Jobkrise: Zwei Drittel der jungen Griechen sind arbeitslos

Junger Mann vor Wandgemälde in Kalamatta: Sorgen um die jungen Arbeitslosen Zur Großansicht
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Junger Mann vor Wandgemälde in Kalamatta: Sorgen um die jungen Arbeitslosen

Alarmierende Zahlen vom griechischen Arbeitsmarkt: Mehr als 64 Prozent der jungen Menschen in Griechenland sind derzeit ohne Job. Damit ist die Quote binnen eines Jahres um rund zehn Prozentpunkte auf einen Rekordwert geschnellt. Die Regierung in Athen verbreitet trotzdem Optimismus.

Athen - Zuletzt war es ruhiger geworden in der Dauerkrise um die griechischen Staatsfinanzen, die Regierung hatte sogar wieder zaghafte Zuversicht gewagt. Doch die aktuellen Zahlen verheißen wenig Gutes für die finanzielle Zukunft des Mittelmeerlandes. Fast zwei Drittel der Jugendlichen in Griechenland haben zur Zeit keinen Job. Wie das Statistische Amt (Elstat) am Donnerstag mitteilte, stieg die Jugendarbeitslosigkeit im Februar auf 64,2 Prozent. So hoch war die Quote noch nie. Ein Jahr zuvor lag sie noch bei 54,1 Prozent.

Dabei hatte der Staat durchaus Anreize geschaffen, Jugendliche einzustellen. Die Regierung in Athen senkte beispielsweise den monatlichen Mindestlohn für unter 25-Jährige auf 500 Euro, um Firmen zur Beschäftigung von Jugendlichen zu animieren. Wirkung zeigten Maßnahmen wie diese jedoch kaum.

Insgesamt kletterte die Arbeitslosenquote der Griechen auf 27 Prozent und hat sich damit seit dem Ausbruch der Schuldenkrise des Landes 2009 verdreifacht. Im europäischen Vergleich ist sie mehr als doppelt so hoch wie der Durchschnittswert der Euro-Zone, der zwölf Prozent beträgt.

Trotz der beunruhigenden Zahlen erwartet die griechische Regierung einen Aufschwung. Finanzminister Yannis Stournaras sagte im Fernsehen, die Talfahrt der Wirtschaft werde 2014 ein Ende haben. Damit werde auch die Arbeitslosigkeit zurückgehen. Am vergangenen Wochenende hatte der Minister der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" erklärt: "Wir haben sehr gute Ergebnisse vorzuzeigen und sind aus dem Schlimmsten heraus."

Erste positive Zeichen habe es bereits gegeben: Im April 2013 sind nach offiziellen Angaben 29.000 Menschen mehr eingestellt als entlassen worden.

Notenbank rechnet mit Wachstum in 2014

Auch die griechische Notenbank prognostiziert zunächst ein weiteres Schrumpfen der Wirtschaftsleistung in diesem Jahr um etwa 4,5 Prozent. Ein leichtes Wachstum sei erst 2014 zu erwarten. Die griechische Wirtschaft ist seit 2008 insgesamt um 20,1 Prozent geschrumpft.

Seit 2010 stellen die internationalen Geldgeber aus EU, Internationalem Währungsfonds (IWF) und Europäischer Zentralbank (EZB) dem hochverschuldeten Griechenland Kredite im Gesamtumfang von 240 Milliarden Euro zur Verfügung. Im Gegenzug verlangen die Kreditgeber massive Einsparungen.

jok/dpa

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insgesamt 385 Beiträge
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1. Der Weg, die Wahrheit und das Leben
Guillermo Emmark 09.05.2013
Tja, wie Frau Merkel und Herr Schäuble neulich wieder betonten: Griechenland ist auf einem guten Weg.
2. Und trotzdem ...
Pinin 09.05.2013
- sind griechische Reeder von allen Steuern befreit, - streiken bestbezahlte Beschäftigte um ihre Pfründe zu sichern, - gibts mit Griechenland kein Abkommen um Schwarzgeld zurückzuholen, - gibts kein funktionierendes Finanzamt etc. Warum auch? Die Retter zahlen doch sowieso. Die Strategie der Eliten in den Pleiteländern ist nämlich klar: Die Reichen und die Nutznießer des Systems im jeweiligen Land bleiben ungeschoren beim Steuernzahlen, für die anderen, die Armen soll gefälligst die "solidarische Euro-Gemeinschaft", genauer gesagt Deutschland aufkommen. Und warum akzeptieren die Politiker das griechische Geschäftsmodell? Weil sie ebensolche Parasiten sind!
3. EUdSSR
Faraskan 09.05.2013
aber Hauptsache stolzer Bürger des großen EU Reiches. Arbeitslosigkeit - ein geringer Preis für solch eine Ehre. Heil Brüssel !
4.
genlok 09.05.2013
Bitte kommt jetzt nicht mit, die Greichen müssen ja sparen, kein Wunder dass die Wirtschaft schrumpt, es müssen mehr Investitionen fliessen. Das Investitionsfest hatte 10 Jahre angehalten, man hat ja gesehen wie effektiv das war. Abgesehen davon, wieso glauben die Leute eigentlich dass der Staat eine so grosse Rolle in der Wirtschaft spielt? Es sind die Unternehmer, Kapitalgeber und die Arbeitskräfte die die Wirtschaft bilden. Nicht der Staat der überall Geld ausgibt auf Pump, damit irgendjemand mehr Rechnungen schreiben kann.
5. Wenn nicht der Mensch sondern das Geld
derandersdenkende 09.05.2013
Zitat von sysopREUTERSAlarmierende Zahlen vom griechischen Arbeitsmarkt: Mehr als 64 Prozent der jungen Menschen in Griechenland sind derzeit ohne Job. Damit ist die Quote binnen eines Jahres um rund zehn Prozent auf einen Rekordwert geschnellt. Die Regierung in Athen verbreitet trotzdem Optimismus. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/dramatische-jobkrise-fast-zwei-drittel-der-jungen-griechen-arbeitlos-a-898949.html
jegliches Handeln bestimmt ist dies nicht alarmierend, sondern gehört zur geförderten tagtäglichen Praxis. Die Moral wird schon längst nicht mehr in Kategorien wie Menschenrechte, Sitte und Anstand gemessen sondern in Euro und Dollar. Hat man genügend davon, kann man auf die genannten Kategorien pfeifen!
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Fläche: 131.957 km²

Bevölkerung: 11,305 Mio.

Hauptstadt: Athen

Staatsoberhaupt:
Karolos Papoulias

Regierungschef: Antonis Samaras

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