Trumps Rede in Davos "Amerika zuerst bedeutet nicht Amerika allein"

Freihandel ja - aber streng überwacht: Donald Trump hat in seiner Rede beim Weltwirtschaftsforum seine "America-First"-Politik unterstrichen. Gleichzeitig kündigte er an, dass sein Land dafür Partner brauche.


In seiner Abschlussrede auf dem Weltwirtschaftsforum in Davos hat US-Präsident Donald Trump der Welt "Amerikas Freundschaft und Partnerschaft" angeboten. "Amerika zuerst bedeutet nicht Amerika allein", sagte Trump. Die Welt erlebe derzeit den Wiederaufstieg eines "starken und prosperierenden Amerika". Die Vereinigten Staaten seien für Handel und Geschäftsbeziehungen offen und scheuten dabei keine Konkurrenz.

Allerdings kündigte er auch eine harte Linie bei der Überwachung der Regeln für den Freihandel an. "Wir werden nicht länger wegsehen", sagte Trump. "Wir können keinen fairen und freien Handel haben, wenn einige Länder die Regeln brechen", sagte Trump.

Der 71-Jährige betonte, dass die Wirtschaft unter seiner Führung boome. Dabei nannte er die niedrigste Arbeitslosenquote seit fast einem halben Jahrhundert als Beispiel. Der Aktienmarkt erlebe einen beispiellosen Aufschwung und seine Steuerreform bringe dem Land viele Jobs (Lesen Sie hier mehr zu diesem Thema).

"Amerika ist der Ort, um Geschäfte zu machen", sagte Trump und führte fort: "Die Vereinigten Staaten haben immer noch mit großem Abstand die größte Volkswirtschaft der Welt.". Sein Land hoffe auf eine Zukunft, in der es Wohlstand für alle gebe und jedes Kind ohne Gewalt, Armut und Angst aufwachsen könne. "Die USA streben eine Partnerschaft zum Bau einer besseren Welt an."

Trump entschuldigt sich für abfällige Äußerungen

Auch zum Thema Iran äußerte sich Trump. Am Ende seiner knapp 20-minütigen Rede forderte er von den Verbündeten, Irans Weg zu einer Atomwaffe zu blockieren. Der US-Präsident hatte angekündigt, aus dem Nuklearabkommen mit dem Iran auszusteigen, wenn es nicht verschärft wird. Trump verlangte zudem erneut von den Partnern, mehr Geld in Verteidigungsausgaben zu stecken.

Trump nutzte die Zeit in Davos außerdem, um sich für abfällige Äußerungen zu entschuldigen. Vor rund zwei Wochen hatte er bei einem Treffen mit US-Abgeordneten afrikanische Staaten als "Drecksloch-Länder" bezeichnet. Trump traf sich mit dem Vorsitzenden der Afrikanischen Union (AU), dem ruandischen Staatschef Paul Kagame. Er habe Kagame gebeten, den übrigen Mitgliedern der AU bei deren bevorstehendem Gipfeltreffen am Wochenende seine "herzlichsten Grüße" auszurichten, sagte Trump.

Fragen von Journalisten nach seiner "Drecksloch"-Äußerung ignorierte er bei einem gemeinsamen Auftritt mit Kagame. Die Gespräche mit dem ruandischen Präsidenten bezeichnete er als "toll".

Dutzende afrikanische Geschäftsleute hatten angekündigt, Trumps Rede aus Protest gegen dessen Äußerungen boykottieren zu wollen. "Wir sind absolut abgestoßen und schockiert und wütend", sagte der Chef eines Verbands südafrikanischer Wirtschaftsbosse, Bonang Mohale.

bam/Reuters/AFP



insgesamt 95 Beiträge
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muellerthomas 26.01.2018
1.
" Die Welt erlebe derzeit den Wiederaufstieg " Wiederaufstieg? Wo hat Trump die letzten Jahre gelebt? 2017 wurden weniger neue Jobs geschaffen als 2016, 2015, 2014, 2013, 2012 und 2011. Die Arbeitslosenquote lag bereits bei seiner Amtsübernahme unter 5% und das Budgetdefizit im Bundeshaushalt war im letzten Quartal unter Obama niedriger als nun unter Trump.
radbodserbe 26.01.2018
2. Liberal heisst im liberalen Sinne nicht nur liberal !
Komisch, warum mir gerade dieses Zitat aus einem Sketch von Loriot durch den Kopf ging. Natürlich heißt "Amerika first nicht Amerika allein". Jedes Land, das unterwürfig "America first" unterstützt, darf sich dem Paranoiden Narzisten gerne anschließen !!!
gandhiforever 26.01.2018
3. Schoen bloed
Dass Trump einsieht, ohne Partner seine "America-First"-Politik nicht realisieren zu koennen, ist schon einmal etwas. Wenn man aber weiss, was "fair und frei" in seinen Augen bedeuten, dann muessten andere Staaten bzw. dereren Regierungen, schoen bloed sein, auf so etwas einzugehen. Fair ist laut Trump internationaler Handel dann, wenn er bei Marktnachteilen auf US-Seite protektionistisch gehandhabt wird. Frei ist laut Trump internationaler Handel dann, wenn die US-Seite bei Marktvorteilen diese rigoros wahrnehmen kann.
hansvonderwelt 26.01.2018
4. "Ich hör es wohl,doch fehlt mir der Glaube"
Hätte mir mehr Kritik der Teilnehmer des Forums an Trump gewünscht ! Die Konfrontation mit den Konsequenzen dieser Politik.Auch lautstarker Protest .der Zuhörer.Couragiert war das alles nicht !
dweik01 26.01.2018
5. Da könnte jetzt Europa mal beweisen...
... gemeinschaftlich aufzutreten und Herrn Trump mitteilen, daß Europa für die Politik Trumps nicht als Partner zur Verfügung steht. Wenn Herr Macron und vor allem Frau Merkel nicht nur leere Worte, sondern auch eine Strategie haben, endlich mal ihre politischen Hausaufgaben machen (Merkel wohl eher nicht) und alle einbinden, könnte da was gehen. Leider hat Merkel zuvor alle anderen Europäer mit ihrer etwas selbstherrlichen Entscheidung zum Thema Flüchtlinge überfahren. Das hängt jetzt nicht nur ihr sondern uns allen nach. Ob sie eine Strategie oder gar einen Plan hat das zu reparieren, ohne die Geldbörse zu ziehen? Es ist höchste Zeit für einen europäischen Neuanfang. Das geht aber nur ohne Merkel!
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