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Drohende Altersarmut: Jeder Zweite geht mit weniger Geld in Frührente

Vorzeitig raus aus dem Job und weniger Einkommen: Laut einem Bericht der "Süddeutschen Zeitung" geht der Trend in Deutschland zur Frührente. Demnach verabschiedete sich 2010 fast jeder zweite Ruheständler vorzeitig. Weil die Bezüge dann geringer ausfallen, warnen Sozialverbände vor Altersarmut.

Hände einer alten Frau: Warnung vor Altersarmut Zur Großansicht
DPA

Hände einer alten Frau: Warnung vor Altersarmut

München - In wenigen Tagen startet die Rente mit 67. Vom 1. Januar an wird das Rentenalter bis 2029 schrittweise auf 67 Jahre erhöht. Doch in der Realität geht der Trend keineswegs zum längeren Arbeiten. Im Gegenteil: Laut Statistiken der Deutschen Rentenversicherung gehen immer mehr Beschäftigte in Deutschland vorzeitig in den Ruhestand, meldet die "Süddeutsche Zeitung" (SZ). Dafür nehmen die Betroffenen auch geringere Altersbezüge in Kauf.

2010 habe fast jeder zweite Neurentner Abschläge hingenommen, berichtet die Zeitung. Im vergangenen Jahr bezogen demnach knapp 674.000 Versicherte erstmals eine Altersrente. Davon hätten fast 320.000 (47,5 Prozent) eine geringere Rente hinnehmen müssen, weil sie nicht bis zur Regelaltersgrenze von 65 Jahren gearbeitet haben. Fünf Jahre zuvor lag der Anteil der Frührentner demnach bei 41,2 Prozent, im Jahr 2000 waren es nur 14,5 Prozent.

Im Durchschnitt gingen die Frührentner drei Jahre und zwei Monate vorher in Ruhestand. Bei diesen Menschen fiel die Rente im Schnitt um monatlich 113 Euro geringer aus. Die Höhe der Abschläge habe damit im vorigen Jahrzehnt kräftig um knapp 80 Euro zugelegt, berichtete die Zeitung. Ein Rentner, der 45 Jahre lang das Durschnittseinkommen aller Versicherten bezogen habe, erhalte derzeit eine monatliche Rente von 1236 Euro.

Gewerkschaften und Sozialverbände befürchteten, dass sich das Problem der geringeren Bezüge mit der schrittweisen Erhöhung des Renteneintrittsalters auf 67 Jahre vom neuen Jahr an vergrößern wird. "Die Gefahr von Altersarmut wird wachsen", sagte die Vorsitzende des Sozialverbands VdK Deutschland, Ulrike Mascher, der "SZ".

Auch der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) sieht die Entwicklung mit Sorge. "Solange die Beschäftigten kaum eine Chance haben, bis 65 zu arbeiten, ist die Rente mit 67 ein reines Rentenkürzungsprogramm", sagte DGB-Vorstandsmitglied Annelie Buntenbach.

Laut "SZ" führt die Rentenversicherung den steigenden Anteil der Neurentner mit geringeren Bezügen vor allem auf zwei Faktoren zurück: einerseits auf die gesetzlichen Reformen und andererseits auf die demografisch bedingte Zunahme der Versicherten, die älter als 60 Jahre sind und eine vorgezogene Altersrente beziehen können.

