Schwächelnde USA Trump und die Währungskrieger

Mit dem Dollar geht's bergab: Nach wie vor ist die US-Währung die wichtigste Währung der Welt. Doch Präsident Trump und seine Leute sind dabei, diesen gigantischen Vorteil zu verspielen.

Donald Trump
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Eine Kolumne von


Die Ereignisse der vergangenen Tage haben mich an ein Gespräch mit Barry Eichengreen erinnert. Sieben Jahre ist das her. Damals steckte der Schock der Weltrezession noch allen in den Knochen. In Washington herrschte politische Blockade. Präsident Barack Obama und der Kongress hatten sich derart im Streit ums Geld verhakt, dass die Kreditwürdigkeit der USA in Zweifel gezogen wurde. Wir sprachen über die Folgen - für Amerika, den Dollar, das Weltwährungssystem.

Und Eichengreen, der große Ökonom von der kalifornischen Universität Berkeley, sagte große Umbrüche vorher: Der Dollar werde seine Rolle als dominierende Stellung verlieren. "In zehn Jahren wird es drei große Weltwährungen geben." Der Euro und der chinesische Yuan würden dem Dollar ernsthafte Konkurrenz machen.

Keine Frage, diese tektonischen Verschiebungen würden "tiefgreifende Auswirkungen" zeitigen. Die Stabilität der Wechselkurse und der Finanzmärkte sei gefährdet. Die USA wiederum verlören ihr "exorbitantes Privileg", sich in eigener Währung zu günstigen Konditionen verschulden zu können. Für Amerika werde es deshalb schwieriger, seine chronischen Defizite im Staatshaushalt und im Außenhandel zu finanzieren.

In diesem Szenario stehen die USA am Ende als dezimierte Großmacht da - ärmer, schwächer, unsicherer. Dollar-Politik ist auch globale Machtpolitik.

Lange dachte ich, Eichengreen habe sich verschätzt. In den vergangenen Jahren sah es wahrlich nicht so aus, als hätten die USA große Probleme, ihre dominante Rolle in der Weltwirtschaft zu halten. Aber das ändert sich gerade.

Jetzt gerät einiges ins Rutschen

In Obamas zweiter Amtszeit erlebten die USA einen ordentlichen Aufschwung, die Defizite gingen zurück. Die Eurozone hingegen war zerstritten und drohte immer wieder auseinanderzubrechen. China kämpfte gegen Kapitalflucht und verschärfte die Kapitalverkehrskontrollen. Eigentlich logisch, dass der Dollar seine Rolle als wichtigste Währung der Welt in den vergangenen Jahren sogar noch ausbauen konnte.

Doch jetzt scheint einiges ins Rutschen zu kommen. Vielleicht behält Eichengreen doch recht.

Der Dollar fällt. Gegenüber gegenüber dem Euro hat die US-Währung seit Donald Trumps Amtsantritt 18 Prozent verloren, gegenüber dem Durchschnitt der Währungen der wichtigsten Handelspartner der USA immerhin knapp zehn Prozent.

Die US-Administration reagiert kopflos und widersprüchlich. Finanzminister Steve Mnuchin hat in der abgelaufenen Woche in Davos den Eindruck vermittelt, ein schwacher Dollar sei im Interesse der USA, weil dadurch Amerikas Exporte billiger würden. Ein Tabubruch. US-Regierungen sprechen sich traditionell für einen starken Dollar aus - aus guten Gründen, denn daran hängt der Weltwährungsstatus und Amerikas "exorbitantes Privileg", sich billig verschulden zu können.

Kurz darauf widersprach dann jedoch Donald Trump seinem Finanzminister, ebenfalls von Davos aus, im TV-Interview: Er wolle "einen starken Dollar sehen". Die US-Währung werde "stärker und stärker". Fake news, gemessen an den tatsächlichen Daten.

Man darf gespannt sein, wie der Dollar-Kurs auf die Zinsentscheidung der US-Notenbank Fed und auf Trumps erste Rede zur Lage der Nation (beides am Mittwoch) reagiert.

Abenteuerliches Getöse

Eigentlich ist das Erstarken von Euro & Co. eine normale Reaktion. Die Eurozone und andere Volkswirtschaften haben konjunkturell aufgeholt, was dafür spricht, dass auf Sicht auch außerhalb der USA die Zinsen steigen. Entsprechend sollten andere Währungen gegenüber dem Dollar stärker werden.

