Reaktionen auf US-Strafzölle "Abschottung ist ein absoluter Irrweg"

US-Stahlarbeiter und einzelne Politiker begrüßen Donald Trumps Einfuhrzölle auf Stahl und Aluminium. Doch Handelspartner und Experten weltweit warnen vor den Folgen. Reaktionen im Überblick.

REUTERS


Die Verhängung von US-Strafzöllen auf Stahl und Aluminium durch Präsident Donald Trump hat in zahlreichen Ländern scharfen Protest hervorgerufen. Auch Wirtschaftsvertreter und Ökonomen zeigten sich besorgt.

Reaktionen von Handelspartnern:

China nannte die Strafzölle einen "schweren Angriff" auf die internationale Handelsordnung. Das Handelsministerium kündigte in einer Mitteilung an, die Volksrepublik werde "wirksame Maßnahmen" ergreifen und seine legitimen Rechte und Interessen verteidigen.

Japan forderte, von den US-Zöllen auf Stahl- und Aluminiumimporte ausgenommen zu werden. Die japanischen Lieferungen stellten keine Gefahr für die nationale Sicherheit der USA dar und leisteten vielmehr einen Beitrag für die Beschäftigung und die Industrie in den Vereinigten Staaten, sagte Kabinettsminister Yoshihide Suga.

Auch die Europäische Union sollte nach Ansicht von EU-Handelskommissarin Cecilia Malmström von den Zöllen ausgenommen werden. "Die EU ist ein enger Verbündeter der USA", schrieb sie via Twitter. Sie wolle nun in den kommenden Tagen mehr Klarheit in der Sache erhalten. Am Samstag wolle sie mit dem US-Handelsbeauftragten Robert Lightizer in Brüssel sprechen.

Kanada und Mexiko werden von den Zöllen auf unbestimmte Zeit ausgenommen. Langfristig sollten sie aber nur befreit werden, wenn die USA im Gegenzug Zugeständnisse bei den Nachverhandlungen für das gemeinsame Freihandelsabkommen Nafta bekämen, kündigte Trump an. Kanadas Außenministerin Chrystia Freeland begrüßte die Ausnahmen als "richtiges Ergebnis". Sie sieht aber keinen Grund, dass sich die Arbeit an einer Modernisierung des Nafta-Handelsvertrags nun ändern sollte. Man werde weiter in den USA Druck machen, bis die Drohung mit Zöllen ganz vom Tisch sei.

Auch Mexiko will sich durch die Schonfrist bei den US-Schutzzöllen nicht unter Druck setzen lassen. Die Neuverhandlung des nordamerikanischen Freihandelsabkommens Nafta sollte fortgesetzt werden, unabhängig von den einstweiligen Ausnahmen bei den Zöllen, die Mexiko und Kanada eingeräumt worden seien, teilt das Wirtschaftsministerium mit.

Südkorea droht wegen der Schutzzölle die Welthandelsorganisation (WTO) einzuschalten. Die Regierung wolle aber weiter bei der US-Regierung eine Ausnahme von den Abgaben für Südkorea erreichen, teilte das Handelsministerium in Seoul mit.


Reaktionen von internationalen Organisationen und Wirtschaftsverbänden

Die Chefin des Internationalen Währungsfonds IWF, Christine Lagarde, befürchtet eine Eskalation an Retourkutschen nach den US-Schutzzöllen, die das geschäftliche Vertrauen und Investitionen untergrabe. Sie sei nicht besorgt wegen der wirtschaftlichen Auswirkungen, sondern weil dies weltweit Vergeltungsmaßnahmen auslösen könnte, sagt Lagarde in Washington.

Der Chef der Konferenz der Vereinten Nationen für Handel und Entwicklung (UNCTAD), Mukhisa Kituyi, sieht durch die amerikanischen Zölle ärmere Staaten getroffen. Sie seien zwar auch Opfer, aber nicht in der Lage, Vergeltung gegen die USA zu üben, sagt er.

Der Präsident der Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände (BDA), Ingo Kramer, warnte, US-Strafzölle würden der deutschen Wirtschaft erhebliche Absatzeinbußen bescheren. "In Zeiten des globalisierten und digitalisierten Wettbewerbs ist Abschottung ein absoluter Irrweg", sagte Kramer der "Rhein-Neckar-Zeitung".


Reaktionen von US-Politikern

Der ranghöchste Republikaner im Repräsentantenhaus, Paul Ryan, zeigte sich besorgt wegen möglicher "unbeabsichtigter Konsequenzen" der Entscheidung. Er werde die Regierung dazu drängen, die Maßnahmen enger zu fassen. "Ich bin mit diesem Handeln nicht einverstanden und fürchte ungewollte Folgen", sagte Ryan.