mmq/dpa

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1. freiwillig oder gezwungen
dickebank 28.12.2011
In meinem privaten und beruflichen Umfeld gehen eine Menge leute über die Blockaltersteilzeit früher in "Rente", die sind aber gar nicht von den 0,3% je Monat betroffen. Ansonsten gehen viele Ehepartner(innen) - meist Frauen, da sie jünger als ihre Männer sind - freiwillig früher in "Rente", um gemeinsam den lebensabend zu verbringen. Die nehmen die Rentenkürzung also ganz bewusst in Kauf. Der Dreh- und Angelpunkt der Diskussion sind aber die 45 Beitragsjahre. Viele der heutigen Arbeitnehmer haben noch mit 14 Jahren in den 60-ern mit der Lehre begonnen. Die sind bereits in "Rente" und zwar ohne Abschläge.
2. Sturm im Wasserglas
MütterchenMüh 28.12.2011
Zitat von sysopVorzeitig raus aus dem Job und weniger Einkommen: Laut einem Bericht der "Süddeutschen Zeitung" geht der Trend in Deutschland zur Frührente. Demnach verabschiedete sich 2010 fast jeder Zweite vorzeitig in den Ruhestand. Weil die Bezüge dann geringer ausfallen, warnen Sozialverbände vor Altersarmut. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,805997,00.html
Also, der "langjährig versicherte" AN kann frühestens ab 63 mit Abschlag in Rente. Die anderen auch erst Monate später. Der durchschnittliche Rentenverlust liegt bei ca 100 Euro. Wo soll das Problem sein, wenn ein paar alte Knacker früher in Rente gehen?
3. Ach Leute.....
senfdazu 28.12.2011
Zitat von sysopVorzeitig raus aus dem Job und weniger Einkommen: Laut einem Bericht der "Süddeutschen Zeitung" geht der Trend in Deutschland zur Frührente. Demnach verabschiedete sich 2010 fast jeder Zweite vorzeitig in den Ruhestand. Weil die Bezüge dann geringer ausfallen, warnen Sozialverbände vor Altersarmut. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,805997,00.html
..es gibt sicher jede Menge Arbeitnehmer die keine Lust mehr haben oder keinen Spaß am Job und die Abschläge mal mehr und mal weniger locker wegstecken...vielleicht noch ein kleiner Nebenjob als Rentner..ansonsten den Lebenabend genießen und sich um die Enkel kümmern.... bei den Gewerkschaften geht immer gleich das Abendland unter !
4.
jujo 28.12.2011
Zitat von sysopVorzeitig raus aus dem Job und weniger Einkommen: Laut einem Bericht der "Süddeutschen Zeitung" geht der Trend in Deutschland zur Frührente. Demnach verabschiedete sich 2010 fast jeder Zweite vorzeitig in den Ruhestand. Weil die Bezüge dann geringer ausfallen, warnen Sozialverbände vor Altersarmut. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,805997,00.html
Ich glaube, man muss Grundsätzlich unterscheiden, ob jemand freiwillig, sich der Kürzungen bewusst, in die Frührente verabschiedet, oder ob es Gründe gibt welche der Betreffende nur bedingt zu verantworten hat. Zahlen dazu währen hilfreich zur Beurteilung der Situation von den Betroffenen.
5. Lebensarbeitszeit
denkdochmalmit 28.12.2011
Zitat von sysopVorzeitig raus aus dem Job und weniger Einkommen: Laut einem Bericht der "Süddeutschen Zeitung" geht der Trend in Deutschland zur Frührente. Demnach verabschiedete sich 2010 fast jeder Zweite vorzeitig in den Ruhestand. Weil die Bezüge dann geringer ausfallen, warnen Sozialverbände vor Altersarmut. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,805997,00.html
Warum man immer noch ein "Renteneintrittsalter" und nicht eine Lebensarbeitszeit hat wissen wohl nur unsere Politiker. Aber daran das man die Menschen immer länger in Arbeit halten muss ( Rentenkürzungen, Abitur nach 12 Jahren, Turbostudium ) damit die Arbeitssklaven die Zinsen der " Schuldenkriese" zahlen können, sieht man wie Krank unser System wirklich ist...
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Rentengarantie
ddp
Die Rentengarantie wurde 2009 von der Großen Koalition beschlossen. Die Schutzklausel sieht vor, dass Rentenkürzungen in wirtschaftlich schwachen Zeiten ausgeschlossen sind. Mit der gesetzlichen Garantie wird sichergestellt, dass die Renten in Deutschland auch dann stabil bleiben, wenn die Löhne sinken sollten. Rentner werden somit vor sinkenden Altersbezügen geschützt.

Die damalige Bundesregierung hatte für 2010 und die Folgejahre keine Lohnsenkungen erwartet. Die Rentengarantie war daher eine reine Vorsichtsmaßnahme. Das Gesetz war eine Reaktion auf eine Debatte über mögliche Rentenkürzungen im Jahr 2010.


