Trumps Mauer Mexiko ruft Bauunternehmen zum Boykott auf

Für den Bau der Mauer an der Grenze zwischen den USA und Mexiko haben sich auch mexikanische Bauunternehmen beworben. Jetzt rief der Außenminister sie auf, ihre Angebote zurückzuziehen.

Zaun an der Grenze zwischen den USA und Mexiko in Arizona
AP

Zaun an der Grenze zwischen den USA und Mexiko in Arizona


Die mexikanische Regierung hat Unternehmen dazu aufgerufen, sich nicht länger an der Projekt-Ausschreibung für den Bau der Mauer an der Grenze zu den USA zu beteiligen. Mexikos Außenminister Luis Videgaray appellierte an die Unternehmen seines Landes, ihre Entscheidungen zu überdenken. "Alle Unternehmen, die hier eine wirtschaftliche Chance sehen, sollten ihr Gewissen überprüfen. Wir sprechen beim Bau der Mauer nicht über Ökonomie, sondern über einen zutiefst unfreundlichen Akt zwischen zwei Nationen", sagte Videgaray.

US-Präsident Donald Trump will mit der Mauer Drogenschmuggler und illegale Einwanderer stoppen, es gibt bereits konkrete Vorstellungen, wie die Mauer aussehen soll. Imposant soll sie sein, zwischen 18 und 30 Fuß (5,40 bis 9,10 Meter) hoch und für Menschen unüberwindbar. Auf der US-Seite soll die Farbgebung "ästhetisch ansprechend" sein. Baufirmen haben nun bis Ende März Zeit, ihre Vorschläge einzureichen.

Tatsächlich gibt es laut der "Financial Times" einige große Unternehmen aus Mexiko, die sich am Bau der Mauer beteiligen wollen, denn die US-Behörden sind bereit, viel Geld zu zahlen. Laut Bauplan wollen die Planer einen Stundenlohn von 10,20 US-Dollar zahlen - mehr als doppelt so viel wie der derzeitige Mindestlohn in Mexiko.

Zu den Interessenten auf mexikanischer Seite gehört etwa der LED-Hersteller Ecovelocity mit Sitz in Mexiko-Stadt, oder der Zementhersteller Cementos de Chihuahua. Roelio Zambrano, Chef des größten mexikanischen Bauunternehmens Cemex, zog zuletzt viel Kritik auf sich, als er einem Reporter sagte, er würde ein Angebot abgeben: "Wenn uns jemand um einen Kostenvoranschlag bittet, machen wir das gerne."

Indes haben die mexikanischen Unternehmen wohl kaum eine Chance, die Ausschreibung für sich zu gewinnen. Denn die US-Behörden haben angekündigt, Baumaterialien zu bevorzugen, die aus den USA stammen. Getreu Trumps Motto: "Amerika zuerst."

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ackergold 20.03.2017
1.
Das Angebot mit einem doppelten Stundenlohn klingt verlockend. Aber man sollte sich seitens der mexikanischen Unternehmen auch absolut bewußt sein, dass Trump die Bezahlung durch Mexiko durchdrücken will und wenn dort Mexikaner auf US-Boden arbeiten, dann wird er wohl die Zahlung verweigern und die mexikanischen Unternehmen werden auf dem hohen Stundenlohn sitzenbleiben. Trump ist es zuzutrauen, dass er die Bezahlung der Mauer - wie im Wahlkampf angekündigt - eben NICHT übernehmen will. Deshalb empfehle ich persönlich bei solch unsicheren Aufträgen stets Vorkasse. Erst zahlen, dann bauen. Alles andere wäre sehr gewagt.
Kradfahrer 20.03.2017
2. Humorlos
Realistisch betrachtet haben die mexikanischen Baufirmen sowieso keine Chance, den Auftrag zu bekommen. America first bedeutet eben auch, dass amerikanische Baufirmen vorne in der Reihe stehen. Ganz weit vorne, dann kommt eine Weile nichts und dann wieder amerikanische Baufirmen. Insofern ist die Bewerbung mexikanischer Baufirmen um den Auftrag eine durchaus humorvolle Aktion, um dem Trumpeltier den Spiegel vorzuhalten. Durchaus eine Mischung aus Till Eulenspiegel und Seyfried. Mir gefällt das, auch wenn ich befürchte, dass der Adressat nicht über die nötige Intelligenz verfügt, um die Botschaft zu verstehen. Aus diesem Grunde erachte ich die Reaktion der mexikanischen Politik für äußerst humorlos. Die schmeißen ein Pfund weg, mit dem sich propagandistisch auf humorvolle Weise richtig wuchern ließe.
gammoncrack 20.03.2017
3. Ich fände es gut, wenn
die Mexikaner die Mauer bauen würden. Das nenne ich Arbeitnehmerunterstützung. Eine Mauer wird schließlich beidseitig bearbeitet. Vielleicht die letzte Chance, es sich auf der anderen Seite gut gehen zu lassen. Aber Trump wird den Vertrag schon richtig ausgestalten: "Ihr dürft nur an der mexikanischen Seite mauern..."
bronck 20.03.2017
4. Hmm
Man könnte fast meinen, dass die mexikanische Regierung bewusst weiter möglichst viele Illegale in den USA sehen - und so seine eigene Unterschicht "entsorgen" - möchte. Oder warum wehrt man sich dort mit Händen und Füßen gegen diese Mauer?
hartwig2 20.03.2017
5.
Es ist schon verwunderlich. Da baut Clinton die Mauer zu Mexiko, beginnt diese jedenfalls, 1000 km stehen ja schon. Und es ist schon witzig, wenn ARD Reporter neben dieser Mauer stehen und einen Beitrag machen , das dieser böse Trump eine Mauer zu Mexiko bauen will. Bush jun. Obama alle letzteren Präsidenten haben schon an dieser Grenze rumgebastelt, aber Trump ist jetzt der Idiot. Es fragt sich, warum Mexiko so erbost ist? Weil die eigenen Bürger dann gar nicht mehr illegal über die Grenze kommen, oder weil der Drogentransport erschwert wird? Anders ist es doch nicht zu erklären, die Millionen Saisonarbeiter die jedes Jahr über die Grenze hüpfen, scheinen der eigenen Wirtschaft wohl nicht zu fehlen.
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