Interessenkonflikte des Trump-Clans Herrschaft der Kleptokraten

Luxusreisen auf Staatskosten, Werbung für Privatgeschäfte, keine Trennung von Business und Politik: Donald Trump, seine Familie und Minister scheinen sich um Moral nicht zu scheren. Wer zockt wen ab? Der Überblick.

Donald Trump
AFP

Donald Trump

Von , New York


"Mein Leben lang war ich gierig, gierig, gierig", prahlte Donald Trump im US-Vorwahlkampf. "Ich schnappte mir so viel Geld, wie ich mir nur schnappen konnte. Aber jetzt will ich für die Vereinigten Staaten gierig sein."

Doch als Präsident ist Trump weiter entfernt denn je von seinem Schwur, Washingtons korrupten "Sumpf trockenzulegen". Im Gegenteil: Trumps Amtszeit ist von haarsträubenden Interessenkonflikten geprägt und kann schon jetzt als eine der unmoralischsten in der US-Geschichte gelten.

Angesichts der vielen anderen Skandale bleibt das jedoch weitgehend unbeachtet. Als jetzt etwa bekannt wurde, dass Trumps Tochter Ivanka und ihr Mann Jared Kushner voriges Jahr "nebenher" 82 Millionen Dollar verdienten, während sie im Weißen Haus tätig waren, ging das schnell unter.

Trump und sein Zirkel bereichern sich schamlos - ohne zur Rechenschaft gezogen zu werden. Walter Shaub, der frühere Ethikbeauftragte der US-Regierung, vergleicht die Zustände mit einer "Infektion, die tiefer und tiefer in die Institutionen eindringt, die die Demokratie beschützen und Korruption verhindern sollen".

Hier die Interessenkonflikte der Trumps im - unvollständigen - Überblick.

1. DONALD TRUMP

Die Stiftung

Trump mit Sohn Eric
REUTERS

Trump mit Sohn Eric

Trumps Interessenkonflikte waren schon im Wahlkampf eklatant. So versuchten Vertreter seines Konzerns und seines Wahlkampfteams, den Bau eines Trump Towers in Moskau zu arrangieren. Die New Yorker Justiz klagte Trump selbst - sowie seine ältesten Söhne und Tochter Ivanka - jetzt an, auch die gemeinnützige Trump-Stiftung für private wie politische Zwecke missbraucht zu haben: Trump habe mindestens 2,8 Millionen Dollar Stiftungsgelder für Eigenbedarf umgeleitet. So habe er damit Wahlkampfveranstaltungen finanziert, juristische Ansprüche abgegolten und für 10.000 Dollar ein Ölporträt von ihm gekauft, das in einem seiner Golfklubs aufgehängt wurde.

Trump International Hotel

Trump International Hotel
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Trump International Hotel

Eigentümer des Fünf-Sterne-Hotels unweit des Weißen Hauses ist die US-Regierung, die es an die Trump Organization verpachtet hat - Trump ist also sein eigener Hausherr. Eigentlich hätte er sich zum Amtsantritt davon trennen müssen, um einer Passage der US-Verfassung Folge zu leisten, die es dem Präsidenten untersagt, Spenden und Geschenke aus dem Ausland anzunehmen. Doch bis heute sackt Trump über das Hotel Millionensummen ein, gerade auch dank vieler ausländischer Vertreter, die sich dort einmieten oder Events buchen. Einheimische Politiker und US-Ministerien haben das Hotel ebenfalls zu ihrem bevorzugten Treffpunkt gemacht. Neulich fanden sich da an einem Abend: Trump-Anwalt Rudy Giuliani, Fox-News-Star Laura Ingraham und Ex-Wahlkampfchef Corey Lewandowski. Zwei Bundesstaaten, eine Nichtregierungsorganisation (NGO) und 200 Kongressmitglieder haben Trump nun verklagt, um die Herausgabe von Finanzunterlagen zu erzwingen.

Mar-a-Lago

Mar-a-Lago
REUTERS

Mar-a-Lago

Trump hat seinen Privatklub in Florida zum "Winter White House" erklärt - ein reiner Marketing-Trick, denn Mar-a-Lago ist ein kommerzielles Unternehmen, keine Regierungsimmobilie: Gäste und Mitglieder zahlen hohe Summen an den Klub und damit an Trump, um sich dort mit dem Präsidenten sehen zu lassen. Der reiste seit seinem Amtsantritt bisher 18 Mal nach Palm Beach - mehr als einmal pro Monat. Jeder Trip kostete den US-Steuerzahler rund 3,6 Millionen Dollar. Auch empfängt Trump in Mar-a-Lago gern Staatsgäste wie Japans Premier Shinzo Abe. Im Sommer, wenn es in Florida zu heiß ist, weicht Trump auf einen anderen seiner US-Golfklubs aus, zum Beispiel Bedminster in New Jersey (zehn Trips). Insgesamt verbrachte Trump rund ein Drittel seiner Amtszeit in einem seiner Golfresorts - und jedesmal machten die TV-Sender für die Residenzen gratis Werbung.

