Kritik an Notenbank Fed Trumps gefährliches Spiel mit dem Dollar

Donald Trump kritisiert die US-Notenbank für ihre Zinserhöhungen - und unterschätzt, wie wichtig unabhängige Währungshüter sind. Es kann schlimm enden, wenn man ihre Glaubwürdigkeit beschädigt.

Donald Trump
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In wenigen Wochen ist es genau zehn Jahre her, dass die Weltwirtschaft in den Abgrund zu stürzen drohte: Die Pleite der US-Investmentbank Lehman Brothers am 15. September 2008 hatte schwerwiegende Folgen - doch verglichen mit dem, was möglich gewesen wäre, haben wir alle diese Finanzkrise noch recht glimpflich überstanden. Und das lag vor allem an den Notenbankern.

Angeführt von der amerikanischen Federal Reserve (Fed) fluteten sie die völlig ausgetrockneten Finanzmärkte mit Geld - und verhinderten so eine jahrelange wirtschaftliche Depression.

Damals zeigte sich deutlich, wer die wichtigsten Akteure in der Finanz- und Wirtschaftswelt sind: nicht kluge Staatenlenker oder findige Finanzminister, nein, die Notenbanker. Und deshalb ist es auch so wichtig, dass gute Leute an der Spitze dieser Institutionen stehen - und noch wichtiger, dass die Politik ihnen besser nicht reinredet.

Für jemanden wie Donald Trump, der sich selbst immer für den Wichtigsten hält, ist so etwas schwer zu akzeptieren. Und so überrascht es wenig, wenn er sich jetzt auch die Notenbank Fed vornimmt, und deren aktuellen Zinserhöhungskurs kritisiert. "Ich bin nicht davon begeistert, dass er die Zinsen erhöht. Nein, ich bin nicht begeistert", sagte Trump in einem Reuters-Interview mit Blick auf Fed-Chef Jerome Powell. Den hatte Trump selbst erst im vergangenen Jahr für die Notenbank-Spitze nominiert. "Er wird die Führungsstärke zeigen, die wir brauchen", hatte Trump damals noch gejubelt. Nun ist die Begeisterung offenbar abgekühlt.

Will Trump nur den Dollar schwächen?

Sechs Mal hat die Fed in den vergangenen 20 Monaten den Leitzins erhöht, zuletzt im Juni auf bis zu zwei Prozent. Ökonomisch gesehen ist das durchaus angebracht: Die US-Wirtschaft brummt, am Arbeitsmarkt herrscht praktisch Vollbeschäftigung, und die Inflationsrate ist zuletzt auf fast drei Prozent gestiegen. Da ist es absolut richtig, Kredite zu verteuern und damit den Schwung der Wirtschaft ein klein wenig zu bremsen. Sonst droht eine Überhitzung.

Trump scheint das allerdings anders zu sehen. Die Fed solle sich zurückhalten und ihm "etwas helfen", fordert er - und man weiß mal wieder nicht genau, ob er das wirklich ernst meint.

Will er die Konjunktur wirklich noch weiter anheizen? Oder möchte er mit seinen Worten nur den Wechselkurs des Dollar ein bisschen drücken? Schließlich könnte ein schwächerer Dollar-Kurs der US-Wirtschaft dabei helfen, das riesige Handelsbilanzdefizit etwas zu schmälern. Und das scheint wirtschaftspolitisch ja Trumps Hauptanliegen zu sein. Die Kritik an der Fed wäre dann nur so etwas wie eine flankierende Maßnahme in Trumps Handelskrieg.

Egal was letztlich dahintersteckt: Trump spielt mit dem Feuer, wenn er den Eindruck erweckt, die Unabhängigkeit der Notenbank infrage zu stellen. Mit seinen Handelskriegen und seiner unberechenbaren Art hat Trump ohnehin schon bei vielen Investoren Zweifel geweckt. Dass sie trotzdem noch fast alle auf die US-Wirtschaft setzen, dürfte vor allem daran liegen, dass sie auf die Fed vertrauen. Die Notenbank wird es im Zweifel schon richten. Diesen unerschütterlichen Glauben setzt Trump aufs Spiel, wenn er weiter zündelt.

