Drohende Staatspleite Griechischer Minister gibt EU Schuld an Misere

Griechenlands Wirtschaft liegt am Boden, das Land steht am Rande der Pleite - nun gibt der Athener Wirtschaftsminister vor allem den EU-Subventionen die Schuld. Gleichzeitig warnt er vor einem "großen Knall" in der Gesellschaft.

REUTERS

Athen - Der griechische Wirtschaftsminister Michalis Chrysochoidis sieht in den jahrzehntelangen EU-Subventionen einen Hauptgrund für die wirtschaftliche Misere des Landes. Sie hätten dazu beigetragen, die Produktionsbasis des Landes zu zerstören, sagte Chrysochoidis der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" ("FAZ").

"Während wir mit der einen Hand das Geld der EU nahmen, haben wir nicht mit der anderen Hand in neue und wettbewerbsfähige Technologien investiert. Alles ging in den Konsum", sagte der Minister. "Das Ergebnis war, dass alle, die etwas produzierten, ihre Betriebe schlossen und Importfirmen gründeten, weil sich damit mehr verdienen ließ. Das ist das eigentliche Desaster dieses Landes."

Chrysochoidis wälzt die Schuld dabei nicht nur auf die EU ab, sondern geht auch mit seinen Landsleuten hart ins Gericht. Die politische Führung habe "nicht verstanden, wohin sie führen muss", sagte er. So hätten sich die Griechen "über Jahrzehnte von Werten entfernt, die wir schon einmal hatten". Als Beispiel nannte er "harte Arbeit".

Der Minister warnte die politische Klasse davor, nötige Strukturreformen weiter zu verschleppen. "Solange die Politik nicht in der Lage ist, Maßnahmen zur Veränderung des Landes zu ergreifen und ein neues Griechenland zu schaffen, werden wir weiter gezwungen sein, Löhne und Renten zu kürzen", sagte er der "FAZ".

"Das wird zu einem großen Knall führen"

Allerdings sei der soziale Frieden in Griechenland ernsthaft in Gefahr, wenn die Regierung die Einkommen weiter kürze. Dann drohe das Land nämlich von einer Rezession in eine Depression zu gleiten. "Das wird irgendwann zu einem großen Knall in der Gesellschaft führen."

Die Parteispitzen der griechischen Übergangsregierung konnten sich in der Nacht zu Donnerstag nicht auf die gesamten von EU und IWF geforderten neuen Sparmaßnahmen einigen. Zwar stimmten die Spitzenpolitiker den meisten Einschnitten zu. Keine Übereinstimmung gab es nach Angaben der Sozialisten jedoch bei der heftig umstrittenen Kürzung der Zusatzrenten. Damit kann der griechische Finanzminister Evangelos Venizelos den übrigen Euro-Finanzministern bei dem für Donnerstagabend geplanten Treffen keine vollständige Einigung auf das geforderte Sparpaket präsentieren.

"Ich hoffe, dass das Treffen der Euro-Gruppe stattfindet und das neue Programm genehmigt", sagte der griechische Finanzminister Evangelos Venizelos im Fernsehen. "Davon hängt das finanzielle Überleben unseres Landes ab."

Die umstrittenen Zusatzrenten sollten laut den Forderungen von EU und IWF um bis zu 15 Prozent gekürzt werden. Die Einschnitte stoßen auf massiven Widerstand bei den Gewerkschaften, die am Dienstag mit einem Generalstreik gegen den Sparkurs mobilgemacht hatten.

Für das Wochenende haben sie erneut zu einem Streik aufgerufen - diesmal für zwei Tage. Am Freitag und am Samstag soll die Arbeit ruhen, wie die größten Gewerkschaftsverbände GSEE für den Privatsektor und ADEDY für die Beamten am Donnerstag mitteilten. Bereits für den Abend waren zudem mehrere Demonstrationen linksgerichteter Organisationen geplant.

stk/Reuters/dpa-AFX

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insgesamt 64 Beiträge
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Seite 1
idealist100 09.02.2012
1. Was solls
Zitat von sysopREUTERSGriechenlands Wirtschaft liegt am Boden, das Land steht am Rande der Pleite - nun gibt der Athener Wirtschaftsminister vor allem den EU-Subventionen die Schuld. Gleichzeitig warnt er vor einem "großen Knall" in der Gesellschaft. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,814252,00.html
Das erste und zweite und dritte Sparpaket wurde nicht umgesetzt und jetzt kommt das X+Y welches auch nicht umgesetzt wird. Hauptsache die Kohle kommt rüber.
kurt-aus-kienitz 09.02.2012
2. Ich kann mir ...
... irgendwie nicht vorstellen, dass die EU bei er Auszahlung der Subventionen darauf bestanden hat, dass die Gelder "auf den Kopf gehauen" werden müssen. Aber es liest sich so, als wenn der Herr Minister mittlerweile verstanden hätte, dass zwischen dem "nicht in die Zukunft Investieren" und der anstehenden Pleite seines Landes ein Zusammenhang besteht ... das lässt hoffen ;-)
wika 09.02.2012
3. Das tolle EU Rettungskonzept …
… mit seinen Aussagen liegt der Minister wohl ziemlich richtig. Die Reihe der Verfehlungen beginnt und endet ja nicht in Griechenland, da können sich die EU'ler tatsächlich ein gerüttelt Maß auf die eigene Fahne schreiben. Der aktuelle Rettungs-Laborversuch erinnert ein wenig daran, einen Verdurstenden durch Entzug von Wasser vor dem Verdursten zu bewahren. Ein interessantes Experiment, wenn es gelingt, dann hat man tatsächlich den Stein der Weisen gefunden. Bislang würde ich aber mehr auf ein vorzeitiges Ende wetten. Aber als Laborratte scheint Griechenland die ideale Größe zu haben: Radikalkur – Griechenland wird erste marktkonforme Demokratie (http://qpress.de/2012/02/06/radikalkur-griechenland-wird-erste-marktkonforme-demokratie/) … und hier kann Merkel & Konsorten mal die Grenzen der „Marktkonformen Demokratie“ testen. Wenn ich es richtig mitbekommen habe, dann hat der Iran auch noch dieser Tage mit 2/3 Mehrheit den Öl-Lieferstopp Richtung EU beschlossen, treibt dann die Preise noch, wenn Griechenland überhaupt von irgendwoher noch Öl bekommt. Die Eskalation rund um Griechenland dürfte sich also noch um einiges steigern.
liberalerfr 09.02.2012
4. Nichts begriffen
Die griechischen politiker leben in einer anderen welt. sie haben keine ahnung was in ihrem land los ist und wo die ursachen sind. Verständlich, dass die anderen, die bösen ausländischen mächte, verantwortlich gemacht werden. das ist bequem, denn man braucht sich weder vorwuerfe wegen fehler in der vergangenheit zu machen, noch braucht man sich mit lösungsansätzen zu befassen. Bravo! Klar ist damit aber auch, dass mit dieser politikerkaste kein staat zu machen ist! vielleicht ist es tatsächlich das beste, das land pleite gehen zu lassen. wenn die ausländischen mächte erst einmal griechenland in ruhe lassen und auch kein geld mehr geben, wird zumindest die bevoelkerung aufwachen und sich fragen, warum man pleite ist.
tdus 09.02.2012
5. aja
Wie sagte man schon im Mittelalter: Wenn der Bauer nicht schwimmen kann, ist die Badehose dran schuld.
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