Trumps Personalpolitik Das Bock-zum-Gärtner-Prinzip

Peter Wright arbeitete als Firmenanwalt von Dow Chemical, nun wechselt er zur US-Umweltbehörde - und wird also zum Chefmanager für Umweltkatastrophen. Es ist nur die jüngste vieler fragwürdiger Personalentscheidungen von Donald Trump.

Donald Trump
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Immerhin: Peter C. Wright dürften gewisse Insider-Kenntnisse nicht abzusprechen sein. Seit 1999 ist Wright Firmenanwalt für Dow Chemical, dem inzwischen weltgrößten Chemiekonzern. Künftig soll er eine leitende Stelle bei der staatlichen US-Umweltbehörde EPA bekleiden - als oberster Notfallmanager etwa bei Chemieunfällen, Ölverschmutzungen und anderen Umweltkatastrophen sowie Aufseher bei der Dekontamination der dadurch schwer verseuchten Gebiete.

Am Freitag hat US-Präsident Donald Trump den Chemieindustrie-Insider für den Posten nominiert, wie das Weiße Haus bekanntgab. Jener Trump, der in seinem Wahlkampf mit dem Versprechen punktete, "den Sumpf trockenlegen" zu wollen - also die enge Verflechtung von Lobbyisten und Politik in Washington zu bekämpfen. Doch mit der Nominierung Wrights verfolgt Trump offenbar die Strategie, beim Trockenlegen des Sumpfs ausgerechnet die Frösche zu fragen, wie man das wohl am besten anstellt.

Wright war bei Dow nämlich unter anderem geschäftsführender Justiziar für den Bereich Umwelt, Gesundheit und Sicherheit. Dow ist der Konzern, der - so eine Auswertung der Nachrichtenagentur AP - gemeinsam mit dem im vergangenen Jahr übernommenen Konzern Dupont für mehr als hundert der am schlimmsten verseuchten Gebiete der USA verantwortlich ist, deren Dekontamination Wright nun beaufsichtigen soll.

Es ist nur die jüngste von vielen Personalentscheidungen Trumps, die in dieser Hinsicht fragwürdig sind - vom Kohlelobbyisten, der nun als Vizechef der EPA die Kohleindustrie überwacht bis hin zur Chefin der Gesundheitsbehörde, die nach ihrem Amtsantritt Tabak-Aktien kaufte. Kein Wunder, dass viele von ihnen nicht ins Amt kamen oder nicht mehr im Amt sind.

Eine Auswahl:


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Scott Pruitt - Klimawandel-Skeptiker als oberster Umweltschützer


Als Chefankläger des Bundesstaates Oklahoma - in dem die Kohleindustrie eine wichtige Rolle spielt - bekämpfte Pruitt die US-Umweltbehörde EPA mit Inbrunst. Die Initiative des früheren Präsidenten Barack Obama für saubere Kraftwerke bezeichnete er als "Krieg gegen die Kohle". Und dass Kohlendioxid für die Erderwärmung hauptverantwortlich ist, bezweifelt Pruitt stark.

Mit diesem Profil schien Pruitt dem Präsidenten offenbar bestens geeignet für das Amt des EPA-Chefs, als des obersten staatlichen Umweltschützers der USA. Die Nominierung des Chemie-Anwalts Wright kommentierte Pruitt übrigens so: "Er hat die Sachkenntnis und die Erfahrung, die notwendig sind, um unsere ehrgeizigen Ziele für die schnelle und gründliche Säuberung der kontaminierten Gebiete umzusetzen."

Im November 2017 verkündete Pruitt, kritische Wissenschaftler aus dem Beratergremium der EPA ausschließen zu wollen - konkret vor allem solche, die öffentliche Aufträge erhalten hatten. Forscher, die Gelder aus der Industrie erhalten, dürfen hingegen bleiben.


Andrew Wheeler - Kohlelobbyist soll Kohleindustrie kontrollieren


Die Nummer zwei hinter Pruitt bei der EPA soll nach dem Willen Trumps Andrew Wheeler werden - ein Anwalt und langjähriger Kohlelobbyist. Er kämpfte für fossile Energien und gegen gesetzliche Begrenzungen des Kohlendioxid-Ausstoßes. Allerdings war seine Nominierung selbst dem republikanisch dominierten US-Senat suspekt. Er verweigerte Wheeler Anfang Januar die Bestätigung.


Reuters/Centers for Disease Control

Brenda Fitzgerald - oberste Gesundheitsschützerin und Tabak-Aktionärin


Im Juli 2017 wurde Brenda Fitzgerald Chefin der Centers for Disease Control and Prevention (CDC), also die oberste Gesundheitsschützerin der USA. Nach ihrem Amtsantritt investierte sie privat in ein paar Unternehmen - unter anderem in Japan Tobacco, einem der größten Tabakkonzerne der Welt, sowie in die Pharmaunternehmen Merck & Co. sowie Bayer.

