Trumps Steuerpläne Den Armen nehmen, den Reichen geben

Neueste Berechnungen belegen, wie Donald Trumps Steuerreform US-Unternehmen und Gutverdiener entlastet. Die unteren 40 Prozent zahlen langfristig mehr als heute.

Protest gegen Steuerreform vor dem Trump Tower in New York
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Protest gegen Steuerreform vor dem Trump Tower in New York

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Es scheint Donald Trumps erster politischer Erfolg zu werden, seit er im Januar das Amt des US-Präsidenten angetreten hat: Viel spricht dafür, dass der Kongress noch vor Weihnachten eine Steuerreform verabschieden wird. Nach der gescheiterten Abschaffung der Gesundheitsreform Obamacare dürfte es dem Präsidenten diesmal gelingen, ein Gesetzesvorhaben umzusetzen, das in seinem Wahlkampf eine zentrale Rolle spielte.

Doch viel spricht auch dafür, dass Trump das damit verbundene zentrale Versprechen aus dem Wahlkampf nicht einhalten wird, zumindest nicht auf Dauer: massive Entlastungen für US-amerikanische Mittelstandsfamilien. Das zeigen Berechnungen des liberalen Tax Policy Centers über die Verteilungswirkungen der Reform. Genauer gesagt: des aktuellsten Entwurfs der Reform.

Denn wie Trumps Steuerreform am Ende im Detail aussehen wird, ist noch offen. Auch in den USA gilt, dass kein Gesetz das Parlament so verlässt, wie es eingebracht wird - und hier sind es mit dem Repräsentantenhaus und dem Senat gleich zwei Kammern, die Änderungen vornehmen. Im Fall der Steuerreform haben beide Kammern zudem nicht nur Details korrigiert, sondern den Entwurf jeweils umfangreich umgeschrieben, bevor sie zustimmten. Das Repräsentantenhaus und der Senat müssen sich also noch auf einen Kompromiss ihrer beiden Entwürfe einigen.

Die Eckpunkte der US-Steuerreform stehen allerdings fest:

  • Die Unternehmenssteuern werden massiv gesenkt. Bislang müssen Kapitalgesellschaften 35 Prozent ihrer Gewinne an den Staat abführen. Künftig sollen es nur noch 20 bis 22 Prozent sein.
  • Eine einmalige Sonderregelung soll es für Gewinne geben, die US-Unternehmen bislang im Ausland parken. Statt bislang 35 Prozent sollen sie maximal 14,5 Prozent zahlen, wenn sie diese in ihre US-Heimat zurückfließen lassen.
  • Die Einkommensteuer für US-Bürger soll ebenfalls gesenkt werden - allerdings weit weniger umfangreich als die für Unternehmen. Wie das umgesetzt wird, ist noch offen: Das Repräsentantenhaus und Trump wollen die bislang sieben Steuerstufen auf vier reduzieren, aber die Sätze beibehalten; der Senat will es bei sieben Stufen belassen, aber die Sätze leicht absenken.

Doch gerade bei der Entlastung der US-Bürger ist Trumps rund 500 Seiten starker Entwurf alles andere als eindeutig: Künftig sollen Möglichkeiten wegfallen, andere Steuern von der Einkommensteuer abzusetzen, ebenso wie weitere Vergünstigungen. Einige Entlastungen sind zeitlich befristet und sollen im Jahr 2027 - also in jedem Fall nach Trumps Amtszeit - wegfallen.

Die Experten des Tax Policy Center (TPC) haben berechnet, wie sich die komplizierte Steuerreform auf verschiedene Einkommensgruppen auswirken wird. Für den derzeit aktuellsten Entwurf - den der US-Senat beschlossen hat - kommen sie zu einem eindeutigen Ergebnis: Am meisten profitieren US-Bürger mit hohen und sehr hohen Einkommen - und zwar nicht nur in absoluten Dollar-Beträgen, sondern auch, was den prozentualen Anstieg ihres Netto-Einkommens betrifft. (Hier finden Sie die Berechnungen des TPC.)

