Drohende Staatspleite FDP-Finanzpolitiker legt Griechenland Euro-Austritt nahe

Austritt aus der Währungsunion statt einer Umschuldung: Der FDP-Finanzpolitiker Frank Schäffler hält ein Ausscheiden des hochverschuldeten Griechenlands für ratsam. "Das rettet den Euro."

Akropolis in Athen: Kernproblem einer nicht wettbewerbsfähigen Wirtschaft beheben
dpa

Akropolis in Athen: Kernproblem einer nicht wettbewerbsfähigen Wirtschaft beheben


Hamburg - Nein zum europäischen Rettungsfonds ESM, nein zu weiteren Milliardenhilfen für Griechenland, nein zu einer Umschuldung: Frank Schäffler ist der Wortführer in der FDP gegen Hilfen für Pleitekandidaten in der Euro-Zone - und Garant für radikale Forderungen. Jetzt legt der Finanzpolitiker dem Sorgenkind Griechenland sogar einen Austritt aus der Währungsunion nahe. Damit ließe sich das Kernproblem einer nicht wettbewerbsfähigen Wirtschaft kurzfristig am einfachsten beheben, sagte Schäffler am Mittwoch im ARD-Morgenmagazin.

Anders als Finanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) lehnt Schäffler daher eine Umschuldung ab: Eine Schuldenreduzierung wirke in der momentanen Situation des Landes kaum, sagte der FDP-Politiker, der auch Mitglied des Finanzausschusses ist. "Dann werden morgen wieder neue Schulden gemacht und die Probleme sind wieder gleich."

Schäfflers Idee eines Euro-Austritts Griechenlands ist nicht neu. Bekannte Ökonomen hatten bereits laut über einen solchen Schritt nachgedacht. So hatte etwa der Chef des Münchner Ifo-Instituts, Hans-Werner Sinn, einen Ausstieg des Schuldenlandes aus der Währungsunion als besser geeignet bezeichnet als eine Sanierung auf Kosten der Euro-Mitglieder. "Der Austritt aus dem Euro wäre das kleinere Übel", sagte Sinn vor einigen Wochen in einem Zeitungsinterview.

Ein Austritt sei eine "persönliche Entscheidung" der Griechen, stellte Schäffler klar. Deutschland solle das Land aber im Falle eines Austritts aktiv unterstützen. "Das ist nicht der Untergang des Euros, sondern es rettet den Euro", sagte der FDP-Politiker.

Grüne unterstützen Schäuble-Vorstoß

Die Grünen dagegen unterstützen Schäubles Vorstoß einer Umschuldung Griechenlands. Der Finanzminister hatte in einem Brief an die Euro-Finanzminister und Eurogruppen-Chef Jean-Claude Juncker für eine Beteiligung privater Gläubiger an der Lösung der Schuldenkrise plädiert. Dies wäre richtig, um die "Schuldentragfähigkeit" Griechenlands wiederherzustellen, sagte der Grünen-Finanzexperte Gerhard Schick im Deutschlandradio Kultur. "Die Schuldenlast ist so hoch, dass es kaum eine Perspektive gibt, wenn man nicht durch eine Umschuldung dieses Niveau reduziert", argumentierte Schick.

Der Grünen-Politiker schlug zudem die Errichtung eines europäischen Bankenrettungsfonds vor. Dieser solle einzelne Banken, die in Schwierigkeiten geraten seien, auffangen, "damit es nicht zu neuen Verwerfungen am Finanzmarkt kommt".

Schick lobte die Bemühungen Athens zur Konsolidierung seines Haushaltes. Noch kein europäisches Land habe in so kurzer Zeit so viel konsolidiert.