Die Berechnung der Rentensteigerung
Lohn der Arbeitnehmer
Das Prinzip der dynamischen Rente besagt, dass die Rentner vom steigenden Wohlstand der Arbeitnehmer proftieren sollen. Deshalb steigen die Bezüge der älteren Generation grundsätzlich um den gleichen Prozentsatz, mit dem sich auch der Durchschnittslohn je Arbeitnehmer im Vorjahr erhöht. Vereinfacht gesagt: Verdient ein durchschnittlicher Arbeitnehmer dank Lohnererhöhungen zwei Prozent mehr, erhöht sich auch die Rente entsprechend. Allerdings wurden in den vergangenen Jahren zwei Faktoren eingeführt, die den Rentenanstieg bremsen.
Riester-Faktor
Der Riester-Faktor wurde 2001 eingeführt. Der Abzug von der sich rechnerisch ergebenden Rentenerhöhung soll den erhöhten Aufwendungen der Arbeitnehmer für die private Altersvorsorge (Riester-Rente) Rechnung tragen. Der Sonderfaktor hat den Rentenanstieg in den vergangenen Jahren um 0,5 bis 0,6 Prozent jährlich gedämpft. Allerdings wurde er für die Jahre 2008 und 2009 ausgesetzt. Das damals fällige Minus soll allerdings 2012 und 2013 nachgeholt werden.
Nachhaltigkeitsfaktor
Der Nachhaltigkeitsfaktor wurde im Rahmen der Rentenreform des Jahres 2004 eingeführt. Er soll sicherstellen, dass die Renten dann weniger stark steigen, wenn die Zahl der Beitragszahler sinkt. Weil es künftig immer mehr Rentner und immer weniger Arbeitnehmer geben wird, führt er mit großer Wahrscheinlichkeit in den kommenden Jahren regelmäßig zu geringeren Rentensteigerungen. Auch in Zeiten hoher Arbeitslosigkeit dämpft der Sonderfaktor das Plus bei den Renten.
Rentengarantie
Die Rentengarantie wurde 2009 beschlossen. Sie soll sicherstellen, dass die Altersbezüge auch dann nicht niedriger ausfallen, wenn die Lohnsumme sinkt. Allerdings soll die ausgefallene Rentenkürzung in besseren Zeiten nachgeholt werden. Dann steigen die Altersbezüge nur halb so viel wie rechnerisch möglich.
Die Säulen des Sozialsystems
Arbeitslosenversicherung
Jeder Arbeitnehmer in Deutschland ist Pflichtmitglied der Arbeitslosenversicherung. Die Hauptleistung der Versicherung ist das Arbeitslosengeld I (ALG I), das einen Teil des ehemaligen Nettoeinkommens ersetzt und bis zu ein Jahr nach Verlust einer Stelle gezahlt wird. Für ältere Arbeitslose gelten Ausnahmen. Läuft die Zahlung des ALG I aus, ohne dass eine neue Stelle gefunden wurde, wird anschließend Arbeitslosengeld II (ALG II) gezahlt. Das Instrument - auch bekannt als Hartz IV - wurde im Jahr 2005 geschaffen, als die ehemalige Arbeitslosen- und Sozialhilfe zusammengelegt wurden. Der Beitragssatz zur Arbeitslosenversicherung beträgt derzeit 3,0 Prozent des Bruttolohns. Arbeitgeber zahlen diesen Satz auch für jeden Beschäftigten.
Krankenversicherung
Es gibt zwei Arten von Krankenversicherungen - die Gesetzliche (GKV) und die Private (PKV). Rund 90 Prozent der Erwerbstätigen sind in der GKV pflichtversichert. Der Beitragssatz beträgt aktuell 15,5 Prozent für alle Versicherten. Zusätzlich können die Krankenkassen vom Einkommen unabhängige Beiträge erheben. Seit Anfang 2009 fließen alle Beiträge in einen Gesundheitsfonds, aus dem sie an die Kassen verteilt werden. Der Zugang zur PKV steht nur Selbstständigen und Arbeitnehmern oberhalb einer Einkommensgrenze offen.
Rentenversicherung
Die Beiträge werden durch ein Umlageverfahren finanziert, bei dem die Berufstätigen die Leistungen der Rentner zahlen. Anhand der eingezahlten Beiträge wird die künftige Rentenhöhe errechnet. Zurzeit liegt der Beitragssatz bei 19,6 Prozent. Im Januar 2013 sinkt der Beitrag auf 18,9 Prozent. Das gesetzliche Renteneintrittsalter wird derzeit stufenweise von 65 Jahren auf 67 Jahre heraufgesetzt.
Pflegeversicherung
Die Pflegeversicherung ist die jüngste der Sozialversicherungen in Deutschland. Sie ist eine Grundversicherung, die einen Teil der Pflegekosten abdeckt.


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