Doch das politische Getöse drum herum ist einigermaßen abenteuerlich.

Regierungen, so ist es seit Langem Brauch, halten sich aus Wechselkursfragen heraus. Denn ihre Äußerungen senden Signale, die zusätzliche Unruhe stiften; ständige Schwankungen und Fehlbewertungen der Währungen sind Gift für das Gedeihen der Realwirtschaft.

Wenn die USA nun den Eindruck vermitteln, sie befänden sich in einem "Handelskrieg", in dem man sich nicht länger passiv verhalten, sondern "US-Truppen" an die "Schutzwälle" schicken wolle (wie US-Wirtschaftsminister Wilbur Ross sich, ebenfalls in Davos, ausdrückte), dann kann man das als Kampfansage verstehen. Es geht dann womöglich nicht mehr nur um Zölle - die die USA vorige Woche gegen importierte Waschmaschinen und Solarzellen verhängten -, sondern auch um die Währung.

Zurück in die Zukunft?

Erinnerungen werden wach an die 1930er Jahre, als sich die großen Volkswirtschaften in einen Handelskrieg verstrickten, der nicht nur mit Zöllen, sondern auch mit Wechselkursen ausgefochten wurde. Das Ergebnis war desaströs: Der internationale Austausch von Gütern und Kapital kollabierte binnen weniger Jahre und verlängerte die Große Depression.

Damit sich dergleichen nicht wiederholt, waren es gerade die USA, die nach dem Krieg einen tragfähigen internationalen Ordnungsrahmen schufen. Handelskonflikte wurden nun im Rahmen des Allgemeinen Handelsabkommens (Gatt) und später der Welthandelsorganisation (WTO) beigelegt. Für die Währungsrelationen war zunächst der Internationale Währungsfonds (IWF) zuständig, später die G7 und die G20.

Doch inzwischen ist in Washington eine Regierung im Amt, die dieses internationale System als Bürde, nicht mehr als Vorteil sieht. Wenn die USA sich kurzfristige Handelsvorteile durch eine schwache Währung versprechen - siehe Mnuchins Äußerungen -, dann laufen sie längerfristig Gefahr, ihre erstklassige Kreditwürdigkeit zu verzocken.

Für die USA steht viel auf dem Spiel. Amerikas Lebensstandard, die Finanzierbarkeit des Staatshaushalts und insbesondere des gigantischen Militärbudgets - all das hängt davon ab, dass sich die USA im Rest der Welt Geld leihen können, und zwar zu ihren Bedingungen. Ohne einen starken Dollar, der als globales Geld akzeptiert wird, lassen sich die chronischen außenwirtschaftlichen Defizite kaum finanzieren.

Misstrauensvotum gegen Trumps Amerika

Wechselkurse zwischen Währungen wie dem Dollar und dem Euro sind ein Gradmesser für die Vitalität der jeweiligen Volkswirtschaften. Eine starke Währung signalisiert Vertrauen in die Leistungsfähigkeit der Wirtschaft und in ihre Institutionen. Sollte sich die Talfahrt des Dollar fortsetzen, lässt sich dies als Misstrauensvotum interpretieren.

Umgekehrt reflektiert der erstarkende Euro nicht nur die konjunkturelle Erholung diesseits des Atlantiks (Dienstag gibt's neue Zahlen zum Wirtschaftswachstum in der Eurozone). Auch die Gefahr eines Auseinanderbrechens der Eurozone scheint vorerst gebannt; die Regierungen in Frankreich und Deutschland (achten Sie auf den Fortgang der schwarz-roten Koalitionsverhandlungen in den kommenden Tagen) scheinen sich in Sachen Euroreform anzunähern. (Allerdings kann das Thema im Umfeld der Italien-Wahlen im März wieder auf die Agenda kommen.)

Noch drei Jahre, dann wird sich herausstellen, ob Eichengreen mit seiner Zehn-Jahres-Vorhersage recht hatte. Soviel lässt es schon jetzt mit Sicherheit sagen: Es werden unruhige Zeiten.

Die wichtigsten Wirtschaftstermine der Woche

MONTAG

Brüssel - Teilungserklärung - EU-Ministertreffen zu den Ausstiegsverhandlungen mit Großbritannien.

Sotschi - Assads Werk und Putins Beitrag - Russlands Präsident hat zum "Kongress der Völker Syriens" geladen. Es soll um eine Nachkriegsordnung gehen. Teile der Opposition lehnen die Initiative ab.