Der republikanische Senator Jeff Flake kündigt einen Gesetzentwurf an, um die Zölle aufzuheben. Dafür bräuchte es im Kongress aber eine Zweidrittelmehrheit.

Der Vorsitzende des Finanzausschusses in der Kongresskammer, Orrin Hatch, kritisierte die Maßnahmen und erklärte, er wolle der Regierung dabei helfen, "den Schaden zu begrenzen".

Der Mehrheitsführer im Senat, der Republikaner Mitch McConnell, kritisierte den Umfang der Zölle. Wie andere Kollegen in der Kongresskammer sei er besorgt, was deren "Auswirkungen auf amerikanische Bürger und ihre Unternehmen angeht".

Zustimmung bekam Trump von dem demokratischen Senator Joe Manchin aus West Virginia. Es sei "höchste Zeit, unsere Interessen, unsere Sicherheit und unsere Arbeiter in der globalisierten Wirtschaft zu verteidigen", sagte er. Genau das tue Trump mit den Zöllen.


Reaktionen von Volkswirten:

Commerzbank-Chefvolkswirt Jörg Krämer sprach sich für eine Senkung der europäischen Importzölle auf Autos aus. "Um einen Handelskrieg mit den USA zu vermeiden, sollte die EU ihre Autozölle von zehn Prozent auf die 2,5 Prozent senken, die die USA derzeit erheben", sagt Krämer der "Rheinischen Post". Vergeltungsmaßnahmen würden Trump nur dazu herausfordern, sich bei seinen Anhängern durch noch mehr Zölle zu profilieren.

"Handelskriege kennen nur Verlierer. Ein Handelskrieg mit den USA würde insbesondere exportorientierte Nationen wie Deutschland oder China empfindlich treffen", sagte der Chefvolkswirt der Landesbank Baden-Württemberg, Uwe Burkert. Doch die Importzölle könnten in den USA zu deutlich steigender Inflation führen, wovon insbesondere die Bezieher geringer Einkommen negativ betroffen wären.

"Jetzt kommt es auf eine besonnene Reaktion der Handelspartner an", sagte Thomas Gitzel, Chefvolkswirt der VP Bank. Er warnte vor einer Spirale aus Maßnahmen und Gegen-Maßnahmen. "In der EU sind selbst zahlreiche und umfangreiche Zölle in Kraft - übrigens mehr als in den USA. Wenn die EU-Kommission nun mit dem Finger auf die USA zeigt, ist dies nicht angebracht", sagte Gitzel. Er plädierte dafür, die Welthandelsorganisation WTO solle "als Vermittler und auch Richter" fungieren.

