Dow Jones, Dax und Co. Warum Trumps Krise die Börsen belastet

Die innenpolitische Krise Donald Trumps lässt die Kurse amerikanischer Aktien einbrechen. Droht den Börsen jetzt der Crash?

Börse New York
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Börse New York


Das Politchaos im Weißen Haus hat die Rekordjagd an der Wall Street abrupt beendet. Die Kurse an der Wall Street rutschten am Mittwochabend deutlich ins Minus. Der wichtige Aktienindex Dow Jones fiel bis Handelsschluss um rund 1,8 Prozent auf 20.606 Punkte - das war der größte prozentuale Tagesverlust seit September vergangenen Jahres. Auch der Dollar kam spürbar unter Druck. In Asien zeigte sich ein ähnliches Bild: In Tokio notierte der 225 Werte umfassende Nikkei-Index 1,4 Prozent im Minus mit 19.530 Punkten, obwohl die japanische Wirtschaft im ersten Quartal stärker gewachsen war als erwartet.

Auch der deutsche Leitindex (Dax) liegt zu Handelsbeginn knapp im Minus. Damit hat der Index seit Wochenbeginn bereits mehr als ein Prozent eingebüßt.

Viele Finanzexperten haben in den vergangenen Wochen vor dem Risiko eines Rückschlags an der Wall Street gewarnt. Denn der wesentliche Kurstreiber der vergangenen Monate war Donald Trump, weil Investoren auf eine noch stärker anziehende US-Wirtschaft unter dem neuen US-Präsidenten gehofft hatten. Das trieb die Börsen auf neue Rekordstände. "Der US-Markt hatte zuletzt viele gute Nachrichten eingepreist und Unsicherheiten ignoriert", sagt Lukas Daalder Chefanlagestratege der niederländischen Fondsgesellschaft Robeco.

Doch nun steht Trump wegen der Russland-Untersuchung massiv unter Druck. Am Mittwoch setzte das US-Justizministerium einen Sonderermittler ein, um die Kontakte von Trumps Umfeld nach Russland zu prüfen. Anleger zweifeln deshalb, ob Trump es überhaupt schafft, all seine geplanten Vorhaben durchzusetzen. "Denn wenn gegen Trump Sonderermittler eingesetzt werden, können wir sein Steuervorhaben, seine Gesundheitsreform und sein Fiskalprogramm so gut wie vergessen", kommentierte Andy Brenner, Anlagestratege bei National Alliance Securities.

Unabhängig von den Russland-Untersuchungen verliert Trump allmählich seinen Zauber, sein Image als "Dealmaker" ist dahin. Kürzlich ist er mit seinem Versuch, Obamas Gesundheitsreform Obamacare abzuwickeln, spektakulär gescheitert.

Die deutliche Reaktion der US-Börsen am Mittwochabend zeigt: Wenn sich die Krise von US-Präsident Trump weiter zuspitzt, wird das die Kurse in den kommenden Wochen weiterhin spürbar belasten. Ein Amtsenthebungsverfahren, könnte gar zu einem Crash an den Börsen führen, sagen US-Investoren. "Das würde den Märkten vollständig den Wind aus den Segeln nehmen", schrieb Brenner. Denn ein Präsident, der vor allem darum kämpfen muss, sich überhaupt im Amt zu halten, habe vermutlich kaum Zeit für sein ambitioniertes Wirtschaftsprogramm.

Europäische Aktien dürften sich besser entwickeln als US-Aktien

Finanzexperten gehen derzeit davon aus, dass sich europäische Aktien besser entwickeln könnten als US-Titel. Denn US-Aktien sind bereits recht teuer, zudem wuchs die deutsche Volkswirtschaft im ersten Quartal dreimal so stark wie die US-Volkswirtschaft, die europäische doppelt so stark. "Die US-Aktienmärkte sind stärker gestiegen als die zugrundeliegenden Unternehmensgewinne rechtfertigen, während europäische Aktien nicht mit dem Anstieg der Unternehmensgewinne im ersten Vierteljahr 2017 Schritt gehalten haben", sagt Daalder von Robeco.