yes/dapd

insgesamt 67 Beiträge
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nixkapital 08.06.2011
1. Titel for all...
Zitat von sysopAustritt aus der Währungsunion statt einer Umschuldung: Der FDP-Finanzpolitiker Frank Schäffler hält ein Ausscheiden des hochverschuldeten Griechenlands*aus der Euro-Zone für ratsam.*"Das rettet den Euro." http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,767278,00.html
Mal eine Frage: Was ist eine "Gemeinschaft" wert, die ein Mitglied zum Austritt bewegt, wenns ihm schlecht geht? Zumal die Gemeinschaft Griechenland trotz offenkundiger Bilanzmogelei in die EU gezogen hat. Da sich Griechenland aber "selbst" entscheiden muss, kann die FDP ja schadlos fordern und versuchen ein paar Punkte über den 3% beim Stammtisch und der BILD-Gemeinde zu ködern...
kundennummer 08.06.2011
2. In der Tat!
Zitat von nixkapitalMal eine Frage: Was ist eine "Gemeinschaft" wert, die ein Mitglied zum Austritt bewegt, wenns ihm schlecht geht? Zumal die Gemeinschaft Griechenland trotz offenkundiger Bilanzmogelei in die EU gezogen hat. Da sich Griechenland aber "selbst" entscheiden muss, kann die FDP ja schadlos fordern und versuchen ein paar Punkte über den 3% beim Stammtisch und der BILD-Gemeinde zu ködern...
Die armen Griechen wurden von der EU unter Waffengewalt gezwungen mit Goldman Sachs die Statistiken so lange zu kochen bis die Kommissare durchwinken konnten. Schrecklich erpresst und dann so mit EUROs zugeballert das die armen Griechen sich nicht besser zu helfen wussten als eine Korruptokratie zu werden. Selbstredent liegt das an dem tiefen Schaden den die griechische Volksseele vor umme 70 Jahren erleiden musste. BINGO! WIR SIND SCHULD ! WIR! So richtig?
MarkusK124 08.06.2011
3. Euro abschaffen
Der Euro sollte abgeschafft werden. Die Geld- und Finanzpolitik dieser Länder zu koordinieren, ist viel zu kompliziert, als das dies langfristig funktionieren könnte. Allein schon die Frage, wie hoch die Zinsen durch die EZB sein sollten, ist schwierig zu beantworten, wenn ein Land wirtschaftlich stark wächst, dass andere aber vielleicht sogar ein negatives Wachstum aufweist. Auch die Stellung von Deutschland als starkes Exportland wird dadurch mittelfristig nicht gefährdet sein, die Schweiz und Schweden sind schließlich auch mit ihren Industriegütern im Ausland erfolgreich, obwohl sie nicht dem Euro angehören, und trotzdem ein hoher Anteil ihrer Exporte in den Euroraum geht.
capmidi 08.06.2011
4. Das Beste ...
Zitat von sysopAustritt aus der Währungsunion statt einer Umschuldung: Der FDP-Finanzpolitiker Frank Schäffler hält ein Ausscheiden des hochverschuldeten Griechenlands*aus der Euro-Zone für ratsam.*"Das rettet den Euro." http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,767278,00.html
...was m.M.n.Griechenland beim Austritt passieren kann; also redet ein "Politiker" anscheinend mal ein "wahres Wort"! Nur, er sollte im gleichen Atemzug auch Deutschland nennen! Die EU hat vor dem EURO mittels IWS auch funktioniert! Und soll Keiner sagen, dann haben diese Austreter mehr Nachteile als vorher in der EU. Papier ist geduldig und die Praxis - laienhaft ausgedrückt - sieht wesentlich anders aus und es gibt immer eine Lösung!
anonyfox 08.06.2011
5. Und da hat der FDP'ler mal Recht!
Wer unfähig ist zu wirtschaften hat in einer Wirtschaftsunion nichts verloren. Der Sinn so einer Beziehung ist gegenseitige Hilfe und Unterstützung zum Wohle aller Beteiligten. Griechenland jedoch will nur etwas haben ohne Gegenleistung. Man ist sogar so arrogant, die Hilfen zu fordern! Wenn die Ausgaben die Einnahmen überschreiten muss man doch wohl zuerst bei sich selbst ansetzen und nicht Andere für sich zahlen lassen?! Raus aus der Währungsunion und das Thema ist vom Tisch. Die bisherigen Finanzhilfen sehen wir eh nie wieder, durch eine Umschuldung wird letztlich sowieso auf Geld verzichtet. Lieber ein Ende mit Schrecken als ein Schrecken ohne Ende!
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