Trumps Handelsstreit mit China Der Spieler und die Strategen

Erst ein Durchbruch, dann doch wieder nicht: Im Handelsstreit zwischen den USA und China geht es hin und her. Peking hat erkannt, dass die US-Regierung zerstritten ist - und nutzt dies kühl aus.

Donald Trump, Xi Jinping (l.)
AP

Donald Trump, Xi Jinping (l.)

Von , New York


"Meine Art des Geschäftemachens ist ganz einfach", schrieb Donald Trump in seinem Bestseller "The Art of the Deal". "Manchmal gebe ich nach, aber meistens kriege ich, was ich haben will."

Das Buch von 1987 begründete den Mythos Trump. Heute weiß man: Trumps Talent als Geschäftemacher ist zumindest zweifelhaft, seine tollen Business-Weisheiten waren von einem Ghostwriter erfunden. Er hat allerdings ein Talent zur Selbstvermarktung, mit dem er es bis ins Weiße Haus schaffte.

Doch dort stößt Trumps Inszenierung nun an ihre Grenzen. Akutes Beispiel: der Handelsstreit mit China. Die Krise brach im März aus, als Trump Strafzölle auf chinesische Importe androhte, gefolgt von Gegendrohungen Pekings. Zwei hochrangige Gesprächskreise sollten verhindern, dass der Konflikt zu einem tatsächlichen Handelskrieg eskaliert.

Das letzte Treffen in Washington warf allerdings mehr Fragen auf, als es beantwortete. Es endete am Wochenende mit einem nichtssagenden Statement, gefolgt von widersprüchlichen Auftritten seiner Wirtschaftsberater. Trotzdem lobte sich der Präsident am Montag in Tweets für einen Durchbruch, den es so nicht gab.

Dilettantismus und interner Zank

Vielleicht ist das Verhandlungsstrategie. Wahrscheinlich jedoch haben Trump und sein Team die Chinesen unterschätzt. Die wiederum nutzten Dilettantismus, internen Zank und generelle Richtungslosigkeit bei den Amerikanern aus, um die jüngsten Verhandlungen zu blockieren. Trumps Leute versuchten nach Informationen mehrerer US-Medien zwar noch, die chinesische Delegation in letzter Minute auszutricksen: Chef-Wirtschaftsberater Larry Kudlow vermeldete voreilig, dass Peking bereit sei, US-Produkte im Wert von mindestens 200 Milliarden Dollar aufzukaufen, um so die Handelsungleichheit zu schmälern - eine Zahl, die angesprochen, doch nie beschlossen wurde.

China dementierte, Kudlow ruderte zurück, die Gespräche wurden vertagt. Die gemeinsame Erklärung, um die sie bis in die Nacht rangen, enthielt nur noch vage Absichtsbekundungen.

China will demnach vor allem mehr amerikanische Agrarprodukte und Energie als bisher importieren - was aber sowieso geplant war: "Um die inländische Nachfrage zu decken, muss China Energie, Futtermittel und Fleisch importieren", sagte Brad Setser vom Council on Foreign Relations der "Washington Post". So einen Deal hätte man "jedem US-Präsidenten angeboten".

Auch die Ankündigung Pekings vom Dienstag, die Importzölle auf Autos zu senken, löst den eigentlichen Konflikt nicht. Trump will erreichen, dass China seinen milliardenschweren Handelsüberschuss reduziert.

Dennoch setzen die USA im Gegenzug für die bisherigen Ankündigungen Chinas die angedrohten Strafzölle vorerst aus - was der Volksrepublik mehr nutzt als den USA und von den chinesischen Staatsmedien denn auch als größter Erfolg der Gespräche propagiert wurde: Die USA hätten einseitig eingewilligt, "keinen Handelskrieg zu beginnen". Auch alle anderen Reizthemen resultierten nur noch in schwammigen Floskeln.