Bürger mit niedrigen Einkommen hingegen haben den geringsten Anstieg ihres Netto-Einkommens zu erwarten - und das auch nur in den ersten Jahren nach der Reform. Ab dem Jahr 2027 müssen die unteren 40 Prozent sogar mehr Steuern zahlen als nach dem bislang gültigen Recht. (Beim zweituntersten Fünftel ist die durchschnittliche Mehrbelastung allerdings so gering, dass sie sich in den gerundeten Prozentwerten nicht niederschlägt.)

Wie ausgeprägt die Umverteilung von unten nach oben im Jahr 2027 ausfallen würde, wird an einer anderen TPC-Berechnung noch deutlicher: Nimmt man die Gesamtsumme, um die alle Bürger entlastet werden, entfallen 62 Prozent davon auf das einkommensreichste ein Prozent der US-Bürger - im Schnitt bedeutet das für jeden in dieser Gruppe 26.880 Dollar Steuernachlass im Jahr. Auf die oberen 20 Prozent der Einkommensskala entfallen 91 Prozent der gesamten Steuersenkung - während für die unteren 40 Einkommensprozent die Steuern erhöht werden.

Theoretisch könnten jedoch auch Niedrigverdiener von Trumps Steuerreform profitieren - nämlich dann, wenn diese die Wirtschaft spürbar ankurbelt. Dann würden mehr Arbeitsplätze entstehen und die Löhne steigen, sodass die etwas höheren Steuerzahlungen zu verschmerzen wären. So argumentieren auch zahlreiche Unterstützer der Steuerreform.

Berechnungen des TPC stützen diese Argumentation jedoch nicht. Sie prognostizieren lediglich ein leicht höheres Wirtschaftswachstum im Vergleich zur jetzigen Gesetzeslage. Das gilt gerade langfristig: Im Jahr 2027 läge das Bruttoinlandsprodukt (BIP) demnach sogar auf dem gleichen Niveau wie ohne Steuerreform.

Das hätte auch Auswirkungen auf den Schuldenberg der USA. Vor allem die massiven Entlastungen für Unternehmen würden das Haushaltsdefizit in den kommenden zehn Jahren um geschätzte 1,5 Billionen Dollar erhöhen. Nur wenn die Steuerreform ein massives Wirtschaftswachstum auslöst, würde sie sich quasi selbst finanzieren. Das erscheint den Berechnungen zufolge wenig wahrscheinlich.

insgesamt 137 Beiträge
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Seite 1
Baks 09.12.2017
1. Das ist vielleicht ein Quark
Die, die keine Steuern zahlen, kann man auch keine Steuern erlassen. Sie versuchen doch ihre Leser in ihrem entsetzlichen Trump-Hass für dumm zu verkaufen.
dereuropaeer 09.12.2017
2.
Auch an der Steuerreform wird deutlich, daß Trump und seine Kumpane zu blöd sind die USA voranzubringen. Gute Nacht Amerika
kuac 09.12.2017
3.
Ich verstehe die Aufregung nicht. Wenn Trump genug Ausländer abgeschoben hat, dann bleibt doch in der Staatskasse viel mehr Geld übrig. Das kann man dann doch unter den armen US Amerikanern verteilen. So ähnlich war doch Trumps Wahlversprechen. Oder, habe ich das alles falsch verstanden?
citizen_k 09.12.2017
4. Das Prinzip „Agenda 2010“ auf amerikanisch.
Gerhard Schröder hat mit der Spitzensteuersatzsenkung von christdemokratischen 53 auf 42 Prozent, die eigentliche Klientel der Liberalen um 110.000 Euro pro verdienter Million entlastet. Bezahlt wird das ganze ebenfalls durch Einschnitte bei den unteren Einkommensbeziehern, Deckelung der Sozialbeiträge, Leistungskürzungen, Kontrahierungszwang bei blutsaugenden Arbeitnehmerverleihern und der Talfahrt der Renten. Der Trump ist ganz schön sozialdemokratisch.
franz.v.trotta 09.12.2017
5.
"Am meisten profitieren US-Bürger mit hohen und sehr hohen Einkommen..." -- Haben die US-Reformer das bei CDU und FDP abgekupfert?
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