DIENSTAG

Brüssel - Free Trade! - Die EU verhandelt mit der lateinamerikanischen Freihandelszone Mercosur über ein Abkommen.

Berichtssaison I - Zahlen von SAP, Philipps, Comdirect, McDonald's, Pfizer, AMD.

MITTWOCH

Washington - Auf Kurs - Die US-Notenbank Fed entscheidet über die Zinsen. Es ist die letzte Sitzung unter Leitung von Chairwoman Janet Yellen.

Washington - So sad! - Wenn das mal gutgeht: Donald Trump hält seine erste Rede zur Lage der Nation.

Nürnberg - Tiefer, tiefer, tiefer - Die Bundesagentur für Arbeit gibt die Zahlen für Januar bekannt.

München - Aufspaltung einer Weltfirma - Siemens-Hauptversammlung: Mit neuer Strategie will Vorstandschef Kaeser die Aktionäre überzeugen.

Berichtssaison II - Zahlen von Infineon, AT&T, H&M, Santander, Eli Lilly, Paypal

DONNERSTAG

Berichtssaison III - Zahlen von Daimler, ING-Diba, Shell, Roche, Amazon.

FREITAG

Berichtssaison IV - Zahlen von der Deutschen Bank.

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freddygrant 28.01.2018
1. Nach dem Crash ...
... von 2008, der Labilität der US-Wirtschaft sowie der Volatilität des US-$ und ausufernden Staatsschulden geht das Vertrauen in die USA vollends den Bach runter. Das Image des Oberdealers Trump wird daran nichts mehr retten - im Gegenteil! Wer das globale Vertrauen in den Welthandel und eine neue Evaluierung zurückbringt ist in Europa und Asien bereits ausgemacht. Und das ist gut so!
labellen 28.01.2018
2. die Beispiele Japan und BRD
belegen eigentlich, das auch Länder mit Währungen unterhalb der führenden Leitwährung ihren Schuldendienst in Grenzen halten können. Witschaftliche Kraft und Stabilität sind dabei ebenso ausschlaggebend.
sven2016 28.01.2018
3.
Dass der Rückgang des Wechselkurses der eigenen Währung gut ist, da exportfördernd, kommt als Reflex von allen Finanzministern (vgl. vor wenigen Monaten als Dollar und Euro fast 1:1 standen). Solange der Dollar Weltwährung ist, drucken die Amerikaner nach Belieben nach. Der Großteil der Währung kreist im Ausland und belastet den eigenen Staat nicht. Die geplante Kombination aus Unternehmenssteuersenkung und zusätzlichen Militär- und Grenzausgaben funktioniert nur so. Und die Demokraten spielen da immer mit.
Pascal Meister 28.01.2018
4. Der Artikel kratzt an der Oberfläche
Für mich sieht es eher so aus, als spielt da ein Abwertungswettlauf. Mal verliert der Dollar, dann der Euro. Faktisch sind beide Währungsräume überschuldet. Beide haben ein Interesse an einer eher schwachen eigenen Währung. Das nennt man dann "race to the bottom" - es fällt einfach nicht auf, weil die Topwährungen der Welt ja nur gegeneinander abwerten können und nicht (mehr) gegen reale Werte. Die Entsprechung findet sich in rekordhohen Preisen für Immobilien und Aktien, und vermutlich wird auch das Gold wiedermal einen Spurt hinlegen. Also werten sich die Währungen gegen Sachwerte ab, rein praktisch gesehen. Wie lange noch?
Fernspäher 28.01.2018
5. auf dem Weg zur Normalität, oder?
Wenn man sich den langfristigen Trend ansieht, dann scheint der Dollar eher auf dem Weg zur Normalität zu sein. http://www.xe.com/de/currencycharts/?from=USD&to=EUR&view=10Y Was mir aber wirklich Sorgen macht, das ist der Gedanke eines Handelskrieges zwischen den USA und China. Was ist, wenn sich Trump Obama zum Vorbild nimmt? General Motors wurde von Obama "saniert", indem die Schulden von GM ersatzlos gestrichen wurden, auch die Auslandsschulden. Und Opel blieb trotzdem in GM-Besitz. Ich habe damals viel Geld verloren, weil ich dachte, so etwas wäre gemäß der internationalen Handelsabkommen illegal. Was ist, wenn jetzt Trump einfach sagt, dass die USA gegenüber China ihre Schulden nicht mehr bedienen werden? DAS hätte gewaltige Auswirkungen, oder?
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