Hier Taktik, dort Chaos

China spielt auf lange Sicht, während Trump kurzfristig agiert. Ihm geht es offenbar vielmehr um einen schnellen Sieg, um einen knackigen Slogan für den Kongresswahlkampf im Herbst - und womöglich sogar um persönliche Gegengeschäfte zugunsten seines eigenen Konzerns.

Wie chaotisch-unkoordiniert das US-Vorgehen ist, vor allem ohne informierte Führung aus dem Oval Office, zeigte schon die erste Runde Anfang Mai. Dazu reisten Kudlow, Finanzminister Steven Mnuchin, Handelsminister Wilbur Ross, der Handelsbeauftragte Robert Lighthizer und Trump-Berater Peter Navarro nach Peking. Durch die Delegation verlief eine Kluft, sinnbildlich für die gesamte Regierung: Auf der einen Seite Hardliner wie Navarro, die China kaltstellen wollen; auf der anderen Seite Traditionalisten wie der Ex-Banker Mnuchin. In Peking waren sie sich so uneins, dass sie sich nach US-Medienberichten öffentlich anbrüllten und Navarro vorübergehend ausgeschlossen wurde.

Das kam den Chinesen gelegen. Nach Angaben der "New York Times" hatten sie Mnuchin, der eine sanftere Gangart befürwortet, seit Monaten schon als ihren "Hauptansprechpartner kultiviert". Es klappte: In Peking habe er unter vier Augen mit dem chinesischen Chefunterhändler Liu He konferiert - was zu dem lautstarken Streit mit Navarro geführt habe.

Die Taktik aus "The Art of the Deal" entpuppt sich so auf bisher folgenschwerste Weise als Flop. Elf Schritte zum Erfolg zeichnete das Buch damals nach, von "Nicht kleckern, sondern klotzen" bis "Viel Spaß!". Den größten Spaß scheinen zurzeit jedoch die anderen zu haben.

insgesamt 32 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
karl-der-gaul 22.05.2018
1.
Sehr guter Bericht, genau was ich von Pitzke erwartet hatte. Trump ist ein unbeholfener Deal Macher.
frodosix 22.05.2018
2.
Man wird sehen wie lange der Amerikanische Wähler noch die "neuen Kleider" der nackten Regierung Trump preist.
jjcamera 22.05.2018
3. Überlegen
Xi Jinping und Putin sind Trump meilenweit überlegen - und das wissen sie. Während die beiden erfahrene und gut ausgebildete Staatsführer sind, die fest im Sattel sitzen, ist der Amerikaner ein eitler und psychisch instabiler Schwachkopf, dessen Reaktionen auf so gut wie alles vorhersehbar sind und der um seine politische Existent bangen muss.
bebreun 22.05.2018
4. Eine klare Linie wäre in der EU auch toll
Die EU wird in den Augen der Chinesen noch schlechter aussehen als die beschriebene USA. Der zerfallende Haufen egoistischer EU-Regierungen zeigt aktuell ein desaströses Bild und ist vor allem gegenüber den USA völlig zahnlos. Da lobe ich mir die klare Hand Chinas und erwarte, dass es unter seiner aktuelle Führung in kurzer Zeit die Weltmacht sowohl in wirtschaftlicher als auch in politischer Hinsicht sein wird. Auch wenn dort demokratische Werte noch nicht die Gültigkeit haben wie bei uns ist der Gegenpol zum imperialistischen Amerika unverzichtbar. Von der EU erwarte ich in dieser Hinsicht nichts.
seit1958 22.05.2018
5. Da in China seit
jeher eher in Zeiträumen von Generationen gedacht wird, bedeutet die Ära Trump für die chinesische Führung nicht mehr als ein lästiges, aussitzbares Übel. Die USA hat ihre einstige industrielle Kompetenz längst verloren und wird die Werkbank auch nie mehr aus China zurückholen können. Die letzte industrielle Bastion der US-Rüstungskonzerne wird sich ihre Kompetenz teuerst vom US Steuerzahler entlohnen lassen. Die KP Führung in Peking feixt sich was!
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2018
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.