US-Notenbank Donald Trump will Jerome Powell als neuen Fed-Chef

Jerome Powell soll neuer Chef der US-Notenbank werden. Seine Berufung gilt als Signal geldpolitischer Kontinuität: Er hat als Direktoriumsmitglied der Fed alle Entscheidungen der vergangenen Jahre mitgetragen.

Jerome Powell
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Jerome Powell


Jerome Powell soll neuer Chef der US-Notenbank Fed werden. US-Präsident Donald Trump gab die Nominierung des Republikaners für den Posten am Abend bekannt. Powell ist bisher der einzige Parteifreund des Präsidenten im Fed-Direktorium. Er gehört dem Gouverneursrat der Notenbank seit 2012 an.

Der Posten gilt als einflussreich. Die Federal Reserve Bank betreibt nicht nur abstrakte Geldpolitik. Sie beeinflusst die Wirtschaft, das Wachstum, die Märkte, die Börsen - weit über die USA hinaus: Die Fed weist dem Rest der globalen Finanzwelt die Richtung. Die Amtszeit der aktuellen Fed-Vorsitzenden Janet Yellen endet nach vier Jahren im Februar 2018. Die 71-Jährige stand grundsätzlich für eine Verlängerung bereit. Trump entschied sich aber für den 64-jährigen Powell.

Dennoch setzt der US-Präsident mit seiner Entscheidung auf ein hohes Maß an Kontinuität: Powell gilt als Anhänger einer Zinspolitik der moderaten Schritte. Beobachter erwarten, dass er die behutsame Zinspolitik Yellens fortsetzen wird. Trump hat deutlich gemacht, dass er sich niedrige Zinsen zur Stimulierung der US-Wirtschaft wünscht.

Powell stützt Yellens Zinskurs

Der frühere Finanzinvestor Powell handelte sich den Ruf einer "Taube" ein, weil er Yellens moderaten Zinskurs bei allen Abstimmungen im zuständigen Fed-Ausschuss unterstützte. Zugleich trug er auch die vorsichtige Reduzierung des riesigen Anleihekaufprogramms mit, mit dem die Notenbank in den Jahren seit der Finanzkrise von 2008 die US-Wirtschaft gestützt hat.

Auch wenn Powell für Kontinuität steht, bricht Trump doch mit einem jahrzehntelangen Usus. Denn üblicherweise belassen die US-Präsidenten die von ihrem Vorgänger ernannten Notenbankdirektoren auf ihrem Posten. Trump hätte die Option gehabt, Yellen für eine weitere Amtszeit zu ernennen.

Für Yellen, die er im Wahlkampf noch als Erfüllungsgehilfin des damaligen Präsidenten Barack Obama gescholten hatte, hat Trump seit Amtsantritt überaus freundliche Worte gefunden. Zwar schraubte die Fed seit Trumps Wahlsieg vor knapp einem Jahr den Leitzins bereits drei Mail hoch, dies aber in nur sehr moderatem Ausmaß.

Sollte er die notwendige Zustimmung des Senats bekommen, wäre Powell der erste Fed-Chef seit Jahrzehnten ohne Abschluss in Wirtschaftswissenschaften. Er bringt aber Berufserfahrung nicht nur aus den Finanzmärkten, sondern auch dem Regierungsapparat mit.

brt/AFP

insgesamt 4 Beiträge
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hannesmann 02.11.2017
1.
Na dann kann ja die Party an der Wall Street weiter gehen. Bis die Bilanzsumme der FED in homöopathischen Dosen reduziert worden ist gibt es sicher neue Argumente Zinsen zu senken und wieder neue Anleihen zu kaufen. Die FED sitzt in der gleichen Falle wie die BOJ und die EZB. Das einmal in den Markt gepumpte Geld lässt sich nun mal nicht wieder zurück holen schließlich haben sich alle daran gewöhnt. So weitet man den Zeithorizont auf die nächsten 5 bis 6 Jahre und findet dann wieder Gründe den Bilanzabbau zurück zu drehen. Die Steuerreform in den USA wird das Staatsdefizit weiter steigen lassen und irgendwoher muss das Geld ja kommen.
crewmitglied27 02.11.2017
2. Hat der Autor dieses Artikels
sich mal die Statistik der US-amerikanischen Staatsverschuldung angesehen. Wir reden hier von einem Staat, der bereits mit 2104 Tausend Milliarden Dollar verschuldet. Dagegen sind alle "europäischen Schuldenstaaten" ein Tröpfchen auf einem heißen Stein. Hier von "Kontinuität in der Geldpolitik" zu schwafeln ist pure Häme dem amerikanischen Staatsbürger gegenüber. Wenn Staaten derart hoch verschuldet sind, sehen sie meistens nur noch einen Ausweg. Denken wir besser nicht darüber nach.
Rooo 02.11.2017
3. Immerhin Titelzeile
Immerhin Titelzeile. Die Personalie bei der FED ist eigentlich wichtiger als die Personalie im Weißen Haus. Dort entscheidet sich, was mit der Weltwirtschaft passiert und häufig auch, wann es das nächste mal kracht.
dunnhaupt 02.11.2017
4. Freundliche Reaktion der Märkte
Offensichtlich ist die Reaktion der Wirtschaft positiv. Als langjähriger Fed-Gouverneur saß Powell ja schon unter Bernanke und Yellen mit am Tisch.
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