Andere Trump-Projekte

Trump auf seinem Golfkurs in Schottland
Getty Images

Trump auf seinem Golfkurs in Schottland

Immer wieder nutzt Trump das Amt, um seine Hotel- und Golfprojekte zu propagieren. Mit Erfolg: Politische US-Gruppen - darunter Trumps eigene Wahlkampforganisation - gaben seit Ende 2016 fast 4,6 Millionen Dollar auf Trump-Liegenschaften aus. Bei seinem Treffen mit dem nordkoreanischen Diktator Kim Jong Un warb Trump sogar dafür, auch die dortigen Strände zu bebauen. Seine beiden ältesten Söhne und Tochter Ivanka trommeln ebenfalls im Ausland für Hotels, Luxustürme und Golfanlagen, etwa in China, Indien, Dubai, Taiwan und den Philippinen.

2. FAMILIE UND FREUNDE

Ivanka Trump und Jared Kushner

Jared Kushner und Ivanka Trump
AFP

Jared Kushner und Ivanka Trump

Trumps Tochter und Schwiegersohn sind seine Top-Berater. Zugleich profitieren sie von rund 200 externen Firmen - bei Jared Kushner meist Immobilien, bei Ivanka Trump vor allem ihre Modemarke und ein Anteil am Trump-Hotel in Washington. 2017 verdienten sie so mehr als 82 Millionen Dollar. Für Ivanka Trump kamen allein drei Millionen Dollar aus ihrem Geschäft mit Mode. China genehmigte ihrer Firma seit der Wahl 34 Patente - die letzten zur gleichen Zeit, als ihr Vater einen Deal einfädelte, um den chinesischen Telekommunikationskonzern ZTE von Sanktionen zu befreien. Unterdessen sicherte sich Kushner als Trumps Nahost-Beauftragter auch private Investitionen, etwa aus Israel. Außerdem warb er um Geldgeber für seinen Wolkenkratzer 666 Fifth Avenue. Nach jüngsten Informationen will der Immobilienkonzern Brookfield nun einsteigen. Dessen zweitgrößter Anteilseigner ist die Regierung von Katar.

Tom Barrack

Tom Barrack
AP

Tom Barrack

Der Investor ist einer von Trumps ältesten, besten Freunden. Als Organisator der Vereidigungsfeiern Trumps trommelte er 107 Millionen Dollar zusammen. Der Großteil stammte aus unbekannten Quellen und ging an Partner aus dem Dunstkreis Trumps weiter. Barrack - dessen Großeltern aus dem Libanon stammten - nutzte seine Nahost-Kontakte überdies, um Kushner bei dortigen Regierungsvertretern einzuführen. Seither flossen sieben Milliarden Dollar an neuen Investments in Barracks Firma. Nach Recherchen der "New York Times" kam ein Viertel davon aus Saudi-Arabien und den Arabischen Emiraten.

Elliott Broidy und George Nader

Die Finanziers und Geschäftspartner erhofften sich viel von ihrer Nähe zu Trump. So dienten sie sich nach AP-Informationen als Einflussnehmer zwischen dem Weißen Haus sowie Saudi-Arabien und den Arabischen Emiraten an. Im Gegenzug schielten sie auf Verträge von mehr als einer Milliarde Dollar. Broidy, der von 2005 bis 2008 Finanzchef der Republikaner war, stolperte jedoch über den Skandal um Trump-Anwalt Michael Cohen: Cohen zahlte nach Angaben des "Wall Street Journals" 1,6 Millionen Dollar Schweigegeld an ein Playmate, mit dem Broidy ein Verhältnis gehabt habe. Beide Männer sind vorbestraft, Broidy wegen Bestechung, Nader wegen Pädophilie.

3. DAS KABINETT

Scott Pruitt

Scott Pruitt
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Scott Pruitt

Der US-Umweltminister nutzt sein Amt am schamlosesten aus. Er fragte Firmen, die mit dem Ministerium zu tun haben, ob sie seine Frau Marlyn nicht einstellen könnten. Er mietete von einem Lobbyisten eine Wohnung für 50 Dollar pro Nacht. Er ließ sich von einer Mitarbeiterin eine Familienreise nach Kalifornien organisieren und eine Matratze aus dem Trump-Hotel besorgen. Er ließ sich in seinem Büro für 43.000 Dollar eine schallsichere Kammer bauen. Er fliegt - entgegen den Vorschriften - nur First Class. Er bestellte Füllfederhalter im Wert von 1560 Dollar und fährt gern mit Blaulicht zum Dinner.