Negativbeispiel Erdogan

Wohin es führt, wenn ein Präsident die Glaubwürdigkeit der eigenen Notenbank beschädigt, lässt sich derzeit in der Türkei beobachten. Dort hat Präsident Recep Tayyip Erdogan die Unabhängigkeit der Zentralbank beschnitten - mit fatalen Folgen für die Wirtschaft: Die Investoren verlieren das Vertrauen, die Währung verliert drastisch an Wert, und die Inflation ist kaum mehr unter Kontrolle zu halten.

Der Übergriff auf die Notenbank war der wohl schwerwiegendste wirtschaftspolitische Fehler in Erdogans Amtszeit. Und das Problem daran ist: Man kann diesen Fehler nicht einfach wiedergutmachen. Ist der Punkt einmal überschritten, an dem die Investoren das Vertrauen in die Notenbank verlieren, gibt es kaum ein Zurück. Die Kräfte des Marktes sind entfesselt - und sie bewegen sich gern in eine Richtung.

So weit ist es in den USA noch lange nicht. Und um die Glaubwürdigkeit der Fed ernsthaft zu beschädigen, bräuchte es auch mehr, als ein paar Meckereien des US-Präsidenten. Dafür ist die Notenbank einfach zu mächtig.

Dennoch sollte Trump vorsichtig sein. Denn die Notenbank eignet sich ebenso wenig als Spielwiese für seine vulgär-wirtschaftliche Deal-Denke wie die internationalen Handelsbeziehungen. Auf beiden Feldern gibt es unglaublich viel zu zerstören, was über Jahrzehnte gewachsen ist - und was sich auch nicht mal eben wieder reparieren ließe.



insgesamt 48 Beiträge
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Seite 1
BoMbY 21.08.2018
1. Die FED ist eine Privatbank.
Und diese Privatisierung war vermutlich einer der größten Fehler in der Geschichte der USA. Und nein, die Privatisierung einer Notenbank ist niemals eine gute Idee ...
matthias.ma 21.08.2018
2. Handelsbilanzdefizit senken
Erstmal hilft ein starker Dollar ja, das Handelsbilanzdefizit zu senken, wenn ich bereits eines habe. Wenn der Dollar um 15% steigt, muss ich 15% weniger Dollar für die gleichen Waren ausgeben, mein Defizit sinkt also um 15% z.B. von 100 Mrd auf 85 Mrd. Das wird durch die Exporte, die ja ebenfalls wertmäßig zurückgehen, mathematisch nicht kompensiert. Wenn Trump also die Währung schwächt, die amerikanische Wirtschaft es aber trotz billigerem Preisniveau für das Ausland nicht schafft, attraktive Produkte herzustellen (z.B. weil die Autos zu minderwertige Qualität haben) steigt das Handelsbilanzdefizit der USA sogar. Eine niedrigere Währung kann der Wirtschaft und der Beschäftigung helfen, muss es aber nicht. Sonst würde die Wirtschaft in Venezuela und Simbabwe brummen.
oliver_kreuzzer 21.08.2018
3.
Eigene Interessen zu haben und eine "Privatveranstaltung" zu sein stehen nicht im Widerspruch unabhängig sein. Unabhängigkeit ist etwas anderes als Integrität oder Handeln im Sinne des Gemeinwohls.
muellerthomas 21.08.2018
4.
Zitat von BoMbYUnd diese Privatisierung war vermutlich einer der größten Fehler in der Geschichte der USA. Und nein, die Privatisierung einer Notenbank ist niemals eine gute Idee ...
Nein, ist sie nicht. Alle relevanten Posten werden von der Politik besitmmt.
muellerthomas 21.08.2018
5.
Nein, die Fed ist eine öffentlich-rechtliche Institution, alle relevanten Posten werden von der Politik bestimmt. Ja, es lohnt sich, das näher anzusehen, um solche Mythen wie bei Ihnen nicht noch weiter zu verbreiten.
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