verstanden. Erst der Patient muß auf Thrombosespritzen hinweisen...leider zu spät...dafür spritzt er jetzt seit 6 Monaten. Die Mitarbeiter erzählen von zu wenig Personal, ständig Aushilfen auf anderen Stationen und und. Informationen von Ärzten nur auf Nachfrage. Und da ist der Patient mitschuldig??? Viele Kliniken sind Geldvernrennungsanstalten - Geld der Versicherten - MEIN Geld !!! Woher kommen die Finanzlücken??? Übertriebene Kosten an Medikamenten, Apparaten, Verwaltung und der oberen Ärzteschicht - Gewinne , Gewinne - das ist das Problem des Kapitalismus auch im Gesundheitswesen - es geht Kohle anzocken, nicht um die Kranken, wie der Pflege auch!!!
vonwoderwestwindweht 11.03.2014
4. ***
Ich finde die Idee prinzipiell gut. Denn es ist höchst ungerecht, dass hervorragende Ärzte und Krankenhäuser genauso bezahlt werden die schlechte, die nicht selten das Restleben ihrer Patienten verhunzen. Ich glaube, dass es die Qualität der Krankenhäuser ENORM nach oben schrauben würde, wenn bei häufiger schlechter Behandlung dann das Geld ausbleibt. Das Problem sehe ich eher darin, wie man bei den Bewertungen Manipulationen verhindern will.
twws04 11.03.2014
5. Aha, also die bösen Patienten...
Als seit mehr als 30 Jahren chronisch Kranker mit entsprechend vielen Krankenhausaufenthalten kann ich aus leidvoller Erfahrung sagen, dass die Krankenhäuser schon immer versucht haben, beim Patienten einen "guten Schnitt" zu machen. Im System der Tagespflegesätze hat man mir die schwärzesten Szenarien ausgemalt, wenn ich auf eigenen Wunsch entlassen würde, um mich (Privatpatient) möglichst lange stationär zu behandeln. Seit der Umstellung auf das Fallpauschalensystem ist man nunmehr bemüht, mich möglichst schnell wieder zu entlassen, sobald die für die Pauschale maßgebende untere Grenzverweildauer erreicht ist. Im gleichen Maße, wie das mich behandelnde Krankenhaus in neue Apparate und Bauten investiert hat, wurde Pflegepersonal abgebaut. Das bekommt der Patient spätestens dann leidvoll zu spüren, wenn er nicht mobil ist und Hilfe benötigt. Leider ist dieser Trend wohl bei allen Krankenhäusern zu beobachten. Der Patient ist Teil des Witschaftskreislaufs, sonst interessiert er eher weniger.
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