Steve Mnuchin

Steve Mnuchin und Louise Linton
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Steve Mnuchin und Louise Linton

Auch der US-Finanzminister liebt Reisen auf Staatskosten. Nach Informationen der NGO "Citizens for Responsibility and Ethics" in Washington belaufen sich seine Reisekosten ("dienstlich wie privat") inzwischen auf mehr als eine Million Dollar zulasten der Steuerzahler, weil er lieber in luxuriösen Regierungsjets fliegt als in gewöhnlichen Airlines. Manchmal begleitet ihn seine Frau, die Schauspielerin Louise Linton - etwa im August 2017 nach Fort Knox. Offizieller Grund war eine Inspektion des US-Goldlagers, doch vom Dach des Bunkers bewunderten sie dann die Sonnenfinsternis. Linton schwärmte in einem Instagram-Post von der Reise: "Tolle Tagestour nach Kentucky!"

Ben Carson

Ben Carson
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Ben Carson

Der US-Bauminister stattete sein Büro mit einer neuen, exorbitanten Essgarnitur aus. Der Tisch mit Stühlen und einer Kommode - alles aus Mahagoni - kostete 31.000 Dollar. Als ihn ein Kongressausschuss dafür zur Rechenschaft zog, gab er seiner Frau Candy die Schuld: Sie habe das - seither umgetauschte Mobiliar - ausgesucht.

insgesamt 95 Beiträge
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Walther Nasskamp 16.06.2018
1. Oligarchie
Ist das in irgendeiner Form überraschend? In einem politischen System, in dem Wahlkampferfolge von finanziellen Großspenden abhängig sind, muss sich doch fast zwangsläufig Korruption ausbreiten. Die USA sind schon längst zu einer Oligarchie geworden. Der Unterschied zwischen Trump und früheren Präsidenten liegt alleine darin, dass bei Trump alles so offensichtlich ist und natürlich auch besonders kritisch betrachtet wird.
damalswarallesbesser 16.06.2018
2. War klar, nur darum geht es Trump.
Sich auf Kosten Dritter zu bereichern, war schon immer sein Lebensinhalt. Jetzt bleibt nur noch zu hoffen, dass diese "Eskapaden" auch in den USA die nötige Aufmerksamkeit finden, dann merkt hoffentlich auch der verbissenste "Trumpista", dass er ganz gepflegt hinters Licht geführt wird. Wie hieß es noch in dem Lied von Genesis "Jesus He Knows Me"? "Just do as i say, don't do as i do". Passt-
pavel1100 16.06.2018
3. Unglaublich
Korruption und Interessenkonflikte existieren wohl in jedem Land der Erde mehr oder weniger. Die USA wird aber wohl im Korruptionsindex seinen guten Platz (16) kaum mehr halten können und sich eher auf die Ebene Russlands (135) zubewegen. Danke Trump. Da kann ich nur sagen: "lock him up"
sir wilfried 16.06.2018
4. Hund beißt Mann
"Mann beißt Hund" wäre eine Schlagzeile. Aber umgekehrt? Welche Spitzenpolitiker nehmen sich nicht das Recht, über dem Gesetz zu stehen? Für John Kerry und seine Familie wurde in der Ukraine extra ein Putsch organisiert, in der Türkei wandert jeder ins Gefängnis, der die Bereicherung Erdogans und seiner Sippschaft ausplaudert. Ganz zu schweigen davon, was in den meisten afrikanischen Staaten abgeht. Westliche Wertegemeinschaft halt.
Atheist_Crusader 16.06.2018
5.
Erwähnenswert wäre noch, dass China jüngst - mitten im Handelsstreit - "zufällig" beschlossen hat, 500 Millionen in eines von Trumps Projekten in Indonesien zu investieren: https://www.nytimes.com/2018/05/15/world/asia/trump-hotel-china-indonesia.html Aber das sind natürlich nur wieder Fake News von den Linken die immer noch nicht drüber weggekommen sind, dass Shillary nicht Präsident geworden ist. Was gut ist, denn wenn diese Nachrichten der Wahrheit entsprächen, würden die Trump-Verteidiger entweder als dumme Schafe oder als kolossale Heuchler dastehen. Und das geht ja nicht.
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