US-Investoren beginnen deshalb jetzt verstärkt, europäische Aktien zu kaufen und trennen sich von US-Titeln. Diese Entwicklung dürfte auch den Euro-Kurs beeinflussen, weil der Euro steigt, wenn Amerikaner europäische Aktien kaufen.

Geldpolitik als entscheidender Faktor

Unabhängig von der innenpolitischen Einwicklung in den USA dürfte aber die künftige Geldpolitik der Notenbanken die Kurse an den Börsen maßgeblich beeinflussen. Sollte die amerikanische Notenbank Federal Reserve in diesem Jahr die Zinsen noch zwei- bis dreimal anheben, dürfte dies die Wall Street weiter schwächen. Denn bei einem Anstieg des Zinsniveaus, können sich Banken weniger gut mit frischem Kapital eindecken. Das belastet dann die Aktienkurse.

Sollte Trump aber tatsächlich seine versprochenen wirtschaftspolitischen Maßnahmen nicht durchsetzen könnten, könnte dies auch zu einer Entschärfung der Geldpolitik führen. Denn damit würde das Risiko sinken, dass sich die US-Wirtschaft überhitzt.

hej



insgesamt 16 Beiträge
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Beetulli 18.05.2017
1. Ob die Kurse fallen oder steigen
hat doch inzwischen völlig irrationale Gründe, wie im Artikel eher beiläufig erwähnt wird. Insoweit können die Börsen und DT gute Freunde sein, wichtig wäre nur, beide in einer Art Sandbox laufen zu lassen, damit sie möglichst wenig Einfluß auf die Außenwelt nehmen können.
MiniDragon 18.05.2017
2. Falsche Überschrift
Die Trump- Krise läßt die Börsenkurse bis auf ganz wenige Ausnahmen weltweit einbrechen. Es lohnt sich anschauen, in welchen Branchen die Ausnahmen "arbeiten".
benutzer1000 18.05.2017
3. Panikmache!
Wenn ich mir die Top 100 der amerikanischen Aktien anschaue, haben viele seit 2016 kräftig im zweistelligen Bereich zugelegt. Da sind Kursänderungen von 2-3% eher Gewinnmitnahme. Hauptsache einen Artikel veröffentlicht. NASDAQ-100 von 4400 auf 5500 in einem Jahr.
maynard_k. 18.05.2017
4. Amtsenthebungsverfahren gleich Börsencrash
[Ein Amtsenthebungsverfahren, könnte gar zu einem Crash an den Börsen führen, sagen US-Investoren] Dann sitzt Trump wohl doch bis zum Ende seiner Amtszeit fest im Sattel ...
reflektiert_ist_besser 18.05.2017
5. wollte Trump nicht das greatest Wachstum schaffen
wollte Trump nicht das greatest Wachstum schaffen? Hat er sich im Wahlkampf nicht lustig gemacht über das geringe Wachstum in Amerika und Europa? Hat er nicht versprochen, dass sofort mit seiner Wahl die Arbeitsplätze in Amerika nur so spriessen? Hat er nicht versprochen, dass sofort mit seiner Wahl die amerikanische Wirtschaft wächst und wächst? Hat das der Gottgesandte und seine Jubel-Trumpianer nicht versprochen? Und jetzt muss man lesen: "zudem wuchs die deutsche Volkswirtschaft im ersten Quartal dreimal so stark wie die US-Volkswirtschaft, die europäische doppelt so stark." Da bin ich mal gespannt auf die Erklärungen der Jubel-Trumpianer. Vermutlich kommt nur sowas dünnes wie: "das braucht halt alles seine Zeit". Das wäre für den Wundermann Trump aber etwas sehr dünn, schließlich muss er doch nur die Hand auflegen und alles wird gut.
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