Handelsstreit USA und EU steuern auf Showdown zu

Die G20-Staaten wollen Donald Trumps Strafzölle nicht verurteilen, ein Treffen der Finanzminister verlief ergebnislos. Damit bleiben im Handelsstreit nur noch drei Tage bis zur Eskalation.

G20-Finanzminister in Buenos Aires
AFP

G20-Finanzminister in Buenos Aires


Ab Freitag erheben die USA Strafzölle auf Stahl und Aluminium - und niemand scheint sie davon abhalten zu können. Jedenfalls nicht die G20-Staaten.

Bei ihrem Finanzministertreffen in Argentinien konnten sich die 20 führenden Wirtschaftsnationen der Welt nicht auf eine Verurteilung der US-Strafzölle verständigen. In ihrer Abschlusserklärung gingen sie nicht auf die Zölle ein, sondern bezeichneten den internationalen Handel lediglich in einer allgemeinen Formulierung als Wachstumslokomotive.

Protektionismus beim Namen zu nennen, vermieden die Finanzminister in ihrer gemeinsamen Erklärung.

G20 geben sich handzahm

Immerhin wurde die Abschlusserklärung des Hamburger G20-Gipfeltreffens vom Juli 2017 bekräftigt. Damals wurde betont, Protektionismus einschließlich aller unfairen Handelspraktiken sei zu bekämpfen, allerdings unter Anerkennung rechtmäßiger Handelsschutzinstrumente.

US-Präsident Donald Trump hatte wegen der weltweiten Überproduktion Strafzölle von 25 Prozent auf den Import von Stahl beschlossen, bei der Einfuhr von Aluminium in die USA werden 10 Prozent fällig.

Dennoch zeigten sich die G20 in Buenos Aires handzahm. "Wir sehen nicht, dass wir vor einem weltweiten Handelskrieg stehen", sagte Argentiniens Finanzminister Nicolás Dujovne. Die USA würden nur auf einem geringen Sektor ihres Außenhandels Strafzölle erheben.

Argentinien hatte von Deutschland Ende 2017 die G20-Präsidentschaft übernommen. Der nächste Gipfel der Staats- und Regierungschefs findet Ende November in Buenos Aires statt.

Merkel gibt Hoffnung nicht auf

Bundesfinanzminister Olaf Scholz (SPD) zeigte sich deutlich pessimistischer. Es gebe eine große Sorge, wenn es zu einer Eskalation käme und Handelskriege die Zukunft bestimmen würden, sagte er.

Kanzlerin Angela Merkel (CDU) hingegen äußerte am Dienstag immer noch die Hoffnung, dass es zu einer Verständigung mit der US-Seite kommen könnte. Sie hoffe, dass die EU ihrerseits keine zusätzlichen Zölle verhängen müsse.

EU-Handelskommissarin Cecilia Malmström und Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) waren bis Dienstag zu Gesprächen in Washington, um auf den letzten Metern noch zu verhindern, dass die US-Zölle am Freitag in Kraft treten. Eine Einigung wurde nicht erzielt - sie sei aber immer noch möglich, erklärte Altmaier unmittelbar vor seinem Rückflug.

Wie die Europäische Union ab Freitag reagieren wird, ist unklar. Die Staats- und Regierungschefs beraten am Donnerstag und Freitag über den Streit mit den USA. Ratspräsident Donald Tusk erklärte, die EU müsse sich auf alle denkbaren Szenarien einstellen.

Alle Hintergründe zum Dilemma der EU lesen Sie hier.

wal/dpa/Reuters



insgesamt 114 Beiträge
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oldman2016 20.03.2018
1. Wer bezahlt?
Die in den USA für den Export nach Europa produzierten Autos deutscher Autohersteller können nun teurer werden, wenn die deutschen Autobauer für den importierten Stahl ab Freitag 25 Prozent Zölle zahlen müssen und dadurch die Produktionskosten für deutsche Autos made in USA steigen.
vov 20.03.2018
2. Warum reduziert die EU nicht einige erhobene (Straf)Zölle
Was würde passieren, wenn die EU ihrerseits die (Straf)Zölle gegenüber den USA nicht erhöht, sondern reduziert???? Die (Straf)Zölle auf Agrarprodukte und Rindfleisch bei Einfuhr in die EU sind doch exorbitant hoch, oder irre ich mich? Wie im richtigen Leben -- geben und dann erst nehmen.
Newspeak 20.03.2018
3. ...
Ich verstehe die Logik hinter den Zoellen nicht. Koennen die USA denn ihren Stahlbedarf aus Eigenproduktion decken? Wenn nicht, dann muss so oder so Stahl importiert werden. Und auslaendische Unternehmen duerften die Zoelle einfach auf die Preise umrechnen. Am Ende verteuern sich aus Stahl gefertigte Produkte in den USA. Oder wo ist der Denkfehler? Eine Stahlindustrie baut man doch nicht ueber Nacht auf bzw. aus. Um echte Vorteile fuer die einheimische Stahlindustrie zu haben, muessten solche Zoelle jahre- bis jahrzehntelang Bestand haben.
Björn L 20.03.2018
4. Die Eskalation wird kommen
Und sie ist überfällig. Das stets leibringende Empire USA sorgt zwangsläufig für eine neue Weltordnung. Neue Allianzen werden sich auftun und die Einflußspähre der Amis sinkt. Dies kann man grundsätzlich als positiv erachten, auch wenn Andere diese Lücke zu füllen gedenken. Das familiengeführte "Weiße Haus" wird auf Basis von Stammtischparolen seinen unterbelichteten Wählern gerecht, die die Zeche noch nicht kommen sehen. Trump ist ein Segen für alle, die die Einflußspäre der USA herbei sehnen. Dies ist es wert, sich neu zu orientieren. Die USA sind kein Markt, der alleinbestimmend die Welt auf ihren Kurs eichen kann, besonders im Hinblick ihrer Schulden. Jetzt wird es spannend, auch wenn zu erwarten ist, dass diese durch Abwahl der Vollzeitschande zurück rundern werden. Bisdahin hat die Dynamik der Ereignisse sich selbst in Einklang gebracht. Klasse !! Hoffentlich koppelt sich der Ölpreis vom Dollar ab, dann wird es übel für die USA.
LvB 20.03.2018
5. Der Strick für den Kapitalismus
Ich hoffe sehr, dass es in diesem Handelsstreit zum Showdown kommt und endlich diese wahnsinnige Globalisierung des Welthandels einen empfindlichen Dämpfer erhält. In diesem Sinne wird mir Donald Trump als "Stricklieferant" (Lenin) für den Kapitalismus immer sympathischer.
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