Geldpolitik US-Präsident Trump wirft EU und China Währungsmanipulationen vor

Jüngst nannte US-Präsident Trump die Europäische Union einen "Gegner", nun legt er nach: Die EU und China würden ihre Währungen und Zinsen manipulieren. An den Finanzmärkten lösten seine Worte Hektik aus.

Donald Trump bei einer Veranstaltung
MICHAEL REYNOLDS/EPA-EFE/REX/Shutterstock

Donald Trump bei einer Veranstaltung


US-Präsident Donald Trump hat der EU und China vorgeworfen, den Wert ihrer Währung künstlich niedrig zu halten, um sich Vorteile im internationalen Handel zu verschaffen. "China, die EU und andere manipulieren ihre Währungen und Zinsen nach unten", während der Kurs des US-Dollars ständig steige, schrieb Trump auf Twitter. Dadurch würden die USA ihres "großen Wettbewerbsvorteils" beraubt. Eine schwache Landeswährung erleichtert heimischen Exportunternehmen in der Regel die Geschäfte, weil sie ihre Produkte günstig im Ausland verkaufen können.

Trumps Worte lösten an den Finanzmärkten Hektik aus. Der Dollarkurs gab deutlich nach, weil Investoren einen Abwertungswettlauf fürchten. Der deutsche Leitindex sackte um 1,3 Prozent ab.

Trump warnt vor starkem US-Dollar

Zuvor hatte Trump bereits mit einem Fernsehinterview für Aufregung gesorgt. In diesem machte er auch die US-Notenbank Federal Reserve dafür verantwortlich, dass die USA ihres "großen Wettbewerbsvorteils" beraubt würden. Die USA setzten ihre Zinsen herauf, und der Dollar werde "mit jedem verstreichenden Tag stärker und stärker", beklagte er. Die Fed hat den US-Leitzins in diesem Jahr zweimal leicht angehoben.

Die Aussagen von Trump dürften den Dollar laut Experten aber nicht nachhaltig belasten. "Die US-Notenbank ist unabhängig und wird ihren geldpolitischen Kurs wegen Trump nicht verändern", sagte Esther Reichelt, Devisenexpertin von der Commerzbank. Den Kursausschlag begründete sie mit einer kurzfristigen Reaktion. Zweifel an der Unabhängigkeit der Fed könnten jedoch zu höheren Wechselkursschwankungen führen.

Trump hat mit seiner Steuerreform und der Einführung von Zöllen die Fed sogar unter Handlungsdruck gesetzt. Die Steuerreform kurbelte das Wachstum an und die Zölle sorgten für einen wachsenden Preisdruck. US-Notenbankchef Jerome Powell hatte zuletzt weitere graduelle Leitzinserhöhungen in Aussicht gestellt.

In dem Fernsehinterview bekräftigte Trump außerdem, im Handelsstreit mit China auf alle Importe neue Zölle zu erheben. Mit Blick auf das Handelsdefizit mit China sagte der Präsident: "Die USA liegen gewaltig zurück." Er sei "bereit, bis 500 zu gehen". Im vergangenen Jahr lagen die chinesischen Ausfuhren in die USA bei eben diesen rund 500 Milliarden Dollar.

Auf die Möglichkeit angesprochen, dass die Aktienmärkte angesichts solch umfangreicher Maßnahmen nachgeben könnten, sagte Trump: "Wenn sie es tun, dann tun sie es."

hej/Reuters/AFP/dpa-AFX



insgesamt 122 Beiträge
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Seite 1
nesmo 20.07.2018
1. Jeden Tag
jagt Trump eine neue Sau durchs Dorf. So bleibt er immer im Gespräch, lässt seine Gegner täglich zittern und seine Wähler werden überzeugt, der macht was für sie. Unseren täglich Trump gib uns heute, jubeln sie, hossiana, und Trump bedient. Egal wie blödsinnig und widersprüchlich seine Forderungen sind, hauptsache er gibt den großen Zampano, ohne ihn geht gar nichts. So kann man heutzutage Präsident der USA werden und wahrscheinlich bleiben.
kuac 20.07.2018
2.
Trump scheint davon überzeugt zu sein, dass die ganze Welt (außer Russland) der USA schaden wollen.
spon-facebook-10000523851 20.07.2018
3. Eegal wie man's sieht,
Trump hat's geschafft, den gesamten selbstzufriedenen Haufen von Politikern, Unternehmern , Banken und den UN Debattier Club aufzuscheuchen. Es ruehrt sich was.
Galgenstein 20.07.2018
4. Kann man den nicht allmählich wieder einfangen
auf Dauer sind die Clownerien dieses selbstverliebten Darstellers doch etwas ermüdend.
realplayer 20.07.2018
5.
Wow, alle Importe aus China mit hohen Zöllen belegen. Trifft das nicht auch die Bürger der USA?
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