Zwar verkaufte sie im Oktober die Aktien der Tabakindustrie, doch als ihre Investments im Januar 2018 öffentlich wurden, war sie nicht mehr zu halten - sie trat zurück.


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Mick Mulvaney - Gegner seiner eigenen Verbraucherschutz-Behörde


Im November 2017 setzte Trump - letztlich vor Gericht - durch, dass sein Haushaltsdirektor Mick Mulvaney zum kommissarischen Leiter der Behörde ernannt wurde, die Verbraucher bei Finanzgeschäften vor missbräuchlichen Praktiken schützen soll. Eine Behörde, die Trumps Vorgänger Obama nach der Finanzkrise eingerichtet hatte und die den Ruf hat, seitdem den Verbraucherschutz im Finanzbereich effektiv verstärkt zu haben.

Mulvaney allerdings hatte die Behörde vor seiner Ernennung in einem Interview als "kranken schlechten Witz" bezeichnet. Er steht für die Lockerung der Regeln für Banken. Es wird erwartet, dass er nun die Kontrolle der Finanzindustrie abschwächen wird.


Trump, Vize Pence, Kandidat Puzder
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Trump, Vize Pence, Kandidat Puzder

Andrew Puzder - Mindestlohngegner als Arbeitsminister


Puzder ist Chef des US-Fastfood-Konzerns CKE, zu dem mehrere Restaurantketten gehören und der etwa 75.000 Mitarbeiter hat. In dieser Funktion hatte sich Puzder unter anderem deutlich gegen den Mindestlohn ausgesprochen - und zwar nicht deshalb, weil dieser etwa Arbeitsplätze kosten würde, sondern weil er die Produktivität der Unternehmen beschneide.

Für Präsident Trump war diese Haltung offenbar gut mit dem Amt zu vereinbaren, das er für Puzder vorgesehen hatte: das des US-Arbeitsministers. Daraus wurde jedoch nichts, weil Puzder seinen Verzicht erklärte - kurz bevor er aller Wahrscheinlichkeit nach vom US-Senat abgelehnt worden wäre. Nicht weniger als zwölf republikanische Senatoren sollen ihm die Gefolgschaft verweigert haben - letztlich wohl deshalb, weil er eine Immigrantin ohne Einwanderungserlaubnis als Haushälterin beschäftigt hatte.

insgesamt 77 Beiträge
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JerryKraut 03.03.2018
1. Das ist doch die logische Konsequenz davon
wenn "demokratischer" Prozess (Trump hatte meines Wissens nicht die Mehrheit der Wählerstimmen - but hey, this is America!) den Oberbock zum Obergärtner macht. Trump ist business man und so handeln doch viele Top-Leute in der Geschäftswelt, will sagen "recruitment in their own image".
Eddy_Duane 03.03.2018
2.
Hoffentlich lebe ich noch zehn, zwanzig Jahren, denn mich interessiert jetzt schon, wie die "Geschichte" diese Präsidentschaft bewertet, wie manche sie glorifizieren wird, andere (die mit gesundem Menschenverstand?) ratlos mit dem Kopf schütteln. Entwickelt sich der Mensch ernsthaft Richtung Doofheit? Und ist das eventuell sogar so gewollt? Fragen über Fragen.
draco2007 03.03.2018
3.
Mal abgesehen von dieser Geschichte, finde ich es sehr bedenklich, dass Donald Trump extrem viele Positionen unbesetzt lässt. Auf der ganzen Welt fehlen die Botschafter und das in wichtigen Ländern, wie Saudi Arabien, Süd Korea (!) und vielen anderen. Und die Aussage Trumps zu der Nummer "es gibt nur einen der wichtig ist und das bin ich"...(Dazu gibt es Videoaufnahmen) Vor der Wahl meinte er noch "I have the best people in the world". Interessant wäre die Frage nach dem Warum. Entweder ist Trump wirklich narzistisch genug um zu glauben er kann ALLES allein, oder niemand will sich seinen Ruf mit Trump verbrennen oder aber Trump ist einfach zu faul sich darum zu kümmern (bei seinem Tagesplan ist zwischen Golfen und Fox News kaum Zeit)
r20110107 03.03.2018
4. Herr Diekmann, Trump ist nur konsequent...
Trump möchte am liebsten z. B. die EPA bzw. Teile davon abschaffen. Da holt man sich doch jemanden aus der Kohlbranche oder der Chemiebranche...usw. Das Bock-zum-Gärtner-Prinzip setzt Trump in seinem Sinn ganz und für fast jeden erkennbar gezielt um! So werden die Behörden geschwächt bis überflüssig. Sie haben es nur nicht bemerkt und keine mochte es Ihnen sagen....
willibaldus 03.03.2018
5.
Wir teleportieren DC in die Okefenokees. Im Ernst, selbst den Republikanern sind viele der Personalien suspekt, die von Trump kommen. Die Lobbyisten an den Schaltstellen der Behörden, klasse. Bock zum Gärtner scheint das Prinzip zu sein.
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