Handelsstreit zwischen USA und EU Whiskey sauer

Es wird ernst im Handelsstreit: Die EU verhängt ab 1. Juli Vergeltungszölle gegen die USA. Betroffen ist auch die Bourbon-Branche in Kentucky. Der Widerstand gegen Trump wächst - auch in der eigenen Partei.

Whiskey-Fässer
AP/dpa

Whiskey-Fässer

Von , New York


Sie nennen es den "Bourbon-Boom": Mehr als eine Milliarde Dollar hat Louisville, die Geburtsstätte des amerikanischen Whiskeys, in seine historischen Destillerien investiert, um Produktion und Exporte anzukurbeln und trinkfeste Touristen anzulocken. Die größte Stadt des US-Bundesstaats Kentucky, so schwärmt "Forbes", erlebe eine "feuchtfröhliche Wiedergeburt".

Doch die ist nun bedroht - dank US-Präsident Donald Trumps Handelsstreit mit Europa. Denn als Vergeltung für Trumps Stahlzölle legte die EU am Mittwoch Vergeltungsabgaben fest, wirksam ab dem 1. Juli. Unter den betroffenen US-Produkten ist neben Orangensaft, Tabak, Jeans und Motorrädern auch Bourbon.

Kein Wunder, dass die Bourbon-Brenner jetzt am lautesten protestierten. 2017 exportierten die USA Spirituosen im Wert von fast 790 Millionen Dollar in die EU, davon entfielen 154 Millionen Dollar auf Kentucky Bourbon. Der Handelsstreit bedrohe eine ganze Industrie und schade den US-Verbrauchern, protestierte der Destillerie-Fachverband. "Ich hoffe, dass dieser Konflikt schnell beigelegt wird", klagte auch Greg Fisher, der Bürgermeister der Bourbon-Hauptstadt Louisville.

Was ist die G7?
    1975 gründete sich zunächst die "Gruppe der Sechs" mit den USA, Japan, Deutschland, Frankreich, Italien und Großbritannien. Kurz darauf stieß Kanada als siebtes Mitglied dazu. Wichtigster Punkt bei den Zusammenkünften waren gemeinsame Wirtschaftsinteressen, nachdem die Industrieländer 1973/74 unter dem ersten Ölpreisschock gelitten hatten.
    1998 wurde aus der G7 die G8, Russland kam hinzu. 2014 wurde Moskau nach der völkerrechtswidrigen Annexion der Krim wieder ausgeschlossen.
    Die G7 ist eine Art Mutter der G20: Alle G7-Staaten sind auch Mitglied der G20, die nach der Finanzkrise Ende der Neunzigerjahre in Asien zusammenkam.

Kentucky ist übrigens tiefstes Trump-Territorium: 62,5 Prozent der Wähler stimmten bei den US-Präsidentschaftswahlen für den Kandidaten der Republikaner. Auch das, orakeln Insider, könnte sich bald ändern - aufgrund seiner Starrköpfigkeit.

Die USA erheben seit dem 1. Juni 25 Prozent Zoll auf Stahl- sowie zehn Prozent auf Aluminium-Importe. Trump lässt zudem auch Zölle auf europäische Autos und Autoteile prüfen, was vor allem die deutschen Hersteller treffen würde.

Bisher hatten in den USA viele geglaubt, Trumps Drohungen seien - wie so oft - nur heiße Luft. Doch dass die EU und andere von Trump drangsalierte Handelspartner jetzt tatsächlich ernst machen mit Vergeltungszöllen, schockiert nun nicht nur Trumps ländliche Basis, die davon am schwersten betroffen ist. Die Einsicht, dass Trumps Zollmanöver nach hinten losgehen könnten, sickert langsam überall durch.

Trump wird gewarnt

Finanzminister Steven Mnuchin soll hinter den Kulissen versucht haben, Trump zu überreden, zumindest den nördlichen Nachbarn Kanada von den Zöllen auszunehmen. Trumps Wirtschaftsberater Larry Kudlow verwies am Mittwoch nonchalant auf das G7-Treffen Ende der Woche: "Wie Sie sich vorstellen können, wird es dabei Diskussionen über den Handel geben."

Immer mehr Industrieverbände, Handelskammern und Wall-Street-Experten warnen vor den Auswirkungen auf die US-Wirtschaft. Der Business Roundtable, eine Gruppe von Konzernchefs, hat errechnet, dass für jeden Arbeitsplatz in der Stahlbranche, der so neu geschaffen würde, anderswo 18 Stellen verloren gingen - darunter in Trump-Staaten wie Michigan, Ohio, Pennsylvania und Wisconsin.