mmq/Reuters/dpa



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heinrichhaine 09.03.2018
1. Brötchen
Ich backe gerne auch mal kleinere Brötchen und schnalle meinen Gürtel etwas enger, wenn wir dafür die Eier Hose haben dem Trump dessen Grenzen aufzuzeigen. In Deutschland gibt es den Reflex bei politischen Entscheidungen immer erst mal aufs Geld, auf den Wohlstand zu schauen. Manchmal geht es auch einfach nur ums Prinzip - und ein Land kann sich auch anders als immer nur über seinen Wohlstand definieren. Wir könnten auch das kinder - oder familienfreundlichste Land der Erde sein, das umweltbewussteste...
static_noise 09.03.2018
2.
Warum reden alle nur über Wirtschaft? Ob Erdnussbutter oder deutsche Autos jetzt auch Zölle bekommen? Wieso sagt keiner deutlich, dass dies Wahlkampf ist? Es geht um Wahlen in Pennsylvania (13. März!!!) die Midterms im November und Anhänger im Rust Belt, dem kaputten ehemaligen Kohle und Stahl Revier der USA, ähnlich unserem Ruhrgebiet/Saarland, nur halt 1000 fach größer. Trump verspricht den Stahlkochern und Kohlekumpeln indirekt: Ich mache die ausländische Konkurrenz so teuer, dass ihr wieder zu alter 'Blüte' kommt. Natürlich kann er das, die Frage ist doch, welchen Sinn macht das gesellschaftlich? Autosteuern damit die Hufschmiede in Lohn und Brot sind? Was ikst denn die Konsequenz? Wenn der Rohstoff Stahl und Aluminium teurer wird, dann werden die Preise für Produkte daraus sowie für den Bau auch steigen. Der amerikanische Käufer wird es zahlen! Wir hätte die deutsche Kohleindustrie auch mit Zöllen schützen können und den Preis hoch halten damit wir mit den hohen Förderpreisen konkurrenzfähig bleiben, der Effekt wäre eine Verteureung von Strom, Stahl, Autos, Maschienenbau etc gewesen. Statt dessen haben wir Subvetioniert bis zur Schmerzgrenze um unseren Preis niedrig zu halten. Das hier soll weder Trump Bashing noch EU Bashing werden, aber WENN wir freien Handel wollen, dann müssen wir damit leben, dass jemand anderes auf der Welt einen Rohstoff, eine Ware eine Dienstleistung billiger anbietet und in Konkurenz tritt und unsere Wirtschaft in diesen Teilen stirbt weil sie nicht konkurrenzfähig ist. Das ist brutal und übel für ganze Landstriche, aber unabwendbare Tatsache wenn man sich darauf einlässt! Globalisierung NUR für Waren und Güter ist halt dumm, daran verdienen nur 'Händler'' niemals Kunden und niemals Hersteller. Entweder 'Globalisieren' wir auch unsere Standards (und exportieren Umweltschutz, Lohnniveau, Arbeitsbedingungen gleich mit um für vergleichbare Lebens- und Produktionsbediungungen zu sorgen) oder steigen aus und bezahlen halt einfach regional mehr als am Weltmarkt möglich ...
Europa! 09.03.2018
3. Small is beautiful
Es ist höchste Zeit, dass sich die Vertreter der Multis (und der Medien) daran gewöhnen, dass die gescholtene "Abschottung" durchaus eine Lösung sein kann. Die sogenannte "Globalisierung", das heißt der grenzenlose Transfer von Waren und Menschen rund um den Globus, ist eine entscheidende Ursache für das Unglück der Menschen, besonders auch in der Dritten Welt. "Freihandel" ist die Parole der Ausbeuter, die um des Profits willen alle kleinteiligen wirtschaftlichen und kulturellen Strukturen platt machen wollen. Das ist nicht gut für die Menschen und auch nicht gut für den Planeten.
Beat Adler 09.03.2018
4. Unsinn! Armut sinkt, auch in der 3. Welt!
Zitat von Europa!Es ist höchste Zeit, dass sich die Vertreter der Multis (und der Medien) daran gewöhnen, dass die gescholtene "Abschottung" durchaus eine Lösung sein kann. Die sogenannte "Globalisierung", das heißt der grenzenlose Transfer von Waren und Menschen rund um den Globus, ist eine entscheidende Ursache für das Unglück der Menschen, besonders auch in der Dritten Welt. "Freihandel" ist die Parole der Ausbeuter, die um des Profits willen alle kleinteiligen wirtschaftlichen und kulturellen Strukturen platt machen wollen. Das ist nicht gut für die Menschen und auch nicht gut für den Planeten.
Unsinn! Armut sinkt, auch in der 3. Welt! Milliarden von Menschen profitieren von der Globalisierung. Dazu gehoeren alle EU Buerger. Alle! Gut fuer den Planeten UNd die Menschen darauf ist ein Sinken der Armut, der Kindersterblichkeit, der Bevoelkerungswachstumsraten, eine Steigerung der Bildung und Ausbildung, besonders bei Maedchen und Frauen, der Gesundheit, der Lebenserwartung. Wie wuerde wohl die Welt OHNE Globalisierung aussehen? 30% Armut statt 10%? Kriege zwischen Staaten ohne Ende? mfG Beat
Fricklerzzz 09.03.2018
5. Schutzzölle schützen gut dotierte Arbeitsplätze
Die Globalisierung (Keine Schutzzölle) fördert schlecht bezahlte Arbeitsplätze. Wie Kommentar Nr.4 richtig sagt schafft die Globalisierung Arbeitsplätze, wo es vorher keine gab, aber nur deshalb, weil sie besonders schlecht bezahlt sind. Ohne die Schutzzölle gibt es viele schlecht bezahlte Arbeitsplätze, mit Schutzzöllen gibt es wenige aber gut bezahlte Arbeitsplätze. Das zeigt sich doch auch und besonders in Europa. Wachsen können nur die Beschäftigungszahlen im Niedriglohnsektor, weil ohne Schutzzölle jede Lohnerhöhung mit Abbau von Arbeitsplätzen und/oder Abwanderung ganzer Industrien verknüpft ist. Somit muss man bei dieser Geschichte erstmal wissen was man will. Ich präferiere einen gesunden Mix. Wir sollten die Globalisierung bremsen, auch mit Schutzzöllen, sonst wird hier bald garnichts mehr produziert und wir verlieren dann dadurch viel zu viel Know How, dem einzigen Kapital was wir hier haben, weil nichts so gut bildet wie qualifzierte Arbeit. Fricklerzzz
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