Trumps Nafta-Kehrtwende Umgefallen

Im Wahlkampf nannte Donald Trump das Freihandelsabkommen Nafta den "schlechtesten Deal aller Zeiten". Er versprach, den Vertrag zu kündigen. Dann zeigte ihm einer seiner Minister eine Landkarte der USA.

Donald Trump
REUTERS

Donald Trump


Nach den vielen Volten seiner Politik überraschte Donald Trump nun doch wieder: Eigentlich wollte der US-Präsident das Nordamerikanische Freihandelsabkommen (Nafta) am Samstag, seinem 100. Tag im Amt, aufkündigen - wie von ihm gewohnt per Dekret.

Jetzt kommt alles doch anders: Der Austritt der USA aus Nafta wäre ein Schock für das System, sagte Trump in einem Interview mit der "Washington Post". Darum wolle er stattdessen das Abkommen neu verhandeln.

Seit 1994 sind die USA, Kanada und Mexiko über das Freihandelsabkommen verbunden. Schrittweise wurden fast alle Zölle abgebaut. Der Binnenmarkt umfasst 444 Millionen Menschen und verfügt über eine gemeinsame Wirtschaftsleistung von um die 20 Billionen Dollar. Trump hatte Nafta mehrfach als "schlechtesten Deal aller Zeiten bezeichnet" und ist unter anderem der Auffassung, dass durch den Freihandel zahlreiche Jobs von den USA nach Mexiko verlagert wurden.

Es sei alles vorbereitet gewesen, sagte Trump laut der "Washington Post": "Ich habe mich darauf gefreut, das zu beenden. Ich wollte es tun." Das Problem: Sowohl Handelsminister Wilbur Ross als auch Landwirtschaftsminister Sonny Perdue sind strikt gegen einen US-Rückzug aus Nafta. Der Zeitung zufolge drängten die Minister Trump dazu, das Dekret nicht zu unterzeichnen.

"Die Bauern mögen mich und ich mag die Bauern"

Perdue habe sogar eine Karte der USA mit ins Oval Office gebracht, berichtet die "Washington Post", mit jenen Gebieten, die von der Entscheidung besonders hart getroffen würden - sehr viele davon lagen in den Bundesstaaten der Trump-Unterstützer. Vor allem Fabrikarbeiter und Bauern dürften unter dem Austritt der USA aus Nafta leiden - viele von ihnen hatten Trump gewählt.

"Das zeigt, dass ich eine gute Basis bei den Bauern habe", zitiert die Zeitung den US-Präsidenten, "Die mögen Trump und ich mag sie und ich werden ihnen helfen". Auch die Gespräche mit weiteren Beratern aus seinem Team und Telefonate mit den Regierungschefs von Mexiko und Kanada hätten ihn überzeugt, seine Haltung zu überdenken, sagte Trump. "Ich mag die beiden sehr, wir haben sehr gute Beziehungen und die Beendigung von Nafta wäre keine nette Aktion."

Vielleicht waren es aber auch die Unternehmer aus dem gesamten Land, die sich zu Hunderten bei der Handelskammer und bei Trump direkt erkundigten und von einer Beendigung des Freihandelsabkommens abrieten. Oder die landwirtschaftlichen Verbände, die vor einem Ruin der US-Bauernschaft warnten.

Verloren hat dagegen offenbar Trumps Chefstratege Stephen Bannon, der akribisch darüber wacht, dass Trump die Ankündigungen, die er gemacht hat, auch erfüllt - an die Auflösung von Nafta wird er wohl keinen Haken machen.

Nach zwei Jahren des Schimpfens gegen das "totale Desaster" kassiert Trump also nun ein weiteres Versprechen. Sein Stabschef Reince Priebus deutete die jüngste Kehrtwende in einen taktischen Erfolg um: Weil alle wüssten, dass der US-Präsident Nafta am liebsten kündigen wolle, sei er jetzt in einer perfekten Verhandlungsposition.

Wirklich ängstlich scheinen Kanada und Mexiko allerdings nicht zu sein: Die Regierungen hatten sich in den vergangenen Wochen eng ausgetauscht und sich offenbar gut verstanden. "Wir hatten dieselbe Position", sagte Mexikos Außenminister Luis Videgaray am Donnerstag. Aber wer weiß, was wirklich kommt: Trump sagte, er freue sich auf die Verhandlungen - aber "wenn wir nicht zu einer befriedigenden Lösung kommen, werden wir Nafta beenden."

nck



insgesamt 98 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
shadei 28.04.2017
1. Oh mein Gott!
Wir brauchen ein Kopfschüttelsmile. Es ist nicht mehr auszuhalten wie dieser Typ abgeht. Erst weint er rum er hat sich alles anders in seinem Job vorgestellt. Jetzt macht er die nächste Kehrwende und stellt es dann auch noch so hin als würde er es nur für die Bauern tun, wie blind ist der Mann eigentlich und unfähig dazu.
haresu 28.04.2017
2. Bettvorleger
Trump macht sich lächerlich. Mit der Nichtkündigung von Nafta hat er offenbart wie wichtig dieses Abkommen für die USA ist und dass ihm das bisher nicht bewusst war. Seine Verhandlungsposition ist jetzt miserabel. Jeder Bettvorleger wird sich schämen zur Beschreibung eines solchen Präsidenten herangezogen zu werden.
schwabenland99 28.04.2017
3. Wahnsinn
Es unglaublich was sich amerikanische Beamte und Angestellte immer wieder leisten. Natürlich weiss der Steward das der Passagier ihn weder schlagen noch ernsthaft Attackieren kann.
cobaea 28.04.2017
4.
Wenn die Regierungschefs von Kanada und Mexiko mit Trump telefonieren, kommen sie sich vermutlich vor, wie in der sozialpsychiatrischen Sprechstunde - oder wie eine Grundschullehrerin mit einem Viertklässler mit Versetzungsproblemen.
ClausB 28.04.2017
5. Ich hätte nicht gedacht,
dass ein us-amerikanischer Präsident sich einmal in fast jeder Beziehung als total unfähig erweisen könnte. Innen -und außenpolitisch, wirtschafts - und militärpolitisch etc. : Täglich neue Beweise, dass Trump der falsche Mann ist an der Spitze des (noch) mächtigsten Staates auf der Erde - man kann nur hoffen, dass dieses "Experiment" nicht in einem Desaster endet.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2017
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.