Schlagkräftiger könnte jedoch der Widerstand der Milliardärsbrüder Charles und David Koch sein: Die beiden Top-Parteispender der Republikaner kündigten diese Woche eine über mehrere Jahre konzipierte PR-Kampagne gegen Trumps Zölle und für den freien Handel an. Auch fordern sie die Beibehaltung des Freihandelsabkommens Nafta mit Mexiko und Kanada, das Trump neu - und nun mit beiden Staaten getrennt - verhandeln will, sowie eine Wiederaufnahme der von Trump aufgekündigten Verhandlungen zur Transpazifischen Partnerschaft (TPP): "Handel befreit die Menschen aus der Armut und verbessert das Leben."

So mucken denn auch in Washington inzwischen immer mehr Republikaner auf. Am Mittwoch brachten mehrere Senatoren ein Gesetz ins Gespräch, das Trump verpflichten würde, jeden Vorschlag zur Verhängung von Importzöllen im Interesse der nationalen Sicherheit dem Kongress vorzulegen. Das Vorhaben wird von sechs Republikanern und vier Demokraten unterstützt. Trump habe in einem Telefonat seine Missbilligung ausgedrückt, sagte der republikanische Senator Bob Corker dem Sender CNN. "Er ist nicht glücklich über diese Initiative."

Ob das Vorhaben vom Kongress gebilligt wird, ist allerdings fraglich. Corker sagte zwar, die "große Mehrheit" der Republikaner stehe hinter den Plänen, die Verhängung der Strafzölle einzuschränken. Die Führung der Republikaner und die konservative Basis schrecken allerdings davor zurück, Trump auf legislativer Ebene herauszufordern, insbesondere angesichts der im November anstehenden Kongresswahlen.

Was daraus wird, entscheidet am Ende Mitch McConnell, der Mehrheitsführer im Senat. Der Hoffnungsschimmer der Zollgegner: McConnell vertritt im Oberhaus den Staat Kentucky.

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thrifter 07.06.2018
1. Gäähhn...
Seit über einem Jahr sehen wir den Herren Pitzke & Nelles zu, wie sie mit gleichbleibender Erfolglosigkeit versuchen, den "Widerstand gegen Trump" herbeizuschreiben. Wird das eigentlich nicht langsam langweilig?
observerlbg 07.06.2018
2. Ich habe da ein beklemmendes Gefühl....
Geht es nur mir so? Wurde DT gezielt eingesetzt, um den Westen zu schwächen, besonders die USA selbst? Und wer könnte dahinter stecken? Es kann doch unmöglich sein, dass die US.-Administration wirklich so dumm ist, alles das auszuhebeln, was die USA in den letzten hundert Jahren so erfolgreich gemacht hat, z.B. den freien Welthandel.
cyberpommez 07.06.2018
3. oha
Handeln befreit die Menschen aus Armut und sorgt für ein besseres Leben? Seit wann? Ich glaube das sehen x Millionen Asiaten und Afrikaner anders. Allein China beutet 300 Millionen Sklaven aus um Handel zu gewährleisten. Afrikaner sterben für den Handel mit seltenen Erden und Uran und und und. Diese Aussage ist eine bodenlose Frechheit, denn Handel hat am Ende immer mehr Verlierer als Gewinner.
rskarin 07.06.2018
4. Extreme Trump-Territorien auszuwählen macht wenig Sinn!
Viel effektiver wäre es, Staaten auszuwählen, die nur knapp an Trump gegangen sind. Die zu verlieren sollte Trump am ehesten schmerzen. Wenn er in Kentucky 5% verliert, dann stellt Kentucky immer noch alle Trump-Wahlmänner.
Lemmingeforscher 07.06.2018
5. Wir lernen von China
Das ist mal eine wirklich gute Nachricht: wir lernen von China nicht mit der großen Kohle zurück zu schlagen sondern genau diese Branchen hart zu treffen, welche zu den Stamm WLAN von Trump gehören. Es braucht kein CIA Um Präsidenten aus dem Amt zu entfernen. Bei alldem Unsinn der in der EU so getrieben wird wie zum Beispiel ein unsägliches Datenschutz Gesetz ist das eine bemerkenswerte Leistung.
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